Regierung will öV-Angebot bis 2015 weiter ausbauen
Frauenfeld/TG. Die Bahn- und Buslinien sollen bis 2015 um rund zehn Prozent ausgebaut werden.
Der Regierungsrat hat vom Konzept für den öffentlichen Regionalverkehr im Kanton für die Jahre 2010 bis 2015 Kenntnis genommen und schickt es in die Vernehmlassung.
Vorgesehen ist ein Ausbau des Angebots auf den Bahn- und Buslinien bis 2015 um rund zehn Prozent. Erreicht wird dies hauptsächlich durch die Ausdehnung des Halbstundentaktes bei den Bahnen und durch Verdichtungskurse bei den Buslinien.
Seit 1999 legt der Regierungsrat die Ziele und Massnahmen für den Ausbau des öffentlichen Regionalverkehrs in Konzepten fest, welche über mehrere Jahre umgesetzt werden. Das neue Konzept zeigt im Sinne einer Absichtserklärung auf, wie das Angebot des öffentlichen Regionalverkehrs bis 2015 weiter entwickelt werden soll. Dies unter dem Vorbehalt, dass die benötigten finanziellen Mittel auch tatsächlich zur Verfügung stehen. Im Rahmen des Budgetprozesses entscheidet der Regierungsrat jeweils, welche Ausbauten realisiert werden.
35 Prozent höheres Angebot, 46 Prozent mehr Passagiere
Basierend auf den bisherigen Konzepten wurde das Angebot bei den regionalen Bahn- und Buslinien im Thurgau zwischen 1999 und 2008 um 35 Prozent erhöht auf 11,1 Millionen Fahrplan-Kilometer im Jahr 2008. Der Ausbau wirkte sich positiv auf die Nachfrage aus: Die Zahl der Passagiere nahm im selben Zeitraum um 46 Prozent auf 26,8 Mio. Fahrgäste zu. Mit 29 Prozent stiegen die Passagierzahlen zwischen 2004 und 2008 besonders stark.
Dies als Folge der Angebotsverbesserungen im Fernverkehr (erste Etappe «Bahn 2000»), der Einführung des Halbstundentaktes zu den Hauptverkehrszeiten auf allen wichtigen Bahn- und Buslinien sowie der Schaffung verschiedener Tarifangebote wie Tarifverbund Ostschweiz und Z-Pass (Verbindung mit dem Zürcher Verkehrsverbund). Dank Effizienzsteigerungen bei den Transportunternehmen und dank Mehreinnahmen stiegen die Kosten weniger stark als das Angebot. Die Abgeltungsleistungen von Bund, Kanton und Gemeinden erhöhten sich um 19 Prozent auf 57,5 Millionen Franken (2008).
Anteil des öffentlichen Verkehrs weiter steigern
Im Konzept für die Jahre 2010 bis 2015 soll der eingeschlagene Weg konsequent fortgesetzt und der öffentliche Verkehr weiter ausgebaut werden. Dies im Einklang mit den Regierungsrichtlinien 2008 bis 2012
sowie dem Entwurf des kantonalen Richtplans. Angestrebt wird bis 2015 eine Erhöhung des Angebots bei Bahn und Bus um rund zehn Prozent, was je einer halben Million Fahrplankilometern entspricht. Damit soll die Standortattraktivität des Thurgaus weiter gesteigert werden. Zudem wird eine Erhöhung des ÖV-Anteils am gesamten Verkehrsaufkommen erwartet.
Mehr S-Bahnverbindungen und mehr Halbstundentakt
Konkret sollen auf der Achse Romanshorn-Winterthur-Zürich am Tagesrand weitere schnelle S-Bahnverbindungen via Stadelhofen eingesetzt werden. Zwischen Winterthur und Weinfelden sowie zwischen Winterthur und Wil soll der erfolgreiche Halbstundentakt auch auf das Wochenende und am
Abend bis um Mitternacht (Sonntag bis 20 Uhr) ausgedehnt werden.
Ein integraler Halbstundentakt von Montag bis Samstag, jeweils bis Mitternacht, ist auch auf der Linie Weinfelden-Bischofszell-St. Gallen vorgesehen. Auch die Verbindungen zwischen Frauenfeld und Wil sowie
zwischen Romanshorn und St. Gallen sollen am Abend bis um Mitternacht halbstündlich erfolgen.
Schnelle Buskurse Arbon-St. Gallen
Bei verschiedenen Buslinien sind die Einführung von Verdichtungskursen und die Ausdehnung des Halbstundentaktes geplant. Zudem soll die stark frequentierte Linie Arbon-St. Gallen durch die Einführung von stündlichen Schnellkursen zusätzlich zum bestehenden Halbstundentakt beschleunigt werden. Auf der Linie Frauenfeld-Müllheim ist die Ausdehnung des Halbstundentaktes von Montag bis Samstag bis Mitternacht vorgesehen.
Abgeltungskosten steigen
Es wird damit gerechnet, dass die Abgeltungskosten für die Fahrplanleistungen, die Tarifmassnahmen sowie den Betrieb und die Abschreibungen der Privatbahn-Infrastruktur zwischen 2009 und 2015 jährlich um durchschnittlich 3,5 Prozent steigen.
2015 sollen sie 72,4 Millionen Franken ausmachen. 12,4 Millionen Franken mehr als 2009. Der stärkere Anstieg ist die Folge des praktisch ausgeschöpften Potentials für Effizienzsteigerungen bei den Transportunternehmen und des höheren Abschreibungsbedarfs für die Infrastruktur bei den Privatbahnen. Da der Bund seine Abgeltung bis 2015 um lediglich 1,5 Millionen Franken erhöht, müssen in erster Linie der Kanton (zwei Drittel) und die Gemeinden (ein Drittel) den zusätzlichen Finanzierungsbedarf bereit stellen.
Nach der Kenntnisnahme durch den Regierungsrat geht das Konzept für den öffentlichen Regionalverkehr 2010-2015 nun in die Vernehmlassung. Adressaten sind die Gemeinden, Regionalplanungsgruppen, Nachbarregionen, Parteien, Verbände und Transportunternehmen.



























