Medaillen für Appenzeller Physik-Olympioniken
Appenzell/Gais. An der 14. Schweizer Physik-Olympiade wurden Medaillen für zwei schlaue Köpfe aus dem Appenzellerland vergeben.
Philipp Wirth (18) aus Gais (AR), Vladimir Serbinenko (19) aus Villarimboud, Levy Jäger (17) aus Einsiedeln (SZ), Roland Diggelmann (19) aus Appenzell (AI) und Nathan Bernier (17) aus Villiers (NE) gewannen Gold und schafften damit die Qualifikation für die Internationale Physik- Olympiade in Vietnam. Yvonne Hari (19) aus Frutigen (BE) gewann als beste Jungphysikerin den Frauenförderpreis. Obwohl er noch ein Jahr vor der Matura steht, holte Timon Gehr (17) aus Rehetobel (AR) ein Diplom.
Wer ausrechnen konnte, wie ein zylinderförmiger Kondensator geladen sein muss, damit die Elektronen um seine Mitte kreisen, konnte an der Landesauscheidung der 14. Schweizer Physik-Olympiade in Aarau bereits vier Punkte gut machen. Aber auch handwerkliches Geschick war gefragt: eine Teller grosse Scheibe einer Roteiche, die noch nach Wald duftete, musste mit Hilfe von zwei Kugellagern auf einer Achse zum Rotieren gebracht werden. «Die Rotationsenergie wurde durch ein gespanntes Gummiband übertragen, erklärt Richard Heimgartner von der Neuen Kantonsschule Aarau, welche die Landesausscheidung beherbergte.» «Mit Hilfe von Messungen konnten wir das Trägheitsmoment berechnen – unter der Bedingung, dass wir die Scheibe gut montiert hatten,» beschreiben Roland Diggelmann und Vladimir Serbinenko, denen das Experimentieren sichtlich Spass machte.
Physik als Zusammenspiel von Natur, Mensch und Technik
Die Physik fasziniert mich schon seit meiner Kindheit, auch als ich noch nicht wusste, dass man sie «Physik» nennt, erklärt Levy Jäger aus dem Kanton Schwyz seine Motivation für die überdurchschnittliche Leistung. Es gefalle ihm, wie man mit physikalischen Werkzeugen Aspekte der Natur beschreiben könne und Ergebnisse in technischen Anwendungen weiterverwenden könne. Gleichzeitig beeindrucke ihn, dass die Physik auch auf geschichtliche Ereignisse, wie beispielsweise die Krise um das heliozentrische Weltbild Einfluss gehabt habe. Der Westschweizer Nathan Bernier freute sich auch über den kulturellen Austausch über die Sprachgrenzen hinweg, den das Zusammentreffen der JungphysikerInnen ermöglicht hat.
Strom in der Leitung und Spannung in der Luft
Dass sie die Spannung jederzeit im Griff haben, zeigte sich auch bei der Berechnung der Leistung eines Elektromotors. Die Finalteilnehmerinnen und -teilnehmer mussten den Wirkungsgrad berechnen und das antreibende Drehmoment herleiten. «Das Besondere an dieser Aufgabe bestand darin, dass sehr viele verschiedene Teilthemen ineinander griffen. So dreht sich zum Beispiel der Motor, was Kenntnis in der Rotationsbewegung voraussetzt. Das Ganze spielt sich in einem Magnetfeld ab (Magnetismus) und in der am Motor befestigten Schlaufe entsteht ein Wechselstrom,» erzählt Philipp Wirth. Nicht weniger Spannung lag dann bei der feierlichen Bekanntgabe der Resultate im Naturama Aarau in der Luft, wurden doch auf Grund der steigenden Teilnehmerzahlen erstmals nationale Medaillen vergeben. «Die Jugendlichen haben in diesem Jahr besonders gute Leistungen gezeigt,» stellt Alfredo Mastrocola, der Koordinator der Physik-Olympiade fest. Regierungsrat Rainer Huber war generell glücklich über die positiven Impulse, die von den Wissenschafts- Olympiaden ausgehen. «Ich gratuliere allen Medaillengewinnerinnen und -gewinnern und ganz besonders auch Dominik Wild aus dem Kanton Aargau. Ich bin überzeugt, dass sie sich dank ihrer geistigen Flexibilität und ihrem Engagement in Studium und Beruf besonders bewähren werden!» liess er ausrichten und wünschte ihnen alles Gute auf ihrem weiteren spannenden Weg in die Wissenschaft. Er dankte zudem den ehrenamtlichen Mitarbeitenden, welche die Durchführung der Olympiaden ermöglicht haben. Er freue sich, dass es mit dieser Medaillenvergabe zu einer Premiere gekommen sei, die zur Tradition werden könnte.
