• Aargau
  • Appenzell Ausserrhoden
  • Appenzell Innerrhoden
  • Basel-Landschaft
  • Basel-Stadt
  • Bern
  • Freiburg
  • Genf
  • Glarus
  • Graubünden
  • Jura
  • Luzern
  • Neuenburg
  • Nidwalden
  • Obwalden
  • Schaffhausen
  • Schwyz
  • Solothurn
  • St.Gallen
  • Stadt Winterthur
  • Stadt Zürich
  • Tessin
  • Thurgau
  • Uri
  • Waadt
  • Wallis
  • Zug
  • Zürich

Mit Gefühl und Hartnäckigkeit Migranten erreichen

TG. Die Migrantinnen und Migranten gelten als «schwer erreichbare Zielgruppe», gerade auch in der Prävention und Gesundheitsförderung.

Dass dem nicht so sein muss, wurde an einer durch Caritas Thurgau organisierten und durch den Kantonsärztlichen Dienst unterstützten Fortbildung in Weinfelden aufgezeigt. Im Zentrum stand die Frage, worauf es ankommt, wenn Projekte und Massnahmen für die Migrationsbevölkerung zu Erfolgen führen sollen.
«Prävention und Gesundheitsförderung, die sich an die breite Bevölkerung richtet, kommt nicht bei allen an», sagte Therese Bauer von der Fachstelle für Gesundheit und Integration der Caritas Schweiz einleitend.

Präventionsbotschaften erreichen in der Regel Bevölkerschichten mit mittlerem bis gutem Bildungsstand. Menschen mit weniger Bildung und geringerem Sprachverständnis gelingt es oft nicht, die Botschaften zu verstehen und schon gar nicht, daraus Verhaltenstipps für die eigene Lebensgestaltung abzuleiten. Daraus zu interpretieren, dass die Migrationsbevölkerung grundsätzlich nicht an Gesundheitsförderung und Prävention interessiert ist, wäre aber falsch. Ebenso irreführend ist es zu glauben, dass die Übersetzung herkömmlicher Informationsbroschüren eine erfolgversprechende Lösung sei. Es braucht eine Übertragung der Botschaft in den sozialen und kulturellen Kontext der entsprechenden Zielgruppe. Voraussetzung dazu ist der Dialog sowie die Zusammenarbeit mit den Menschen, um deren Gesundheitsförderung es tatsächlich geht.

Um Menschen mit einem Migrationshintergrund nachhaltig zu erreichen, braucht es einen bewussten Entscheid zur transkulturellen Öffnung und eine entsprechende Verankerung innerhalb der Organisation. Der Einbezug der Migrationsbevölkerung ist zentral, wenn Projekte gelingen sollen. Damit ein Dialog stattfinden kann, müssen Netzwerke zur Migrationsbevölkerung aufgebaut und gepflegt werden. Es braucht Brückenbauerinnen und Brückenbauer.

Am Projekt «FemmesTische von Migrantinnen für Migrantinnen» wurde diese Funktion der Brückenbauerinnen aufgezeigt. Auf die Aufgabe vorbereitete und durch die Fachstelle perspektive begleitete Moderatorinnen vermitteln in Gesprächsgruppen in ihrem Kultur- und Sprachkreis Wissen über Erziehung und Gesundheit und tragen dazu bei, dass der Erfahrungsaustausch angeregt und die soziale Integration gefördert wird. Die als Moderatorin tätige Kosovarin Nebahat Bommeli erläuterte eindrücklich, wie sie mit Fingerspitzengefühl und einer gewissen Hartnäckigkeit ihre Landsfrauen erreicht und Ängste und Widerstände seitens Ehemänner und Schwiegermütter abzubauen versteht.

Auch innerhalb der Migrationsbevölkerung gibt es verschiedene soziale Schichten und Bildungsniveaus. Gemeinsam bleibt, dass die Migrationserfahrung Menschen verletzlicher macht. Ihre Gesundheit ist gefährdeter, weil sie auf bestimmte Ressourcen, wie beispielsweise ein vorhandenes Familiennetz, nicht automatisch zurückgreifen können. Zu beachten ist ferner, dass durch die zielgruppenorientierte Arbeit nicht der Eindruck der Stigmatisierung entsteht. Die Massnahmen müssen transparent und darauf ausgerichtet sein, die Potenziale für Selbstbestimmung und Eigenverantwortung zu fördern.

Die Menschen sollen befähigt werden, ihre Lebensbedingungen zu verstehen und die Zuversicht und Fähigkeit gewinnen, diese beeinflussen zu können. «So gesehen unterscheiden sich Ansätze der transkulturellen Prävention und Gesundheitsförderung in keiner Weise von Projekten für sozial benachteiligte Menschen mit einem Schweizerpass», erklärte Judith Hübscher Stettler, kantonale Beauftragte für Gesundheitsförderung, Prävention und Sucht.

Sie betonte, dass die zunehmende soziale Ungleichheit und die damit einhergehenden unterschiedlichen Voraussetzungen für Gesundheit eine der künftigen Herausforderung der öffentlichen Gesundheit sei. Darum sei es speziell wichtig, mit Gesundheitsförderungsmassnahmen dort anzusetzen.

ThurgauThurgau / 30.03.2009 - 09:31:17