Ostschweizer No-Budget-Film schlägt Bond
Der Toggenburger Filmverleiher Jonas Frei verhilft Hobbyfilmern zum Durchbruch. Mit «Schönheiten des Alpsteins» und «ZuFallBringen» standen vergangene Woche zwei Ostschweizer Filme in den Top-Five der St. Galler Kinocharts.
«Im Cinetreff Herisau wollen mehr Leute den Heimatfilm von Thomas Rickenmann sehen, als den neuen Bond», sagt Jonas Frei auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Der 29-Jährige hat nicht nur seit 2006 seinen eigenen Filmverleih, die Movie Biz Films in Wattwil, er führt auch noch den Cinetreff Herisau.
Hausrekord im Cinetreff
6000 Kinobesucher haben in Herisau «Schönheiten des Alpsteins» gesehen, das bedeutet Hausrekord. Der neue Bond «Quantum of Solace» lockte erst 2000 in den Cinetreff. Wie kommt es, dass ein mit der Videokamera gedrehter Amateurfilm ein breiteres Publikum findet als die actionreiche Grossproduktion von Vorzeigeregisseur Marc Forster?
«Heimatfilme haben in ländlichen Gegenden ein grosses Potential», meint Frei. Mit «Johle und werche» hat er bereits 2007 erfolgreich einen Ostschweizer Film lanciert, der die Toggenburger Klangwelt zum Thema hatte.
Alpbetrieb im Grosskino
«Schönheiten des Alpsteins» läuft inzwischen in zehn Schweizer Kinos und wurde schon von über 24 000 Leuten gesehen. «Das sind super Zahlen, alles über 10 000 ist ein Bonus», sagt Frei. Rickenmanns Dokumentarfilm kommt aber nicht nur auf dem Land an.
Auch Studiokinos in Zürich, Basel und Winterthur haben ihn auf dem Programm und seit acht Wochen läuft der Streifen über den Alpbetrieb im Kino Scala in St. Gallen. Die Kitag-Gruppe hat vor zwei Jahren den Cinedome in Abtwil und die St. Galler Stadtkinos, darunter auch die sechs Scala-Säle, gekauft.
Frei hatte auch hier seine Finger im Spiel. «Ich habe solange mit dem Kitag-Leuten verhandelt, bis sie den Film ins Programm aufnahmen.» Die Qualität des Films sei ausreichend, das habe er selbst im Scala ausgetestet, sagt der Filmverleiher.
Zwei bis drei Mal am Tag läuft der stille Naturfilm jetzt in St. Gallen. Dass die Kitag ihr Programm wöchentlich anpasst, sieht Frei als Chance: «Wenn die Zahlen stimmen, läuft der Film mehrmals am Tag und in einem grösseren Saal.»
Jungfilmer im Cinedome
Im Scala wird seit Ende Oktober mit «ZuFallBringen» noch ein zweiter Ostschweizer Film gezeigt. Vorpremiere feierte das Jugenddrama im Abtwiler Cindeome vor rund 500 Gästen. «ZuFallBringen» ist ein Film über das Leben von vier jungen Erwachsenen. Frei, der den Film verleiht, lobt vor allem den Schnitt: «Etwas vom Besten, was in der Schweiz produziert wurde.»
Das Film der beiden St. Galler Jungfilmer Dennis Ledergerber und Ninian Green ist aus der Schule heraus entstanden. Nach der Matura haben die beiden im Sommer 2006 begonnen ihr Spielfilmprojekt zu verwirklichen.
Über 2000 Kinogänger haben das Jugenddrama bereits in St. Gallen gesehen. Der Spielfilm läuft auch noch in den Kinos von Uzwil, Herisau, Heerbrugg, Wil und Wetzikon.
Noch ein Ostschweizer Film macht von sich reden: «Borderline», die Maturaarbeit von Sascha Näf und Manuel Graf an der Kantonsschule Wattwil über die Borderline-Persönlichkeitsstörung, lief im Oktober so erfolgreich an, dass das St. Galler Programmkino Kinok im November nochmals acht Vorstellungen anhängte.
Neue Technik zu kleinem Preis
Dank digitalisierter Technik kann bereits mit kleinem Budget der Traum vom eigenen Film realisiert werden. «ZuFallBringen» kostete rund 50 000 Franken, «Borderline» 5000 Franken und für «Schönheiten des Alpsteins» ist gemäss Jonas Frei viel Zeit aber wenig Geld investiert worden.
Auch die teuren 35mm-Kopien fallen weg, seit die Filme auch in Grosskinos auf DVD gezeigt werden können. Jonas Frei ist überzeugt, dass Schweizer Filmen auch ohne Subventionen der Durchbruch gelinge.
Inzwischen sind «Schönheiten des Alpsteins» und «ZuFallBringen» aus den besten Fünf der Kinohitparade in St. Gallen verdrängt worden. Der nächste Ostschweizer Film drängt bereits nach: Für den kommenden Herbst kündigt der Toggenburger Filmverleih mit «De Alpsummmer» einen weiteren Heimatfilm an.



