Die Schweizer Physik-Olympiade (SwissPhO) ist ein Wettbewerb für junge Mittelschülerinnen und Mittelschüler, die sich in der Physik über den Schulstoff hinaus interessieren. Nach einer regionalen Selektion und zusätzlichem Training, qualifizierten sich 22 Jugendliche aus der ganzen Schweiz für eine zweitägige nationale Prüfung, an der Wissen, Kombinationsfertigkeiten und praktisches Experimentieren gefragt waren. Die 5 Besten erhalten ein Ticket an die internationale Olympiade. An der Physik-Olympiade 2008 in Vietnam werden Jugendliche aus über 86 Ländern erwartet. Auf nationaler Ebene wurde 2008 erstmals Medaillen vergeben. Mit dem Sonderpreis für Jungphysikerinnen erhalten Frauen einen zusätzlichen Anreiz, sich der Physik zu stellen. Ein Anerkennungspreis geht jeweils an den Sechstplatzierten.
Die schweizerische Ausscheidung, das Training und die Begleitung ins Ausland werden von SwissPhO, dem Verein Schweizer Physik-Olympiaden, ehrenamtlich durchgeführt. Unterstützung erhalten sie durch den Bund, durch Mittel- und Hochschulen sowie durch mehrere Schweizer Stiftungen und Unternehmen. Parallel zu den SwissPhO-Vorbereitungen bieten Ostschweizer Gymnasiallehrer an 5 Samstagen einen von der Metrohm Stiftung Herisau (AR) finanzierten Vertiefungskurs an, in dem die Mittelschüler Grundlagen für die Lösung von Aufgaben auf Physik- Olympiadenniveau erlernen können. Die Schüler aus der Zentralschweiz bereiten sich an der Kantonsschule Kollegium Schwyz vor, die aus Bern trafen sich im Gymnasium Hofwil und die Westschweizer trainierten an der EPFL.
Weitere nationale und internationale Olympiaden finden in den Disziplinen Biologie, Chemie, Informatik, Mathematik und Physik statt. Im Rahmen des Verbands Schweizer Wissenschafts- Olympiaden gibt es Austausch und Zusammenarbeit unter den verschiedenen Disziplinen sowie alljährlich einen öffentlichen interdisziplinären Anlass.
Rangliste
1 Philipp Wirth Gymnasium St. Antonius AI Gold
2 Vladimir Serbinenko Collège St-Michel FR Gold
3 Levy Jäger Stiftschule Einsiedeln SZ Gold
4 Roland Diggelmann Gymnasium St. Antonius AI Gold
5 Nathan Bernier Lycée Denis-de-Rougemont NE Gold
6 Dominik Wild Kantonsschule Wettingen AG Silber
7 Michi Hostettler Gymnasium Bern-Kirchenfeld BE Silber
8 Jonathan Wittgen Kantonsschule Kreuzlingen TG Silber
9 Cyrill Frei Kantonsschule Kollegium Schwyz SZ Silber
10 Yvonne Hari Gymnasium Interlaken BE Silber
11 Mario Lehmann Kantonsschule am Burggraben SG Bronze
12 Giorgio Barozzi Liceo cantonale Lugano TI Bronze
13 Seraina Frei Kantonsschule Kollegium Schwyz SZ Bronze
14 Roman Ebneter Kantonsschule am Burggraben SG Bronze
15 Cornel Engeli Kantonsschule Kreuzlingen TG Bronze
16 Fabio Laghi Liceo cantonale di Lugano 2 TI Diplom
17 Thomas Richner Kantonsschule Kollegium Schwyz SZ Diplom
18 Timon Gehr Kantonsschule Trogen AR Diplom
19 Ivan Ovinnikov Kantonsschule Wettingen AG Diplom
20 Orianne Rollier CEC André-Chavanne GE Diplom
21 David Glenck Kantonsschule Kreuzlingen TG Diplom



























