Physik-Olympiade: Helle Köpfe beherrschen das Licht
Trogen/St.Gallen. An der Schweizer Physik-Olympiade holte Multitalent Timon Gehr der Kantonsschule Trogen Silber. Ebenfalls Silber holte Mario Lehmann der Kantonsschule Burggraben.
An der 15. Schweizer Physik-Olympiade in Aarau holten Dominik Wild der Kantonsschule Wettingen (AG), Dominik Gresch der Stiftsschule Einsiedeln (SZ), Patrick Schwendimann der Kantonsschule Baden (AG), Raphael Steiner vom Gymnasium Laufen (BL) sowie Simon Bettler der Kantonsschule Kollegium Schwyz je eine Goldmedaille.
Damit qualifizierten sie sich gleichzeitig für die Internationale Physik-Olympiade, welche diesen Sommer in Mexiko stattfindet. Die drei besten erhielten zudem je einen Nachwuchsförderpreis der Schweizerischen Physikalischen Gesellschaft. Raphael Steiner gelang ein Exploit: die Goldmedaille in Physik durfte er genau 24 Stunden nach der Auszeichnung als bester Schweizer Mathematiker entgegen nehmen.
Erfolgreiche Ostschweizer
Multitalent Timon Gehr der Kantonsschule Trogen, der sich bereits am Samstag an der Mathematik-Olympade eine Wildcard gesichert und in Informatik mit ausserordentlichen Leistungen geglänzt hatte, holte Silber in das traditionell starke Appenzellerland. Eine weitere Silbermedaille holte Mario Lehmann der Kantonsschule Burggraben. Im Rahmen der von der Metrohm Stiftung Herisau iniziierten Plattform www.natwibegabte.ch erhalten OstschweizerInnen seit einigen Jahren zusätzliche Trainingsmöglichkeiten – dies scheint sich auszuzahlen.
Alle Teilnehmer der diesjährigen Schweizer Physik-Olympiade blieben am Finalwochenende nicht im Dunkeln. Sie hantierten geschickt mit Lichtsensoren, Multimetern und optischen Gittern, überlegten und stellten Berechnungen an, bis sie auf Grund der Erkenntnisse aus dem Planck’schen Strahlungsgesetz die Zusammenhänge zwischen Temperatur und Strah- lung einer Halogenleuchte ermitteln konnte. «Dass man mit eigentlich einfachen Messungen und Überlegungen auf die Plank’sche Konstante stossen kann, die ich zuvor nur aus der Theorie kannte, hat mich sehr stark beeindruckt», meint Patrick Schwendimann aus Rudolfstetten (AG), einer der Goldmedaillengewinner, begeistert.
Ebenfalls Gold und die Qualifikation für die Internationale Physik-Olympiade in Mexiko holten sich Simon Bettler aus Steinen (SZ), Raphael Steiner aus Meltingen (SO), Dominik Gresch aus Pfäffikon (SZ) und Dominik Wild aus Remetschwil (AG). Wild, Schwendimann und Gresch gewannen zudem – dank ihrer hervorragenden Leistung – die Nachwuchsförderpreise der Schweizerischen Physikalischen Gesellschaft. Mit dem Frauenförderpreis ausgezeichnet wurde Aurélia Thiébaud aus Marin (NE).
Was den Start erleichtert
Auch wenn der Frühling auf sich warten lässt, ist es ideal, etwas von Physik zu verstehen. In einer weiteren Aufgabe mussten die Teilnehmenden berechnen, wie ein Dieselmotor ausgestattet sein muss, wenn er nach einer kalten Winternacht am Morgen mittels Vorglühen gestartet werden soll. Das Wissen um physikalische Zusammenhänge wie Kompression, Temperatur und Kolbenvolumen erwies sich hier als hilfreich. «Die Art der Aufgabenstellung der Physik-Olympiade hat mir ganz besonders gefallen, weil man sich den Lösungsweg Schritt für Schritt selber erarbeiten muss und nicht auf eine 08/15 Standardlösung zurückgreifen kann», meint der Schwyzer Kantonsschüler Simon Bettler. Im Vorbereitungslager an der EPF Lausanne hätten sie trainiert, wie man an völlig unbekannte Probleme herangehen könne. Dies werde ihm über die Olympiade hinaus nützen.
Physik für die Zukunft
Christophe Rossel, Präsident der Schweizerischen Physikalischen Gesellschaft, zeigte, wie Physik von Klimatologie, über Nanotechnologie bis hin zur Teilchenphysik entscheidende Antworten auf Fragen der Menschheit liefern würde – und immer stärker mit den anderen Wissenschaften vernetzt sei. Nun sei es an den anwesenden Nachwuchsphysikern, ihren Beitrag zu neuen Erkenntnissen zu leisten.
Stephan Campi vom Departement für Bildung, Kultur und Sport des Kantons Aargau lobte den Einsatz und das Engagement der Schüler und betonte: «Genau solche Leute wie euch brauchen wir!»
Vielseitige Begegnungen
«Bei der Physik-Olympiade begegnet man Personen mit ähnlichen Interessen, es werden angeregte Unterhaltungen geführt und doch sind die Leute sehr unterschiedlich – und das ist auch der Reiz daran», betonte Dominik Wild, der im letzten Jahr die Schweiz bereits in Vietnam vertreten durfte. Die Physik stelle dabei eine Verbindung her, wie sie zugleich auch verschiedenste Wissenschaftsgebiete verbinde. «Diese Vielseitigkeit und Interdisziplinarität sind einer der Aspekte, die mich am meisten an der Physik faszinieren.»
An der Physik-Olympiade 2009 in Mexiko werden Jugendliche aus über 90 Ländern erwartet. Seit 2009 vergibt die Schweizerische Physikalische Gesellschaft zudem an die Bestplatzierten einen Nachwuchsförderpreis. Mit dem Sonderpreis für Jungphysikerinnen erhalten Frauen einen zusätzlichen Anreiz, sich der Physik zu stellen. Ein weiterer Anerkennungspreis geht jeweils an den Sechstplatzierten.
Die schweizerische Ausscheidung, das Training und die Begleitung ins Ausland werden von SwissPhO, dem Verein Schweizer Physik-Olympiaden, ehrenamtlich durchgeführt. Unterstützung erhalten sie durch den Bund, durch Mittel- und Hochschulen sowie durch verschiedene Schweizer Stiftungen und Unternehmen. Finalausscheidung und Schlusstraining finden alljährlich an der Neuen Kantonsschule Aarau statt. Das Vorbereitungslager 2009 ermöglichte die ETH Lausanne. Zudem wurden verschiedene regionale Vorbereitungstreffen angeboten.



























