• Aargau
  • Appenzell Ausserrhoden
  • Appenzell Innerrhoden
  • Basel-Landschaft
  • Basel-Stadt
  • Bern
  • Freiburg
  • Genf
  • Glarus
  • Graubünden
  • Jura
  • Luzern
  • Neuenburg
  • Nidwalden
  • Obwalden
  • Schaffhausen
  • Schwyz
  • Solothurn
  • St.Gallen
  • Stadt Winterthur
  • Stadt Zürich
  • Tessin
  • Thurgau
  • Uri
  • Waadt
  • Wallis
  • Zug
  • Zürich

Perspektiven schaffen oder Notstand ausnützen?

Der Frühling kommt und damit auch die ausländischen Praktikanten auf die Thurgauer Bauernhöfe. Letztes Jahr traten 84 junge Menschen für einen Mindestlohn ein landwirtschaftliches Praktikum an.

Sie kommen vor allem aus Mittel- und Osteuropa, sind Anfang Zwanzig und Schüler oder Studenten der Landwirtschaft in ihrem Heimatland. Zahlreiche Polen, Slowaken, Ukrainer, Russen und wenige Japaner und Brasilianer nehmen jedes Jahr eine lange Reise auf sich um hier im Thurgau ein Praktikum auf einem Bauernhof zu machen. Viele kommen der Ausbildung wegen, andere für ein Abenteuer und wiederum andere um ein bisschen Geld zu sparen.

«Wir vermittelten letztes Jahr 84 Personen eine landwirtschaftliche Praktikumsstelle im Thurgau, darunter waren 56 Männer und 28 Frauen. Die jungen Erwachsenen kommen jeweils im Frühling/Sommer in den Thurgau und bleiben vier oder 18 Monate, einige gehen für drei Wochen in die Schule», so Hanspeter Flückiger, Geschäftsleiter von Agroimpuls, einer Praktikumvermittlungsstelle des Schweizer Bauernverbandes. Laut Flückiger arbeiten die Praktikanten zehn Stunden am Tag und das fünfeinhalb Tage die Woche. Sie erhalten 80 bis 85 Prozent des Minimallohns in der Schweiz, was rund 2500 Franken brutto sind.

«Die Praktikanten werden meistens auf dem Hof untergebracht: In Familienbetrieben wohnen sie in einem Zimmer bei der Bauernfamilie. Im Gemüsebau beispielsweise, wo sehr viele Arbeiter benötigt werden, ist oft ein Angestelltenhaus vorhanden», meint Flückiger.

Obwohl der Lohn für Schweizer Verhältnisse sehr klein ist und das Arbeitsvolumen übermässig gross: Wenn man bedenkt, dass beispielsweise in der Slowakei die Arbeitslosenquote 10.2 Prozent beträgt (Vergleich Schweiz: 3.6) und dass ein Mann zwischen 20 und 24 Jahren dort durchschnittlich 786 Franken verdient, versteht man, wie reizvoll ein Praktikum in der Schweiz für einen jungen Slowaken ist. Ein derartiges Praktikum ist eine grosse Chance um vieles zu lernen, sich mit modernen Landwirtschaftsmaschinen vertraut zu machen und sich weiterzubilden.

Des Weiteren haben die Bewerber aus EU-Staaten wie Slowakei und Polen die Möglichkeit als normale Arbeitskraft in der Schweizer Landwirtschaft zu arbeiten, was auch viele tun. Sie verdienen dann mindestens 3050 Franken im Monat.

Ob es nun unverhältnismässig ist, diese jungen Leute so viele Stunden am Tag für so wenig Geld arbeiten zu lassen, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Fakt ist, dass die Thurgauer Bauern froh sind um die Unterstützung und alle Jahre wieder zahlreiche junge Menschen aus dem Ausland von diesem Angebot profitieren.

ThurgauThurgau / 13.04.2008 - 08:27:00