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Raab stellt St. Galler Regierung Ultimatum

Oberriet/SG. Am Freitag um 12 Uhr wird der deutsche Unternehmer und Multimillionär Hans Raab in seiner Fischfarm im Rheintal den Strom abstellen - es sei denn, die Regierung ändert die Tierschutzverordnung und lässt seine Tötungsmethode zu.

Damit hat Raab sein Ultimatum um 18 Stunden verlängert, denn eigentlich wollte er sein eigenes Kraftwerk am Donnerstag um 18 Uhr herunterfahren und rund 400 000 Welse dem St. Galler Veterinär Thomas Giger überlassen. Der Kantonstierarzt hatte verfügt, dass Raab seine Tötungsmethode nur noch bis zum 15. Mai anwenden darf.

Tötungsmethode umstritten
Um was geht es? Raab züchtet Welse in einer Anlage, in die er zwischen 30 und 40 Millionen Franken investiert hat. Die Tiere schwimmen in 27 Grad warmem Wasser. Vor ihrer Schlachtung werden sie heruntergekühlt, was laut Raab den Hirntod bewirkt, und danach in einer langsam drehenden, mit Eis gefüllten Trommel entschleimt.

Diese Art der Tötung bezeichnet Hans Raab, der sein Geld zur Hauptsache mit Putzmittel-Produkten („HaRa“) verdient, als schonend und tiergerecht. Nur: In der Schweiz ist diese Art der Tötung gemäss September 2008 geltender Tierschutzverordnung nicht mehr zulässig. Darauf haben die Behörden Raab mehrmals hingewiesen.

Staatsanwalt vor Ort

Am Donnerstag erhielt Raab, der im Fürstentum Liechtenstein wohnt, Besuch vom St. Galler Staatsanwalt Christoph Ill. Worüber Raab und Ill sich unterhielten, wurde nicht bekannt. Doch es ist davon auszugehen, dass Ill Raab sagte, welche Folgen das Abstellen des Stroms für ihn haben könnte. Einig wurden sich die beiden nicht.

Raab informierte darauf die rund 20 anwesenden Medienleute, er habe die St. Galler Regierung aufgefordert, sich mit ihm an den Tisch zu setzen und über folgende Dinge zu sprechen: Eine Änderung der Tierschutzverordnung, Schadenersatz, einzelne Personen in der Verwaltung. Namen nannte er nicht; aber er meint wohl Thomas Giger.

Laut dem Anwalt Raabs hat ein Mitarbeiter von Heidi Hanselmann, der St. Galler Regierungspräsidentin, gesagt, ein solches Gespräch sei möglich. Der Zeitpunkt sei indessen noch nicht fixiert worden.  Die Staatskanzlei ihrerseits teilte etwa eine Stunden später mit, die Regierungspräsidentin wisse nichts von einem solchen Gespräch.

Ausgang völlig offen
Wie der Streit um die Tötungsmethode in der Melander-Fischfarm ausgeht, ist offen. Die Medienberichte rund um Raab haben eines bewirkt: Raab hat einige Kaufangebote für die Zuchtanlage erhalten, wie er auf eine Frage einer TV-Journalistin antwortete.

Die Organisation Fair-fish hatte am Mittwoch Vermutungen geäussert, wonach Raab Absatzprobleme habe. Er wolle nun die Verantwortung für den schlechten Geschäftsgang auf die Behörden, den Verein Fair-fish und die Medien abschieben und sich aus dem Staub machen.

Am Stammtisch in einem Restaurant in Oberriet war die Fischfarm Raabs am Donnerstag das Thema Nummer eins. Die Meinung der Gäste: Der Arbeitsplätze wegen soll die Firma erhalten bleiben, aber der deutsche Unternehmer soll sich gefälligst an die Gesetze halten.

St.GallenSt.Gallen / 02.04.2009 - 20:00:03