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Metzgertänze, Fett und Erotik

Wer diese Stichworte nicht mit der Fasnacht in Verbindung bringen kann und trotzdem mit Afroperücke und Konfetti bewaffnet durch die Strassen zieht, sollte schleunigst lesen, was es mit der «fünften Jahreszeit» auf sich hat.

Konfetti auf den Strassen, Guggenmusik, bis die Ohren wackeln, Schenkeli, Fasnachtschüechli, Masken, Schnitzelbänke und der Alkohol fliesst in Strömen… Die einen lieben sie, die anderen hassen sie: Die Rede ist von der Fasnacht. Wer denkt die «fünfte Jahreszeit» hätten trinkfreudige, trompetenspielende Konfetti-Freunde, die sich gerne verkleiden, erfunden, irrt gewaltig.

Die Entstehung der Schenkeli
Der Ursprung des Wortes Fasnacht wird oft mit der Zusammensetzung der Wörter «fasta» (Fastenzeit) und «naht» (Nacht) erklärt. Demzufolge bezeichnet die Fasnacht den Tag vor der Fastenzeit. Bereits im zehnten oder elften Jahrhundert gab es fasnächtliche Aktivitäten. Damals bedeutete die 40-tägige Fastenzeit einen grossen Einschnitt im Jahreslauf der Christen. Es mussten sämtliche verderbliche Lebensmittel wie Fleisch, Eier oder Fett noch vor Beginn der Fastenzeit aufgebraucht werden. Dies führte zu riesigen Ess- und Trinkgelagen, welche meist am Vorabend der Fastenzeit stattfanden. Zu dieser Zeit gab es folglich auch die ersten fetten, gebackenen fasnachts-typischen Speisen wie Schenkeli und Fasnachtschüechli.

Von Metzgertänzen und Erotik
Ab dem 15. Jahrhundert gab es so genannte Metzgertänze. Die Metzger hatten während der Fastenzeit den schwersten Stand, da sie ihre Waren nicht mehr verkaufen konnten. So tanzten Sie mit allerlei Fleisch- und Wurstwaren durch die Strassen. In dieser Zeit wurden auch Fasnachtsspiele, bei denen es meist wild zu und her ging und Erotik das Hauptthema war, in den Wirtshäusern aufgeführt. Für die Kirche stellte die Fasnacht sittenloses Treiben dar, den Teufelsstaat (civitas diaboli), der mit Beginn der Fastenzeit durch den Gottesstaat (civitas dei) vertrieben wurde.

Es gibt noch so viele Bierchen zu kippen…
Der Hauptgrund für die Fasnacht, die Fastenzeit, verschwand im 16. Jahrhundert, als sich die Reformation ausbreitete. Die protestantische Kirche bestand nicht länger auf dem Fasten und als im 17. Jahrhundert die Aufklärung aufkam, verlor der Brauch zunehmend an Ansehen und wurde als Überbleibsel der Vergangenheit angesehen. Erst im 19. Jahrhundert begann man sich der Wurzeln des Brauches zu erinnern und die Fasnacht wurde wieder populärer wie man dieser Tage überall auf den Strassen unschwer erkennen kann.

Seit dem schmutzigen Donnerstag sind auch in St.Gallen wieder die Narren los: Manch einer sitzt nach einer durchzechten Nacht verkatert, mit Konfetti in den Haaren im Bürostuhl – und sehnt sich bestimmt dennoch nicht das Ende der «fünften Jahreszeit» herbei. Denn es gibt ja noch so viele Töne zu blasen, Schenkeli zu essen, Bierchen zu kippen und Konfetti zu verstreuen…

Und es gibt trotz Guggenmusik und Konfetti auch noch einen kleinen Trost für Nicht-Fasnächtler: Wenigstens tanzen dieser Tage keine wurstbehangenen Metzger mehr auf den Strassen.

Appenzell InnerrhodenAppenzell Innerrhoden / 01.02.2008 - 16:57:00