
Öffentlicher Chefarztvortrag im Kantonsspital Frauenfeld
Frauenfeld/TG. Am 4. Juni findet die siebte Veranstaltung der Reihe «Öffentliche Chefarztvorträge» am Kantonsspital statt.
Der Titel des Vortrages ist «Schönheitsoperationen und Rekonstruktive Chirurgie – Was ist möglich und sinnvoll?». Sie wird vom Leitenden Arzt Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie bestritten und beginnt um 20 Uhr im Vortragssaal des Kantonsspitals (Stock P).
Die Rekonstruktive Chirurgie befaßt sich mit der Wiederherstellung der Körperintegrität nach Tumoroperationen oder Unfällen aber auch mit der Schaffung «normaler Formen» und «Funktion» z.B. bei angeborenen Fehlbildungen. Wegen der Vielfältigkeit der Defekt-Größen, -Arten und -Lokalisationen ist eine große Methodenvielfalt notwendig. Mikrochirurgische Techniken zur Verpflanzung großer durchbluteter Hautareale, von Gewebekombinationen unter Einschluß von Haut, Muskeln und Knochen haben wesentlich erweiterte Möglichkeiten zur Wiederherstellung eröffnet, z.B. um gelähmte Gesichtsmuskeln zu ersetzen oder große offene Knochendefekte nach Unfällen oder Tumoren zu überbrücken. Dadurch ist umgekehrt natürlich auch eine größere Radikalität beispielsweise in der Tumorchirurgie möglich geworden, die die Chancen zur Heilung des Tumorleidens verbessern hilft.
Die Techniken der Ästhetischen Chirurgie entstanden in ihrer modernen Form aus der Angst vor Sichtbarkeiten des kranken und geschädigten Körpers (also auch hier der Wunsch zur Wiederherstellung der Körperintegrität) die wiederum der Wiederherstellungschirurgie zugrunde liegen. Die Geschichte der «Schönheitschirurgie» reicht 2000 Jahre zurück und kann in die Perioden vor Mitte des 19. Jahrhunderts und die Welt danach unterschieden werden.
Die rekonstruktive Chirurgie ist in allen heutigen Kulturen anerkannt, da Kranke temporär und chronisch von der Gesellschaft (er-)getragen werden. Die ästhetische Chirurgie ist ein stark umstrittenes Thema in der Diskussion wie weit die Gesellschaft und jeder einzelne über den (seinen) menschlichen Körper verfügen darf. Es bleibt die Frage zu diskutieren: Egal ob sich jemand eine kleinere Nase wünscht, weniger Falten oder andere Brüste, wer-den wir dadurch glücklicher? Ist die ästhetische Chirurgie notwendig, nötig und sinnvoll? Kann die selbe Akzeptanz bei ästhetischen Patienten wie die bei Unfall- bzw. Tumorleiden erwartet werden?