Mein Weihnachtstagebuch
Die letzten drei Tage vor dem eigentlichen Weihnachtsfest haben es immer in sich.
22. Dezember:
Ich wache auf und überlege, was ich an meinem ersten freien Tag so alles machen kann. Zuerst einmal: weiter schlafen, es gibt ja nichts zu tun und Weihnachten ist auch noch nicht da, um in irgendeine Art von Stress zu gelangen. Da ich aber gewohnt bin, früher aufzustehen, kann ich natürlich nicht mehr schlafen. Ausruhen ist aber auch in Ordnung. Zu Mittag läutet das Telefon: Es sind Freunde, die mich noch unbedingt, bevor sie irgendwohin zu ihrer Familie fahren, sehen wollen. Keine Frage, die treffe ich heute noch. Am Nachmittag lege ich mich in Ruhe vor den Fernseher. Es gibt ja schon einige Filme, die sehenswert sind. Allerdings wird mir schnell langweilig. Die Zeit vergeht irgendwie manchmal zu langsam.
Dann mache ich mich endlich auf, um meine Kollegen beim Christkindlmarkt (wienerisch für Weihnachtsmarkt) zu treffen. Alle überreichen mir noch Geschenke, über die ich mich teilweise sogar freue. Ich behaupte ihre Geschenke zu Hause vergessen zu haben. Die Tatsache, dass ich bis zum jetztigen Zeitpunkt nicht die Zeit und Lust gehabt habe, welche zu besorgen, verschweige ich. Wir trinken Punsch und Glühwein. Der Weihnachtsmarkt schliesst und wir gehen weihnachtlich eingestimmt noch ein bisschen aus.
23. Dezember:
Gestern wurde es spät, deshalb bin ich heute erst zu Mittag aufgewacht. Der Punsch hatte es in sich. Aber egal, ich habe ja nichts zu tun. Deshalb ruhe ich mich auch heute noch ein bisschen aus. Am Abend treffen sich mein Bruder und ich wie jedes Jahr bei meiner Mutter zum Christbaumschmücken. Dies läuft nicht wie bei einer normalen Familie ab: Der Christbaum ist am Schluss so eingedeckt, dass man das Grün der Tanne nur erahnen kann.
Aber dafür habe ich für die nächste Zeit genügend Süssigkeiten zu essen, die mir den Gang auf die Waage erschweren. Auch hat in diesem Jahr meine Mutter wieder einen viel zu grossen Baum gekauft, der zuerst gekürzt werden muss. Die Stimmung wird heiss……Wir schaffen es nach einigen Diskussionen und nach circa acht Stunden Arbeit vor dem fertigen Baum zu stehen. Hundemüde falle ich ins Bett und schlafe sofort ein.
24. Dezember:
Ich wache um ungefähr 11 Uhr auf und denke mit Freude an den kommenden Weihnachtsabend. Doch in mir regt sich ein unangenehmes Gefühl: Ich habe doch irgendetwas vergessen. Was war es doch gleich? Plötzlich werde ich hellwach und sitze aufrecht im Bett: Die Geschenke! Ich habe die Geschenke vergessen. Verschiedene Fragen schiessen mir durch den Kopf: Wie lange sind die Geschäfte heute noch offen? Schliessen sie nicht schon zu Mittag? Wer kommt alles zu der Feier? Fahren wir dann nicht auch noch zu meiner Oma und zu meiner Tante? Kommen da auch noch andere wichtige Personen?
In windeseile bin ich angezogen und sitze im Auto auf dem Weg in das grösste Einkaufszentrum Wiens. Ich rechne damit, dass am 24. Dezember nicht so viel los sein wird und ich die Möglichkeit habe, mich in Ruhe umzusehen. Vergiss es: Schon auf dem riesigen Parkareal gibt es kaum noch Platz, um mein Auto abzustellen. Den anderen geht es also auch nicht besser……
Egal, ich wühle mich durch Menschenmassen, schaue mich um, laufe in die verschiedensten Geschäfte, stehe sehr lange in der Schlange vor der Kasse, komme ins Schwitzen. Wie spät ist es eigentlich schon? Oh mein Gott, und einpacken muss ich das Ganze auch noch. Natürlich um einiges zu spät räume ich mein Auto mit den Geschenken voll, steige ein und stehe natürlich wieder einmal in der Schlange vor der Ausfahrt des Parkplatzes. Zu Hause angekommen, klingelt schon das Telefon.
Meine Mutter: Du fährst jetzt eh schon los, fragt sie. «Ich komme gleich», antworte ich und habe dabei im Hinterkopf, dass das Wort «gleich» auf verschiedene Zeitspannen zugeschnitten werden kann. Geschenke einpacken, Duschen, schöne Kleidung anlegen….. Danach alles ins Auto tragen: Habe ich auch nichts vergessen? Das kann man ja diesmal nicht mit einer Ausrede auf morgen verschieben.
Bei meiner Mutter angekommen, muss ich mich erst einmal ein wenig ausruhen. Ich bin totmüde und das eigentliche Fest beginnt noch. Aber für dieses Mal hat ja aufgrund meiner guten Berechnungen wieder alles funktioniert. Im nächsten Jahr mache ich alles anders, das schwöre ich, wenn ich das bis dahin nicht wieder vergessen habe.
Frohe Weihnachten



























