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Offene Türen für die Kultur des Nahen Ostens

Konstanz/Kreuzlingen. Die Compagnie Tanz Raum verbindet in ihrer Tanzperformance «Abyad» ägyptische Tanz- und Musiktradition mit moderner Choreographie.

Die nahöstliche Kultur, dieser Tage überschattet von der gegenwärtigen Konfliktlage im Nahen Osten, stellt eine der ältesten und komplexesten Kultursphären der Welt dar. So ist etwa Ägypten die Wiege eines reichhaltigen Repertoires nahöstlicher Rhythmus-, Musik und Tanztradition, deren Ursprünge bis in die Pharaonenzeit zurückreichen.

Aus diesem Fundus schöpft die internationale Compagnie Tanz Raum unter der künstlerischen Leitung von Claudia Heinle (41) in ihrer aktuellen Tanzperformance «Abyad», die vom 8. bis 9. Februar 2008 im Dreispitz in Kreuzlingen (CH) stattfindet. Musikalisch begleitet von hochkarätigen Musikern aus Ägypten, darunter Perkussionist Ibrahim el Minyawi, verbindet die Compagnie auch in ihrer aktuellen Tanzproduktion die ägyptische Musik- und Tanztradition choreographisch auf einzigartige Weise mit modernen ästhetischen Ausdrucksformen. Die Veranstaltung umfasst ausserdem ein Kulturprogramm mit Workshop, Ausstellung und einem Vortrag zur Kulturgeschichte des ägyptischen Tanzes.

Für ihre Arbeit aus Bewahrung einer jahrhundertealten nahöstlichen Tanz- und Musikkultur und ihrer choreographischen Einbettung in eine eigene moderne Tanzsprache, blickt Claudia Heinle auf eine langjährige intensive Zusammenarbeit mit ägyptischen Künstlern und zahlreiche Aufführungen auf grossen Bühnen Europas zurück. Für ihr aktuelles Programm hat sie mit Caroline Chevat (33), Leiterin der Musikproduktionen des Labels Tanz Raum, herausragende ägyptische Musiker wie den Saxophonisten Mustafa Sax und die Sängerin Ruh el Fuad in Kairo für Studioaufnahmen besucht.

Die Basis: das bewegungsreiche Erbe der ägyptischen Tanztraditionen
Auch das Programm «Abyad», das arabische Wort für die Farbe Weiss, gründet auf diesem choreographischen Prinzip, die Tradition des ägyptischen Kulturerbes und die Moderne zu einem zeitgemässen Tanzkonzept zu verbinden, das für sich absolut alleine steht und weder einzig der Tradition noch allein der Moderne zugeordnet werden kann. Claudia Heinle schöpft hierfür aus dem ästhetischen Fundus des ägyptischen Kulturerbes und lehnt sich an Leitbilder aus dem nahöstlichen Kulturraum an. Zentrale Leitbilder sind zum Beispiel die Abstraktheit oder die Schönheit der Wiederholung, wie wir sie zum Beispiel an den kalligraphischen Friesen der prachtvollen Repräsentationsbauten der fatimidischen Altstadt von Kairo her kennen. Ferner dienten zahlreiche ägyptische Tanztraditionen für die Produktion von «Abyad» als bewegungsreiche Quellen. Diesen Traditionen hat die wechselhafte ägyptische Geschichte viele Facetten gegeben: dem bäuerlichen Tanz der Fellachen die Erdgebundenheit, dem Stocktanz der Kampfkunst (Tahtib) die Wehrhaftigkeit, dem Trancetanz der Frauen (Zar) und der Mystiker des Islam das ekstatische Element.

