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Mehr Stellen, grösseres Angebot

Teufen. Die Pflege und Betreuung alter Menschen wandelt sich. Ein Gespräch mit Barbara Brandenberg, zuständige Gemeinderätin.

Der Gemeinderat hat Anfang April entschieden, im Bereich der Alters- und Pflegeheime Teufen acht zusätzliche Stellen zu schaffen. Dieser Entscheid wurde dem fakultativen Referendum unterstellt, welches jedoch nicht ergriffen wurde. Im folgenden Gespräch äussert sich die Präsidentin des Ressorts «Soziales», Gemeinderätin Barbara Brandenberg, über die bevorstehenden Neuerungen in der Alters- und Pflegebetreuung.

Barbara Brandenberg, wie im Abstimmungsedikt für den Projektierungskredit für das neue Alterszentrum vermerkt, sind für alle Häuser 69,5 Stellen vorgesehen. Jetzt wird der Etat um acht Stellen oder rund elf Prozent aufgestockt. Welches sind die Gründe?
Barbara Brandenberg: Im Vordergrund steht eine Angebotserweiterung, welche dazu führte, Stellen aufzustocken. Im neuen Alterszentrum werden neu Wohngruppen für Menschen mit Demenz geführt, welche drei zusätzliche Stellen benötigen, um diesen Bewohnerinnen und Bewohnern eine optimale Betreuung zu gewährleisten. Zudem sollen im neuen Haus auch Kurzaufenthalte und Tagesbetreuung möglich sein. Zusätzlich wird das Haus «Lindenhügel» bereits seit 1. September 2003 als Pflegeheim geführt. Diese Entwicklung entspricht der heutigen Tendenz, wo die älteren Menschen möglichst lange zu Hause bleiben und meist erst bei ernsthafter Pflegebedürftigkeit in ein Heim eintreten. Dies hat zur Folge, dass der Pflegeaufwand steigt und sich somit auch der Personalbedarf um drei Stellen erhöht. Im Haus «Bächli» mussten zwei neue Stellen geschaffen werden. Der Grund hier liegt in den kantonalen Vorgaben und arbeitsrechtlichen Vorschriften in Bezug auf die Nachtwache. In den letzten Jahren hat sich auch gezeigt, dass der Betreuungs- und Beratungsaufwand für die Bewohnerinnen und Bewohner und deren Angehörige stark zugenommen hat. Ausserdem waren im Edikt zwei Standorte für die Altersbetreuung in Teufen vorgesehen. Das Haus «Bächli» ist jedoch noch immer gut ausgelastet und die Pensionäre fühlen sich wohl dort. Aus diesem Grund rechtfertigt sich die Beibehaltung dieses Heimes.

Es gibt also viele Gründe, die diese Erhöhung rechtfertigen. Trotzdem: Mit der Reduktion der Standorte von vier auf drei wurde dem Stimmbürger damals eine betriebswirtschaftliche Optimierung versprochen. Läuft diese Aussage nicht der jetzt beschlossenen Aufstockung zuwider?
Nein, überhaupt nicht. Es gilt zu bedenken, dass im Vergleich zu heute insgesamt 19 Zimmer mehr geschaffen werden. Heute zählen wir im Alterszentrum 23 Zimmer, im Haus «Alpstein» deren 18, was ein Total von 41 macht. Nach dem Bezug des Hauses «Unterer Gremm» werden es 60 sein. Was die betriebswirtschaftlichen Optimierungen betrifft, so haben diese bereits mehrheitlich stattgefunden. Das Essen für die Häuser «Alpstein» und «Alterszentrum» zum Beispiel wird von der Küche des Lindenhügels geliefert. Der Technische Dienst, die Wäscherei und die Küchendienste wurden zentralisiert und bedienen jetzt schon alle vier Häuser.

Ein Teil des zusätzlichen Personalaufwands wird mit dem erweiterten Pflegeangebot über die Auslastung abgegolten. Bedeutet dies für die Bewohnerinnen und Bewohner der Alters- und Pflegeheime Teufen, dass sie tiefer in die Tasche greifen müssen?
Nein, man muss unbedingt zwischen dem Pensionspreis und dem Preis für den Pflege- und Betreuungsaufwand unterscheiden. Wir sind besonders stolz, dass die Pensionspreise der Heime in Teufen im Vergleich mit denjenigen in der Umgebung günstiger sind. Das kommt daher, dass die Infrastruktur, sprich die Gebäudekosten von der Gemeinde übernommen werden. Aus diesem Grund ist es möglich, dass ein Zimmer im neuen Haus «Unteres Gremm» genau gleichviel kosten wird wie heute ein grosses Zimmer im Alterszentrum, nämlich 115 Franken pro Tag. Trotzdem oder eben deshalb ist es unsere Aufgabe, jedes Jahr die Preise zu überprüfen und allenfalls anzupassen. Nach heutiger Erkenntnis dürften künftige Anpassungen eher moderat ausfallen, immer vorausgesetzt, dass die Auslastung der Häuser gut ist, damit es sich betriebswirtschaftlich auszahlt. Wie bereits erwähnt, wird die Pflegebedürftigkeit bei jeder Person individuell nach einem Punktesystem (BESA) eingestuft: Je pflegebedürftiger eine Bewohnerin oder ein Bewohner ist, desto mehr Punkte werden verrechnet. Dies hat wiederum einen Einfluss auf die Pflegeintensität: Je intensiver jemand gepflegt werden muss, desto mehr Stellen braucht es. Auf der anderen Seite zahlen die Krankenversicherer bei höherer Pflegebedürftigkeit höhere Beiträge aus.

Eine wesentliche Änderung beim Haus «Unteres Gremm» betrifft die Gesamtleitung, welche bis anhin Gabriela Oezer inne hatte. Neu wird zwischen Pflegedienst- und Heimleitung unterschieden. Welche Gründe sprechen für die Aufteilung der Leitung in zwei Bereiche?
Das jetzige Alterszentrum mit 23 Zimmern wird als klassisches Pflegeheim geführt. Gabriela Oezer ist Heim- und Pflegedienstleitung in Personalunion. Das neue Haus hat sechzig Zimmer und ist damit mehr als doppelt so gross. Und wie erwähnt wird auch eine Demenzabteilung geführt. Zudem werden alle zentralen Dienste (Küche, Wäscherei, technischer Dienst) im neuen Haus untergebracht. Der Mehraufwand der Angebotserweiterung wäre durch eine Person gar nicht mehr zu bewältigen. Deshalb rechtfertigen sich zwei Vollzeitstellen für die Bereiche Heim- und Pflegedienstleitung.

Voraussichtlich Anfang Dezember ist das Haus «Unteres Gremm» bezugsbereit. Welche Vorkehrungen werden getroffen um einen für die Bewohnerinnen und Bewohner möglichst stressfreien Umzug zu garantieren?
Die Organisation für den Umzug hat schon im März begonnen. Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern aus den Heimen, dem Zivilschutz und dem Gemeindeführungsstab befassen sich intensiv damit. Geführt werden u.a. individuelle Gespräche mit den Bewohnerinnen, Bewohnern und deren Angehörigen, um ihre persönlichen Anliegen und Wünsche zu kennen. Ich bin überzeugt, dass – dank der Vorarbeiten dieser Arbeitsgruppe – der Umzug gut bewerkstelligt wird. Ein Dank gebührt jetzt schon dem Zivilschutz, der uns tatkräftig bei der «Züglete» unterstützt.

Appenzell AusserrhodenAppenzell Ausserrhoden / 29.06.2008 - 13:53:00