Politologen einig: SVP Schweiz nicht gefährdet
Die Politologen sind sich einig: Die Abspaltung der dissidenten «Gruppe Bubenberg» um Samuel Schmid gefährdet die SVP Schweiz nicht.
Auch Parteipräsident Toni Brunner gibt sich gelassen. FDP und CVP erwägen derweil eine Zusammenarbeit.
Hochrechnungen zeigten, dass der SVP Schweiz durch die Abspaltung der dissidenten Bündner und Berner 2 bis 3 % Wähleranteile verloren gingen, sagte Urs Bieri, Mitglied der Geschäftsleitung des Forschungsinstituts gfs.bern, am Freitag gegenüber der Nachrichtenagentur SDA.
Für die SVP Schweiz sei die Situation im Moment nicht dramatisch, pflichtete der Politologe Andreas Ladner vom Lausanner IDHEAP bei. Ihre Position als wählerstärkste Partei werde sie wegen der Abspaltungen sicher nicht einbüssen.
Vor einer schwierigen Zukunft
Einig sind sich Bieri und Ladner auch darin, dass die neue Partei vor einer schwierigen Zukunft steht. Es sei unklar, wieviele der Stimmen für die Abtrünnigen früher personenbezogen und wieviele davon parteibezogen abgegeben worden seien, sagte Ladner.
Falls es der «Gruppe Bubenberg» gelinge, sich ähnlich wie die Grünliberalen als gute Option zwischen links und rechts zu positionieren, habe sie durchaus Potenzial, sagte die Politologin Regula Stämpfli. Es sei aber noch zu früh, hierzu genauere Prognosen abzugeben.
Stämpfli sieht die SVP zwar ebenfalls nicht gefährdet, aber in «einem seit Jahren nie mehr vorgekommenen Formtief». Ob es weitere Abspaltungen gebe, sei unvorhersehbar. Die Parteienlandschaft sei jedoch sehr dynamisch geworden.
Toni Brunner gelassen
Gelassen gab sich Toni Brunner, Präsident der SVP Schweiz. Er sehe für die abtrünnigen Berner keine grosse politische Zukunft, sagte er gegenüber der Nachrichtenagentur SDA.
Brunner erklärte weiter, die SVP wolle beim nächsten Rücktritt aus dem Bundesrat antreten. Faktisch habe die Partei keine Bundesräte mehr.
FDP und CVP offen für Zusammenarbeit
FDP und CVP können sich derweil eine Zusammenarbeit mit den dissidenten SVP-Gruppen vorstellen. CVP-Ständerat und Fraktionschef Urs Schwaller (FR) sowie FDP-Sprecher Christian Weber waren sich jedoch einig, dass zunächst einmal abgewartet werden müsse, wie sich die Abtrünnigen politisch positionierten.
SP-Fraktionschefin und Nationalrätin Ursula Wyss sagte, sie könne es gut nachvollziehen, wenn die Dissidenten sich in der SVP nicht mehr zu Hause fühlten. Ueli Leuenberger, Präsident der Grünen, hofft seinerseits auf einen offeneren Kurs der Abtrünnigen in Migrations- und Umweltfragen.
Bündner überrascht und erfreut
Die ausgeschlossene Bündner SVP-Sektion zeigte sich überrascht, aber auch erfreut über den schnellen Austritt der «Gruppe Bubenberg» aus der Mutterpartei. Heinz Dudli, Chef der SVP-Grossratsfraktion, bekräftigte zudem, dass Bündner und Berner in Kontakt miteinander stünden.
Kurzfristig könne eine Kantonalsektion wohl überleben, sagte er. Längerfristig aber müssten die Kräfte national zusammengefasst werden.
Kontakte zu den dissidenten Bernern und ausgeschlossenen Bündnern bestehen auch im Kanton Glarus, wie Ernst Disch, Präsident der neuen Liberalen Fraktion im Glarner Landrat, sagte. Im Kanton Glarus haben sich Anfang Juni acht Mitglieder von der 26-köpfigen SVP-Fraktion abgespalten und die neue Fraktion gebildet.



























