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«Nun ist die Klausur aufgehoben»

Appenzell. Die Aufhebung des Klosters Maria der Engel in Appenzell ist vollzogen. Die fünf Schwestern haben sich offiziell verabschiedet.

Am vergangenen Samstag, 5. April, haben sich die fünf Schwestern des Kapuzinerinnen-Klosters Maria der Engel offiziell aus Appenzell verabschiedet; sie schliessen sich der Gemeinschaft St. Ottila Grimmenstein an. Mit dem Verlesen des bischöflichen Dekretes im Verlauf des Abschiedsgottesdienstes war die Aufhebung des Klosters vollzogen.

Einige hundert Appenzellerinnen und Appenzeller – viele Frauen gekleidet in wunderschöne Sonntagstrachten – sowie Vertreter und Vertreterinnen der Orden, vor allem der Kapuziner(innen)-Gemeinschaften, begleiteten die Schwestern von Maria der Engel in dieser für sie nicht einfachen Stunde. Festprediger war Bruder Ephrem Bucher, Luzern, Provinzial der Schweizer Kapuziner.

Bischof Markus Büchel brachte in seiner Ansprache die Stimmung vieler Menschen in der Pfarrkirche St. Mauritius auf den Punkt: «Heute morgen war ich mir unschlüssig darüber, ob ich an eine Beerdigung fahre oder mich über den hoffnungsvollen Neubeginn der Schwesterngemeinschaft im Kloster St. Ottilia Grimmenstein (Walzenhausen) freuen soll.»

Hoffnung und Zuversicht dominierten schliesslich beim Bischof und auch bei den anderen Rednerinnen und Rednern an diesem Tag. Alle, inklusive die Schwestern selber, zeigten sich überzeugt davon, dass der eingeschlagene Weg richtig ist. Die Gemeinschaft in Appenzell hätte alleine nicht mehr bestehen können. Seit 29 Jahren konnte im Kloster Maria der Engel keine ewige Profess mehr gefeiert werden, das Durchschnittsalter der fünf Kapuzinerinnen liegt bei über 75 Jahren. Der Aufhebungsprozess in den letzten Monaten war aufwändig, aber er ist gut abgelaufen. Landammann und Kastenvogt Carlo Schmid-Sutter hatte die Vorbereitungen und die Durchführung zusammen mit Bischof Markus Büchel begleitet.

Die gleiche Familie
Sr. Maria Franziska Dörig vom Kloster Maria der Engel dankte im Abschiedsgottesdienst allen herzlich, die in den letzten Monaten geholfen hatten, für die weltlichen Güter des Klosters eine gute Lösung zu finden. Besonders dankte sie allen, welche die Gemeinschaft durch ihr Gebet und durch viele Zeichen der Verbundenheit unterstützt haben. Die Verantwortliche des Klosters St. Ottilia Grimmenstein, Sr. Maria Raphaela, versicherte: «Wir gehören zur gleichen Familie, kennen uns schon lange und freuen uns, dass unsere Mitschwestern aus Appenzell zu uns kommen». Die Gemeinschaft in Grimmenstein wächst nun von elf auf 16 Schwestern an, fünf sind jünger als 60 Jahre.

400 Jahre in Appenzell
Der Abschiedsgottesdienst war das Ende eines langen Weges der Klostergemeinschaft mit Appenzell – und gleichzeitig eine Heimkehr. Denn vor rund 400 Jahren, am 16. Dezember 1613, fanden sich vier Kapuzinerinnen aus dem Kloster Wonnenstein (Niederteufen) und fünf aus Grimmenstein (Walzenhausen) zu einer neuen Gemeinschaft in Appenzell zusammen. Die Klosterauflösung mitten im Ort Appenzell bewegt die Menschen. Viele haben bei den Kapuzinerinnen ihre Gebetsanliegen deponiert oder waren froh um ein seelsorgerisches Gespräch mit den Schwestern. Die Verbundenheit der Kapuzinerinnen mit den Menschen im Ort wurde nach dem Gottesdienst beim Apéro deutlich. Worte des Dankes und viele gute Wünsche begleiten die Schwestern ins Kloster Grimmenstein. «Wir werden mit Appenzell verbunden bleiben und Land und Leute in unser Gebet einschliessen», sagte Sr. Franziska Dörig vom Kloster Maria der Engel in ihrer Rede. Man dürfe Gott überall ansprechen, Gott sei nicht an einen Ort gebunden.

Ein reiches Erbe
In aller Stille haben die Kapuzinerinnen über Jahrzehnte und Jahrhunderte für den Ort Appenzell gewirkt. Durch den Bau und den Betrieb von Mädchenschulen, die Abgabe von Bauland für den Bahnhof und die Schulhäuser auf dem Gringel hat die Gemeinschaft auch an weltlichen Gütern viel für den Ort Appenzell getan. Die Entwicklung der Schulen war sehr eng mit der Klostergemeinschaft verknüpft. Seit dem 3. Juni 1811 standen Schwestern im Dienst der appenzellischen Schule, erst 1973 haben sich die letzten drei Lehrschwestern aus dem Schulbetrieb zurückgezogen. Manchen ist noch die Klostersuppe in Erinnerung, die bis in die frühen 60er-Jahre als Beitrag für zu schmale Haushaltsbudgets im Frauenkloster abgeholt werden durfte. Die Kapuzinerinnen hinterlassen in spiritueller wie auch in weltlicher Hinsicht ein reiches Erbe.

Stiftungsrat
Wenn die fünf Schwestern nach Grimmenstein umgezogen sind, bleiben die Klosteranlage sowie die Güter ausserhalb der Klostermauern zurück. Der grösste Teil der weltlichen Güter, das Schulhaus Chlos, der Kindergarten bei der Post, die Liegenschaft Gringel und drei Waldparzellen in Gonten, werden dem Kloster Grimmenstein überschrieben. Der innerhalb der Klostermauern liegende Klosterbezirk ist zusammen mit einem Mehrfamilienhaus in die «Kirchliche Stiftung Maria der Engel, Appenzell» eingebracht worden. Sie hat den Zweck, für die Erhaltung der Klosterliegenschaft zu sorgen und weiterhin ein spirituelles Leben im Klostergebäude zu ermöglichen. Die Stiftung wird geleitet von einem siebenköpfigen Stiftungsrat, erster Präsident des Stiftungsrates ist Landammann Bruno Koster.

Neubeginn, nicht Resignation
Nach dem Gottesdienst und dem öffentlichen Apéro waren Bischof, Ordensleute, Stiftungsrat und diverse weitere Gäste zu einem Mittagessen ins Kloster Maria der Engel eingeladen. «Jetzt ist die Klausur aufgehoben», sagte Sr. Maria Gabriela vom Kloster Maria der Engel beim Blick ins klösterliche Refektorium, in dem die rund 100 Gäste Platz genommen hatten. Eine Feststellung, die das ganze Ausmass der Veränderung deutlich macht, aber trotzdem nicht resigniert und hoffnungslos wirkte. Die Schwestern hatten sich lange und teils in schmerzlichen Prozessen auf den Abschluss vorbereitet, nun folgt der Neubeginn im Kloster Grimmenstein.

Appenzell InnerrhodenAppenzell Innerrhoden / 06.04.2008 - 13:20:00