«Null Stern Hotel» – zu Gast im Bunker
Teufen/AR. Ein Zivilschutzbunker als «Null Stern Hotel»: Mit dieser banalen Idee stossen die St. Galler Künstler-Zwillinge Frank und Patrik Riklin auf weltweites Medien-Echo.
Heute Freitag, 5. Juni, luden sie zur Eröffnung ihrer Installation nach Teufen AR.
Betonwände in Lila, Lindgrün und Grau, Biedermeierbetten, Nachttische und Lampen im Brockenhaus-Stil, ein Pamir-Gehörschutz gegen Schnarcher: so präsentiert sich eines der beiden Sieben-Betten-Zimmer in der Zivilschutzanlage Unteres Hörli. «Lauter Einzelzimmer ohne Wände», sagt Patrik Riklin.
Zusammen mit Zwillingsbruder Frank führt Riklin eine Gruppe Medienleute aus dem In- und Ausland durch das «Null Stern Hotel». Beim Eingang empfängt eine weisse Leuchttafel «Récepcion» die Gäste, dahinter eine «Lounge» mit gemütlicher Sitzgruppe aus gestapelten Zivilschutz-Matratzen.
Neben dem Luftschutz-Ventilator steht ein alter TV-Kasten am Boden – «ein virtuelles Fenster zur Aussenwelt», wie Patrik Riklin erklärt, mit Blick aufs Appenzellerland und den Säntis. Eine Livekamera bringt die sonnige Idylle in den unterirdischen Bunker. Die Sicherheitstüren aus dickem Beton stehen offen.
Pyjama-Foto-Shooting
Das sei nicht ein reales Hotel, sondern eine Kunst-Installation, betonen die Erfinder. «Das Null Stern Hotel bringt die Leute auf eine spezielle Art zusammen und bietet ein einzigartiges Abenteuer.» 14 Personen verbrachten die Premieren-Nacht im Bunker. Sie habe «super geschlafen», sagt Hannelore aus Lustenau.
Zur Übernachtung für 30 Franken (Kategorie «Luxury») oder 25 Franken («First Class») gehörte auch ein Pyjama-Foto-Shooting. Die Gäste sind hier die Stars. «Null Stern – the only star is you» heisst es auf bedruckten T-Shirts.
Die Riklin-Zwillinge haben auch den Bundesrat eingeladen, bei seinem Ausflug ins Appenzellerland das «Null Stern Hotel» zu besuchen. Denn wo liesse sich die Landesregierung besser unterbringen als im Sieben-Betten-Zimmer?
Antwort auf Luxuswahn
«Null Stern» sei keine Klassifizierung, sagen Frank und Patrik Riklin. Die Künstler, die in St. Gallen ein «Atelier für Sonderaufgaben» betreiben, sehen ihr Projekt als «Antwort auf den Grössen- und Luxuswahn der heutigen Zeit» und als Protest gegen den «Gigantismus der Vielsternehotellerie».
Sie haben damit einen Nerv der Zeit getroffen. Der US-Nachrichtensender CNN schickte ein Reporterteam, um über den Testbetrieb in Sevelen SG zu berichten, und auch Wikipedia erwähnt das «Null Stern Hotel». 1000 Interessierte aus aller Welt meldeten sich, um eine Übernachtung im Bunker zu buchen.
Ihr Projekt sei nicht kommerziell, betonen die Künstler-Zwillinge. Das «Null Stern Hotel» stiess aber auch bei Geschäftsleuten auf Interesse. Daniel Charbonnier und Samira Singhvi, Inhaber einer Beratungsfirma für Hotellerie und Tourismus, wollen das Konzept «Zero Star Hotel» weltweit vermarkten.
Eine Marke mit Potenzial
«Wenn man aus einem Bunker ein Hotel machen kann, kann man wirklich überall ein Hotel eröffnen», zeigte sich Charbonnier bei der Führung durch die Zivilschutzanlage in Teufen begeistert. «Zero Star» sei ein Marke mit Potenzial.
Das «Null Stern Hotel» stösst in der Ausserrhoder Gemeinde aber nicht überall auf Begeisterung. Der Gemeinderat stimmte zwar zu, doch Nachbarn wehren sich jetzt mit Hilfe von Anwälten gegen das «Hotel», das nicht zonenkonform sei.
Frank und Patrik Riklin nehmen es gelassen. Mit der Verwirklichung ihrer Idee und der offiziellen Eröffnung sei das Projekt «Null Stern Hotel» eigentlich abgeschlossen, schmunzeln sie.



























