Mit D- wie Deppen-Post
Kommentar. Wie ein forscher Inkassodienst uns mit Strafgebühr beutelt und wir erst recht mit Gewinn aus dem Januarloch hervorgehen.
Nun hat sich dieser Januar doch noch ein bisschen in die Länge gezogen, jetzt aber liegt er in den letzten Zügen – und wir fast mit ihm, denn unser diesjähriges Januarloch manifestierte sich für einmal gar als veritables Einschussloch, sozusagen als Fünf-Franken-Attentat auf unseren Haushaltstresor im Januar. Der Inkassodienst Billag AG schiesst nämlich ohne Vorwarnung mit Fünfliber-Kaliber auf die Spatzen vor der Mattscheibe. Da kennt der SRG-Gebühren-Eintreiber im Dienst der Schweizerischen Eidgenossenschaft gar nichts, da herrscht null Toleranz: Wer seine Radio- und/oder TV-Gebühren nicht fristgerecht bezahlt, bekommt von der Billag AG schon mit der ersten Mahnung sogleich eine Strafgebühr von 5 Franken aufgebrummt, was allerdings völlig uneidgenössisch ist: In der Schweiz ist es nämlich nach wie vor üblich, dass eine erste Zahlungserinnerung nach der Rechnungsstellung gratis erfolgt, schliesslich kann es in den besten Häusern mal vorkommen, dass aus Versehen eine Rechnung liegen bleibt (wenn grad das Kleingeld fehlt). Nur die Billag ist so unfehlbar, dass sich die Balken biegen!
Die Arroganz und Ignoranz des Monopolisten
Jedenfalls haben wir den ganzen Haushalt samt Kinderzimmer (und Göre darin) auf den Kopf gestellt, um die Billag-Rechnung zu finden, welche wir da nicht bezahlt haben sollten. Da tauchte doch tatsächlich eine alte Swisscom-Rechnung auf, welche allerdings aufgrund einer ersten gebührenfreien (!) Mahnung längst bezahlt worden ist. Von der Billag-Rechnung indes keine Spur! Aber wie gesagt, die Billag ist unfehlbar: Da gibt es selbst für Rechnungen, die gar nie beim Kunden eingetroffen sind, subito mit der ersten Mahnung gleich fünf Franken Strafgebühr! Während die Swisscom und andere Firmen im harten Wettbewerb ihre Kunden auch dann noch pflegen (müssen), wenn ausnahmsweise mal eine Rechnung liegen bleibt, will sich die Billag mit der Arroganz und Ignoranz des Monopolisten als Zahlmeister der Nation aufspielen; da wird der Kunde König sofort zum Deppen gemacht, obwohl man selbst völlig bescheuert nicht mal die simpelsten Kommunikationsmittel im Griff hat, wie wir noch sehen werden.
Verluderte Schweizer Zahlungsmoral
Dass die Billag ohne genaueres Hingucken schon für eine erst- beziehungsweise einmalige Mahnung den Kunden mit einem Strafmandat belegt, ist inakzeptabel und ruft nach Konsequenzen seitens des Konsumenten, was bei einem Monopolisten indes nicht ganz einfach ist. Anders verhält es sich natürlich bei Leuten, die ihre Rechnungen notorisch zu spät oder gar nicht begleichen. Dass Schweizer (auch Schweizer Firmen!) generell Rechnungen, die in 30 Tagen zu bezahlen sind, durchschnittlich erst nach 40 Tagen begleichen, ist allerdings schon eine (Volks-)Verluderung, welche just einer Bankenrepublik und zumal noch einer Uhrenfabrikations-Hochburg sehr schlecht ansteht. Und was einen vollends aus den (Spar-)Socken haut: Die liederlichste Figur in diesem nationalen Zirkus der Kleinkrämer, der kleinen Zechprellereien ad interim, sei der Staat selber, dessen Bundesbetriebe gar die säumigsten Zahler im Land seien, so dass man gar von einer staatlich geförderten, von den Behörden selbst angezettelten Verluderung im Zahlungsverkehr dieses Landes sprechen muss.
