Neue Spirale der Gewalt bei radikalen Fussball-"Fans"
St. Gallen/SG. Die Staatsanwaltschaft stellt eine Eskalation der Gewalt im Umfeld von Fussballspielen fest.
Einerseits wurde am letzten Samstag beim Spiel St. Gallen – Basel von einer vermummten Basler Gruppe eine Toilettenanlage in der AFG Arena völlig zerstört. Anderseits stellte die Polizei bei einer zufälligen Durchsuchung eines Autos eines Mannes aus der St. Galler Fanszene einen Schlagstock, ein Elektroschockgerät, einen Pfefferspray und einen Schlagring sicher. Ein anderer Mann bestellte aus dem Ausland zwei Messer, die in Gürtelschnallen eingearbeitet wurden; die Sendung konnte vom Zoll beschlagnahmt werden.
Als bei der Eingangskontrolle zum Fussballspiel vom letzten Samstag ein Basler Fan von den Securitas-Mitarbeitern mit Pyros angehalten wurde, vermummten sich etwa 50 Personen, welche die Eingangskontrolle bereits hinter sich hatten und auf der Treppe zur Tribüne standen; die meisten trugen die gleiche Jacke, in deren Kapuze ein Netz eingearbeitet ist, das sich vor das Gesicht ziehen lässt. Sie warteten vorerst auf Provokationen der Gegenseite. Als diese ausblieben, setzten die Vermummten Pfeffersprays gegen die Securitas-Mitarbeiter ein. Als diese sich (ebenfalls mit Pfeffersprays) zur Wehr setzten, begannen die Vermummten, die Toilettenanlage zu demontieren. Sie hängten Türen und ganze Zwischenwände aus und warfen diese gegen die Securitas-Leute, sie zerstörten
Waschbecken und Toilettenschüsseln.
Erst als die Polizei sich in Position gebracht und drei der Randalierer festgenommen hatte, beruhigten sich die Vermummten wieder. Die Staatsanwaltschaft hat nun die Polizei damit beauftragt, die vorhandenen Videoaufnahmen der Zerstörungsaktion zu sichten und insbesondere darauf zu achten, ob den Festgenommenen oder anderen identifizierbaren Personen Sachbeschädigungen nachgewiesen werden können; sollte dies der Fall sein, laufen die Verursacher das Risiko, im Rahmen des Strafverfahrens nachträglich für den gesamten Schaden in Höhe von mehreren 10'000 Franken haften zu müssen. Den drei
Festgenommenen wurden am Montag vorerst im beschleunigten Verfahren die Strafbefehle wegen der sofort nachweisbaren Taten ausgehändigt, und sie konnten entlassen werden.
Zerstörte Toiletten in der AFG-Arena
Eskalation Fussball
In anderem Zusammenhang wurde ein bekannter St. Galler Fan von der Polizei kontrolliert. Im Kofferraum seines Fahrzeuges fanden sich neben einer Wollmütze mit Skibrille ein Pfefferspray, ein Elektroschockgerät, ein Teleskop-Schlagstock sowie ein Schlagring. Ein anderer, wegen Vorfällen an Fussballspielen bereits vorbestrafter St. Galler Ultra bestellte im Ausland zwei Messer, die in Gürtelschnallen eingearbeitet sind. Die Sendung wurde am Zoll beschlagnahmt und kommt nun teuer: Der Mann wurde im Schnellverfahren zu einer Geldstrafe von 1'800 Franken verurteilt, eine offene bedingte Geldstrafe von Fr. 4'000.- wird nun auch zur Zahlung fällig. Der Entscheid ist noch nicht rechtskräftig.
Bereits wird erste Kritik am St. Galler Vorgehen laut: Thomas Gander, Co-Leiter der Fanarbeit Basel, wirft den St. Galler Behörden vor, ihre Nulltoleranz-Doktrin trage zur Eskalation bei. Ausschreitungen bei den Eingangskontrollen seien gefährlicher als das Abbrennen von bengalischen Fackeln. Die Fanarbeit Schweiz hält in einem Thesenpapier vom
Eskalation Fussball
August 2012 fest, die Entkriminalisierung von Pyros fördere die notwendige Sensibilisierung für das Gefahrenpotenzial der Pyrotechnik. Auf diese Weise werde die Sicherheit bei der Verwendung von Pyrotechnik in Fankurven erhöht.
Wer Pyros in die AFG Arena schmuggelt, begeht ein Vergehen gegen das Sprengstoffgesetz, das von Amtes wegen verfolgt werden muss. Polizei und Staatsanwaltschaft St. Gallen werden deshalb ihr Vorgehen nicht anpassen.



