Die Inspiration: Abyad, die Farbe Weiss oder «der Stoff, aus dem wir alle sind»
In «Abyad» finden diese Inspirationsquellen ihre choreographische Umsetzung. Die Farbe Weiss stand im alten Ägypten für Freude. In der arabisch-islamischen Welt hat sie eine wichtige religiöse Bedeutung. Jedoch geht das Tanzkonzept in «Abyad»über die historische Bedeutung der Farbe hinaus und schlägt den thematischen Bogen zu ihrem universellen Charakter: Weiss steht als Summe und Abwesenheit aller Farben und zugleich für den zyklischen Verlauf des Lebens: «Thema des Stücks ist der Lebenszyklus-der Stoff aus dem wir Menschen sind», erklärt Claudia Heinle. «Was uns im Leben an Barrieren, Herausforderungen, Glück oder Verlust begegnet, die Aufgaben, die wir Menschen im Leben zu bewältigen haben, sind überall die gleichen», so die Choreographin. Diesen Zyklus stellen Heinle und die Tänzerinnen Caroline Chevat und Karin Schemmann durch das Entstehen der Bewegung aus der Stille heraus dar. Die Rhythmen der beiden Perkussionisten Ibrahim und Ali el Minyawi, die Tanzimprovisationen und -choreographien und die eingespielten Stimme der ägyptischen Sängerin Ruh el Fuad, erzählen von diesen Höhen und Tiefen des Lebens in seiner ganzen Klang- und Farbpalette.

Die Musik: Baladi-Musik oder der ägyptische Blues
Das Programm ist in Teilen in Konstanz, Kairo, Paris und Toulouse entstanden und wurde erstmals im Jahr 2005 gezeigt. Seitdem entwickelte es sich ständig weiter. Insbesondere in musikalischer Hinsicht ist «Abyad» beträchtlich gewachsen. So reisten Caroline Chevat und Ibrahim el Minyawi in den Jahren 2004 und 2005 nach Kairo für drei Musikprojekte. Zum einen, um Ruh el Fuad, eine der letzten verbliebenen Sängerinnen in der Tradition der Baladi-Musik aufzunehmen. Zum anderen für eine rein instrumentale Aufnahme mit Musikern, zu denen auch der mittlerweile verstorbene Saxophonist Mustafa Sax gehörte. El Fuad und Sax gehören wie El Minyawi zur traditionellen Schule des Baladi. Diese Musikrichtung hat sich um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert aus den volkstümlichen Musiktraditionen in den Grossstädten entwickelt. Die alten ländlichen Instrumente wie Rababa, Mizmar und Arghul wurden durch das Akkordeon und das Saxophon ersetzt, die aus dem Westen ihren Weg nach Ägypten fanden. Mit «Baladi Musik» oder dem «ägyptischen Blues»ist ein neues Musikgenre entstanden, das das verlorene Land der Stadtmenschen und das ursprüngliche vom Nil bestimmte Leben beweint: eine Musik des Abschieds und des Neubeginns. Diese Studioaufnahmen sind als Einspielungen Teil des musikalischen Programms von «Abyad».

«Ohne die enge Zusammenarbeit mit herausragenden ägyptischen Musikern und deren Familien in Kairo, Luxor und London wäre ein Programm wie ,Abyad› auf diesem Niveau nicht möglich», erklärt Heinle zu ihrer intensiven kulturellen Feldarbeit. Um die Musik- und Tanzkultur genau zu studieren, reisen Heinle und Chevat regelmässig nach Ägypten, um vor Ort bei Musikerfamilien oder auf den «Moulids», den religiösen und weltlichen Volksfesten, Musik und Bewegungsabläufe zu studieren und zu dokumentieren. «Wir arbeiten darin generationen- und länderübergreifend», sagt Claudia Heinle. Davon zeuge auch «Abyad».


Tanz / Theater «Abyad»
Compagnie Tanz Raum unter Leitung von Claudia Heinle und Ibrahim el Minyawi
Dreispitz Kulturzentrum Kreuzlingen, Pestalozzistrasse 17
– Freitag, 8. Februar 2008, 20 Uhr
– Sa. 9. Februar 2008, 11 Uhr
– Sa. 9. Februar 2008, 20 Uhr

Karten: 25 Franken, Tourismus am Bodensee, Telefonnummer 071/672 38 40 oder info@kreuzlingen-tourismus.ch.

ThurgauThurgau / 26.01.2008 - 16:59:00