Narren der eigenen Unpünktlichkeit
Umso absurder ist es also, wenn sich ausgerechnet die Billag AG im Auftrag der Schweizerischen Eidgenossenschaft beziehungsweise für die SRG als Zahlmeister der Nation aufspielen will. Da müsste man sich schon zuerst an der eigenen Nase nehmen und dem Kunden selbst mal die ultimativ eingeforderte Pünktlichkeit liefern, das heisst die Billag müsste dafür sorgen, dass SF 1 und 2 ihre Sendungen wenigstens mal so pünktlich ausstrahlen wie ARD, ZDF oder ORF (präzis ist man meist nur bei der «Tagesschau» und bei «10 vor 10»). Die ultimative Pünktlichkeit, welche die Billag von ihren Kunden verlangt, führt sie mit einer Disziplinlosigkeit sondergleichen gleich selbst wieder ad absurdum. Nachdem eine Quartalsrechnung überhaupt nicht bei uns eingetroffen ist, lag die aktuelle nun neun Tage nach der Datierung (was ja das Absendedatum sein sollte!) in unserem Briefkasten. Neun Tage für eine Briefsendung: Das ist weder A- noch B-Post, das ist nicht einmal C-Post, das ist die D- wie Deppen-Post à la Billag! Der Zahlzuchtmeister der Nation kann also nicht mal simple Briefe ordentlich (datiert) verschicken!
Billag zappelt im Anti-Spam-Filter
Also versuchten wir es mal mit der E-Post, das heisst E wie E-Mail! Per E-Mail vom 31. Dezember wiesen wir den Strafzuschlag für die erste Mahnung einer nicht greifbaren (Phantom-)Rechnung scharf zurück und parierten derlei Fünfliber-Attentat auf den Kunden mit der Sistierung unseres Radiohör-Abonnements bis auf weiteres. Wir machten Dampf mit weiteren E-Mails am 14. und 23. Januar – und haben noch fast übersehen, dass die Billag «schon» am 22. Januar, also nach drei Wochen, mal die E-Mail vom 31. Dezember bestätigte, wenn auch noch lange nicht beantwortete, denn die Reklamation musste (und muss bis dato) erst mal weitertuckern auf dem Dienstweg. Zu übersehen war diese Billag-E-Mail ganz leicht im Anti-Spam-Ordner, wo man nun wirklich nicht allzu oft nachsieht, und zwar aussortiert vom Provider Bluewin.
Eidgenössischer Irrgarten
In dieser Eidgenossenschaft weiss offenbar die Linke nicht, was die Rechte tut, wenn Swisscom-Bluewin die Billag-SRG einfach als Spam oder E-Müll abqualifiziert, oder die Billag, die vor Jahren schon am Pranger des Konsumentenmagazins «Kassensturz» stand, ist nicht nur beim Schreibenden, sondern landesweit so sehr im Verruf, dass andere nationale Dienstleister wie Bluewin oder Die Post den aufgeblasenen Zahlmeister der Nation auf die lange Bank schieben, gar als Nonvaleur abschieben in die E-Müll-Tonne.
Das Radio: Von den eigenen Leuten boykottiert
Die Billag mit ihrer Deppen-Post auf allen Kommunikationskanälen: Da wollten wir doch mal sehen, wer hier wen zum Deppen macht. Jedenfalls haben wir die fünf Franken Mahngebühr schon im Januarloch fast dreifach wieder zurückgeholt, indem wir das Radiohör-Abonnement (monatlich 14 Franken) bis auf weiteres sistierten. Wer auf Dauerberieselung und also auf die akustische Umweltverschmutzung schon in den eigenen vier Wänden verzichten kann, kommt eigentlich ganz leicht ohne Radio aus, denn TV und Internet bieten ja selbst schon eine Überfülle an Information oder Unterhaltung. Ausserdem wird das Radio ja von den eigenen Leuten schon boykottiert, weil in Programmzeitschriften eh nur übers Fernsehen und gar nicht oder nur alibihaft übers Radio informiert wird. Nicht mal für Konzertübertragungen braucht man das Radio: Schon das Wiener Neujahrskonzert gab es am Fernsehen, nicht am Radio! Und auch wenn aus dem Opernhaus Zürich gesendet wird, kommt wieder nicht das Radio, sondern das Fernsehen zum Zug. Ausserdem hat uns die radiolose Zeit die eigene CD-Sammlung ganz neu entdecken und schätzen gelehrt, ja die radiolose Zeit gefällt uns so gut, dass wir sie noch einige Monate weitergeniessen werden. Die Fünf-Franken-Busse holen wir uns also zehn, ja zwanzigfach auf Kosten der Billag beziehungsweise auf Kosten des SRG-Radio-Budgets wieder zurück! Damit dürfte wohl klar sein, wer hier wen zum Deppen gemacht hat. Wir jedenfalls sind der Kunde, und zwar jener König Kunde, der nun die Billag samt SRG abblitzen lässt … Und wenn im Sommer dann die Bayreuther Festspiele mit ihren exklusiven Übertragungen locken, dann lassen wir uns einfach ganz königlich einladen von Radiohörern im Bekanntenkreis und revanchieren uns mit TV-DVDs dafür …



























