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Oehlers Schuss vor den Bug

Kommentar. Mit seinen Äusserungen spaltete Edgar Oehler die FC St.Gallen-Anhänger in zwei Lager. Dabei fordert er nur, was im Fussball oberste Priorität haben muss: Tore schiessen.

Als wir Edgar Oehler Ende Oktober nach einer Bezeichnung für die Situation vom FC St.Gallen fragten, war die Antwort wie immer klar formuliert: «Absolut katastrophal. Im Cupwettbewerb gegen einen unterklassigen, aber sehr aktiven und aggressiven FC Gossau untergegangen wie die Titanic; im Axpoliga-Wettbewerb am untersten Ende der Rangliste.»

Inzwischen konnte Oehler wieder etwas besänftigt werden. Der Trainerwechsel hat anscheinend Wirkung gezeigt. Einsatz und Engagement des FC St.Gallen haben den Unternehmer inzwischen wieder überzeugt. So äusserte er sich beispielsweise zum Spiel gegen den FC Zürich trotz Niederlage positiv: «Da lagen doch Welten zu einigen Spielen zuvor unter Rolf Fringer. Jeder kämpfte und lief in geordneten Bahnen.»

Knallpetarde
Dass es aber überhaupt so weit kommen musste, ist für Oehler unverständlich. Die Misslage hätte durchaus verhindert werden können. «Man soll nicht nur das eigene Tor bewachen, sondern vor allem Tore schiessen», erklärt der Mann, der von sich selbst sagt, dass er von Fussball eigentlich nicht viel verstehe. «Die seinerzeitige öffentliche Aussage der FCSG-Verantwortlichen, man habe vorerst Verteidiger verpflichtet und keine toreschiessenden Stürmer, hat sich als Knallpetarde aus einem 1-mm-Luftgewehr in die Luft geschossen abqualifiziert. Man schiesst ja keine Tore, lässt aber gleichzeitig den eigenen Torhüter allein auf weiter Flur stehen.»

Ob es denn nun am Trainer, am Sportchef oder am Verwaltungsrat lag, kann Oehler nicht beantworten. «Das müssen diese verantwortlichen Herren selber wissen, denn sie haben sich für die Funktion beworben und die Entscheide sicher nach bestem Wissen und Gewissen gefällt. Vielleicht fehlt bei den einen das Wissen und bei den anderen das Können. Wer weiss?»

Schweigen oder Verantwortung übernehmen
Klar ist, dass Oehler den Verwaltungsrat als Trachtengruppe bezeichnet hat und dem einstigen Sportchef René Weiler geraten hat, sich besser einen Job als Platzwart, Papierkorb-Leerer oder Sekretär zu suchen. Damit sprach Oehler einigen Fans aus den Herzen. Nicht aber einem Journalisten der «Weltwoche», der in einem Artikel von Oehler forderte, er solle schweigen oder selbst Verantwortung im Klub übernehmen. Oehler tut ihm diesen Gefallen nicht. Er redet weiterhin Tacheles. Gegenüber der «Südostschweiz» erklärte er kürzlich, dass die Verantwortlichen allzu lange Halbheiten geduldet und im Training Zugeständnisse gemacht hätten. Erfolge versprächen nur eine straffe und konsequente Führung, eine gute Nase und psychologisches Gespür.

Gremium erneuern
Nach Weilers Freistellung und Balakovs Verpflichtung als Cheftrainer hat Oehler die angekündigte ausserordentliche Generalversammlung kurzerhand wieder ab. Ein Zeichen der Versöhnung? Keineswegs. Oehler will wohl nicht noch mehr Öl ins Feuer giessen schaut aber weiterhin genau auf die Leistungen vom FC St.Gallen. Und auch der Verwaltungsrat muss sich wohl für die nächste Generalversammlung warm anziehen. Oehler: «Das Gremium muss an der nächsten GV teilweise erneuert und mit Fachleuten verstärkt werden.»

Geldhahn zudrehen?
Was er wohl tun könnte, wäre den Geldhahn zudrehen. Dazu wird es aber nicht kommen. «Das wäre wohl die dümmste Variante», erklärt er. «Aber eben, so wie wir als Private mit den vorhandenen Mitteln umzugehen haben, muss es auch ein Unternehmen, die öffentliche Hand, alle Vereinigungen und damit auch der FC St.Gallen machen. Die finanziellen Mittel, die zur Verfügung stehen, müssen genügen.»

Wenn Ratten das sinkende Schiff verlassen
Gerade hinsichtlich der Stadioneröffnung im nächsten Sommer ist dies eine der spannendsten Saisons in der Geschichte vom FC St.Gallen. Es geht nicht um den Meisterschaftstitel, es geht ums nackte Überleben. Was könnte es Schlimmeres geben, als ein Eröffnungsspiel in der AFG Arena in der Challenge League? Das wäre nicht nur finanziell ein Desaster. Und mit Sicherheit würde sich auch Edgar Oehler zu Wort melden. Denn teilnehmen wird er am Eröffnungsspiel auf jeden Fall: «Ich bin sicher anwesend. Auf das Eröffnungsspiel freue ich mich. Selbstverständlich hoffe ich, dass es nicht gegen einen Zweitligaclub ausgetragen wird. Im Übrigen gehöre ich nicht zu jenen, die wie die Ratten das sinkende Schiff verlassen.» Gerade deshalb habe er sich mit seinen Äusserungen verpflichtet gefühlt, einen «Schuss vor den Bug zu knallen, damit der FC St.Gallen noch rechtzeitig merkt, welche Stunde es geschlagen hat und es nicht zu spät wird.»

Appenzell InnerrhodenAppenzell Innerrhoden / 16.11.2007 - 15:09:00