«Nach dem Ironman Hawaii ist Schluss»
Herisau. Annette von Mandach, 38 Jahre alt, qualifizierte sich am 24. Mai in Lanzarote für den ältesten und spektakulärsten Triathlon der Welt: Den «Ironman Hawaii». Im Interview schaut sie auf ihre Karriere zurück und erzählt über ihre Zukunft nach der Mission Hawaii.
Der Ironman Hawaii ist der älteste und auch gleichzeitig der bekannteste und spektakulärste Ironman.
Mehr als 50´000 Athleten bewerben sich jährlich für einen der begehrten Startplätze. Dieses Jahr haben sich rund 45 Schweizer (36 Männer und 7 Frauen) qualifiziert.
Darunter die in Herisau lebende Annette von Mandach.
Grüezi Frau von Mandach. Wie sind Sie dazu gekommen, Triathlon zu betreiben?
Annette von Mandach: Bevor ich mit Triathlon angefangen habe, habe ich Volleyball und Tischtennis gespielt und bei diversen anderen Sportarten reingeschnuppert.
Irgendwann hatte ich dann das Bedürfnis, meine physischen und psychischen Grenzen auszuloten. So habe ich dann mit einem geliehenen Rennrad meinen ersten Mini-Triathlon bestritten. Seither lässt mich diese Sportart nicht mehr los.
Sie üben diesen Extremsport seit über 20 Jahren aus. Was gibt Ihnen so viel Schnauf?
Die ersten Erfolge stellten sich schnell ein und damit auch der Wunsch nach mehr. Der Mythos Hawaii, der grösste und bekannteste Ironman der Welt, hatte sich damals schon in meinem Kopf festgesetzt.
Zwischenzeitlich wanderte dieser Gedanke dann aber aus privaten und beruflichen Gründen wieder etwas in den Hintergrund.
Zudem wollte ich mich mit der Teilnahme an anderen Rennen, wie z.B. dem Trans-Swiss Triathlon, dem Gigathlon oder dem Inferno Triathlon, an die Ironman-Distanz und die extreme Belastung herantasten.
Sie haben sich am 4. Juli am Triathlon Lanzarote für den «Ironman Hawai» qualifiziert. War das Ihr grösstes Ziel?
Um nach Hawaii zu kommen, musste ich auf Lanzarote in meiner Altersklasse gewinnen.
Der Sieg auf Lanzarote war also das Ticket für die WM. Somit war Lanzarote also «nur» ein Meilenstein auf dem Weg nach Hawaii.
Beim Ironman Lanzarote sind Sie fast zwölf Stunden unterwegs gewesen. Was denkt man während der ganzen Zeit?
Hier kann ich natürlich nur von mir sprechen: Wie bei allen meinen wichtigen und erfolgreichen Rennen waren meine Gedanken und meine ganze Aufmerksamkeit fokussiert auf die Strecke und den Bewegungsablauf. Die Strecke habe ich mir bei zahlreichen Trainingsfahrten und -läufen eingeprägt.
Traten dann während dem Wettkampf Müdigkeitserscheinungen oder körperliche Probleme wie Krämpfe usw. auf, konzentrierte ich mich auf den Bewegungsablauf und den Rhythmus. Für andere Gedanken bleibt kein Platz, dies kostet unnötige Energie. Ein Rennen ist nach der Ziellinie beendet. So wird es auch auf Hawaii sein.
Wie bereitet man sich auf so einen Triathlon vor? In Hawaii sind ja die Wetterbedingungen ganz anders als hier in der Schweiz.
Die Vorbereitung umfasst natürlich nicht nur das rein physische Training, also das Schwimmen, Velofahren und Laufen. Dazu kommt der Faktor Ernährung, Partnerschaft, Umfeld, Sponsoren, Job usw. Das heisst, dass das gesamte Umfeld erfolgsorientiert eingestellt sein muss.
In den letzten zwei/drei Jahren war mein Umfeld nun so gut, dass eine Leistung wie die Quali für die Weltmeisterschaft und die Teilnahme auf Hawaii möglich wurden.
Was die klimatischen Verhältnisse auf Hawaii angeht, konnte ich bisher nur während der Bike Transalp Challenge und dem Ironman Lanzarote Erfahrungen sammeln. An beiden Wettkämpfen habe ich mich bei den heissen Temperaturen und den starken Winden sehr wohl gefühlt. Nun zähle ich darauf, dass ich auch mit dem Klima auf Hawaii gut klar komme.
Wie zeitaufwendig ist das Training? Wie ernähren Sie sich?
Die sportspezifischen Technik-, Kraft- und Ausdauertrainings fordern rund 20 bis 30 Stunden pro Woche. An einigen Tagen trainiere ich eine bis alle drei Sportarten am gleichen Tag, also z.B. morgens Schwimmen, mittags Laufen und abends Rennrad. An einigen Tagen absolviere ich die langen Trainingseinheiten in nur einer Sportart, dies dann dafür während vier bis sechs Stunden.
Meine Ernährung ist ausgewogen mit viel Eiweiss und Kohlenhydraten, wenig Alkohol und kaum Fett.
Was ist ihr Ziel für den Ironman Hawaii? Welche Platzierung streben Sie an?
Ich möchte auf Hawaii als Daylight-Finisher über die Ziellinie laufen. Damit habe ich auch eine reelle Chance auf einen Podestplatz in meiner Alterskategorie.
Hören Sie danach auf? Oder was ist die nächste Hürde?
Mit der Teilnahme an der Ironman WM auf Hawaii erreiche ich den absoluten Höhepunkt in meiner sportlichen Karriere und damit auch das höchste, was man im Triathlon erreichen kann. Danach werde ich mich vom Wettkampfsport verabschieden und meine Erfahrungen und mein Wissen an andere Sportler weitergeben. Bereits heute trainiere ich Privatpersonen, die sich für einen Halbmarathon oder anderen Wettkampf vorbereiten, oder gebe mein Wissen über Sporternährung an Vereine weiter.
Mehr Informationen zu Annette von Mandach unter www.annette-mandach.ch



























