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Regenwürmer werden im Toggenburg zur Plage

St.Gallen. Der Schwarzkopfregenwurm macht den Toggenburger Bauern das Leben schwer. Der Kot der Würmer verwandelt die Weiden in Morastlandschaften.

Eigentlich sind Regenwürmer bei Bauern willkommen, weil sie den Boden lockern. Nicht so der Schwarzkopfregenwurm: Der Nicodrilus nocturnus kommt in den Ostschweizer Voralpen in so grosser Zahl vor, dass er ganze Wiesen in Morastfelder verwandelt, die praktisch nicht mehr zu bewirtschaften sind.
Akut werde das Problem jeweils im Frühling nach der Schneeschmelze und im Herbst, wenn der Boden durch die Feuchtigkeit aufgeweicht sei, sagt Guido Schmid, Leiter der Abteilung Boden und Stoffkreislauf beim St.Galler Amt für Umwelt und Energie (AFU).

Wurmkot statt Gras
Die Würmer produzieren derart viel Kot, dass die Bauern ihre Wiesen nicht mehr bewirtschaften können. Tiere und Traktoren würden im Wiesland versinken. Ausserdem mögen die Kühe das mit Wurmkot verunreinigte Gras nicht. Das Gras wird verdrängt, es wächst Unkraut nach.

Ein Verdienstausfall für die Bauern ist die Folge. Entschädigungen gibt es keine. Betroffene Weiden könnten im besten Fall noch extensiv genutzt werden, sagt Schmid, was die Bauern zumindest zu ökologischen Ausgleichszahlungen berechtige.

Aus Mittelland eingeschleppt
Experten vermuten, dass der Schwarzkopfregenwurm vor mehr als 50 Jahren mit Pflanzen aus dem Mittelland eingeschleppt wurde. Die Bodenbewohner fühlen sich im oberen Toggenburg offenbar besonders wohl. Sie vermehren sich im feuchten Alpental auf rund 1000 Metern Höhe völlig unkontrolliert.

Der Wurm frisst sich mit einer Geschwindigkeit von vier Metern pro Jahr in andere Gebiete vor. Waren im November 2007 noch 17 Landwirte vom Schwarzkopfregenwurm betroffen, haben Ende 2008 laut einer Umfrage des AFU bereits mehr als 60 Landwirte einen Befall mit dem Schwarzkopfregenwurm gemeldet.

Keine natürlichen Feinde

Es gibt kein Mittel, den Wurm zu stoppen. Weder die Bekämpfung mit Chemie, noch mit konzentrierter Gülle dezimierten die Wurmpopulationen. «Alle erlaubten und unerlaubten Mittel brachten nichts», sagt Schmid. Natürliche Feinde habe der Wurm keine. Auch Parasiten kommen nicht gegen den Wurmbefall an.
Statt die Plage zu bekämpfen, will der Kanton nun wenigstens die Verschleppung des Wurms mittels Erdverschiebungen eindämmen.

Die befallenen Flächen sollen – wie die mit Umweltgiften kontaminierten Böden – in die Karte der «Prüfgebiete Bodenverschiebungen» aufgenommen werden. Ein Bauer, der Erde in ein anderes Gebiet bringen will, oder Bauherren müssten dann den Nachweis liefern, dass es im betreffenden Boden keine Schwarzkopfwürmer gibt. Andernfalls dürfen keine Erdverschiebungen gemacht werden.

St.GallenSt.Gallen / 06.03.2009 - 12:15:52