
Politiker glänzen mit Worten statt Taten
St. Gallen. Für freie, offene Märkte: Eindringlich haben Wirtschaftsvertreter am Symposium vor den negativen Folgen von wirtschaftlichem Nationalismus und Protektionismus gewarnt.
Die Gefahr, dass sich Volkswirtschaften in der aktuellen Krise abschotten, sei gross, konstatierte der Chef des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens PriceWaterhouseCoopers, Samuel DiPiazza, heute an der Universität St. Gallen.
Die Summen, die zur Rettung von Banken und anderen Unternehmen aufgewendet würden und die Programme zur Ankurbelung der Wirtschaft rund um den Globus förderten nationalistisches Denken, sagte er.
DiPiazza verwies auf Präsident Obama, der die Amerikaner aufforderte, einheimische Produkte zu kaufen, oder Premierminister Brown, der britische Jobs für Briten forderte. Im Gegensatz dazu stünden die Aussagen der Politiker am vergangenen G20-Gipfel in London, an dem Protektionismus ausdrücklich verurteilt worden sei. Seither sei in den meisten Ländern aber genau das Gegenteil geschehen, kritisierte DiPiazza.
Domino-Effekt
Zumeist würden kleine, subtile Veränderungen vorgenommen: eine Erhöhung der Zölle oder Handelstarife etwa. Das löse aber einen Domino-Effekt aus, der ins Verderben führe. Schotten die USA ihren Auto-Markt ab, kaufen Europa, Japan oder China keine Flugzeuge mehr in den USA. So addierten sich viele kleine Massnahmen zu einem grossen Problem.
Die aktuelle Krise sei zwar nicht die Folge von Protektionismus, erklärte DiPiazza. Aber sollte die Rezession die Abschottungstendenzen fördern, werde sie tiefer und länger ausfallen.