Momente der Intensität
Frauenfeld. Am 30 April spielt im VorStadttheater in der Reihe «jazz:now» Daniel Schläppi «Voices».
Die Laufbahn des Jazzmusikers Daniel Schläppi beweist mindestens zweierlei: zum einen muss die Ausbildung an einer Jazzakademie nicht zwingend sein, wogegen sich andererseits ohne Mut zum eigenen und beharrlichen Weg kaum und schon gar nicht längerfristig Erfolg einstellt.
Einige Jahre erhielt Schläppi klassischen Klavierunterricht, begann jedoch mit sechszehn E- und dann Kontrabass zu spielen. Mit ein paar wenigen Lektionen liess er sich in sein neues Instrument einführen, den Rest erarbeitete er sich selbst und vor allem im Zusammenspiel mit Berner Jazzern wie Stewy von Wattenwyl und der Gruppe „Twice A Week“.
Die Engagements als Sideman reichten für die entsprechende Szene, für den nationalen Durchbruch war jedoch 1999 die Begegnung mit dem hervorragenden amerikanischen Bassisten und Lehrer Rufus Reid Voraussetzung. Danach schlug Schläppi konsequent seinen eigenen musikalischen Weg ein und gründete mit „Voices“ seine erste eigene Band.
„Voices“ verzichtet auf ein Piano und damit auf die klassische Rhythmusgruppe und setzt stattdessen auf zwei Bläser. Diese zählen in der Schweiz zu den besten ihrer Generation, und sie kommen nicht zum ersten Mal zu jazz:now. Domenic Landolf und Jürg Bucher spielen sowohl Tenor- und Sopransaxofon als auch Bassklarinette und waren – wie die vierte Stimme, der Schlagzeuger Dominic Egli – u.a. schon mit Andy Scherrer in Frauenfeld zu hören.
Mit seinem Quartett, mit dem er seit sieben Jahren arbeitet, und den Mitmusikern Landolf, Bucher und Egli hat Schläppi definitiv zu seiner eigenen Stimme gefunden. Er schafft den Spagat zwischen alt und neu, zwischen Jazztradition und zeitgenössischem Ausdruck, der nicht auf ewige Klischees und schwindelerregende Virtuosität baut.
Hier geht es, und zwar erstaunlich melodiös, um Interaktion, die Freiräume schafft für die einzelnen Stimmen, für Momente der Intensität, die kaum planbar sind. Daniel Schläppis Musik landet trotzdem dort, wo es ihn wohl selbst am meisten überrascht, wenn er seine Absichten formuliert: „Ich will die Möglichkeiten der Momentkunst Musik, die in jedem Moment glücken oder scheitern kann, ausloten. Wenn dabei die stimmigen Momente überwiegen, bin ich glücklich. Ohne meine phantastischen Mitspieler gäbe es diese Momente gar nicht“.
Dass diese Momente sogar ausgesprochen zahlreich sind, beweisen Schläppis Auftritte, Aufnahmen und viele Pressestimmen. „Dimensionen, die weit über die im Jazz gebräuchlichen, korsetthaften Solokonzepte hinausreichen. Dabei entsteht im Spannungsfeld von phantastischer Luftigkeit und konkreter Erdigkeit eine authentische Musik, die sich scheinbar schwerelos über die Gravitationskraft des Gewohnten hinwegsetzt“ (Jazztime, 2003). Inzwischen arbeitet Daniel Schläppi auch erfolgreich mit andern Musikern, die man in Frauenfeld kennt: Colin Vallon, Nils Wogram und Samuel Rohrer gehören dazu.
Am Mittwoch, 30 April spielt um 20.15 Uhr im VorStadttheater in der Reihe jazz:now Daniel Schläppi «Voices».
Am Samstag, 3. Mai findet im VorStadttheater ein weiteres Mal einer der erfolgreichen Poetry Slams statt. Türöffnung 20 Uhr.



























