• Aargau
  • Appenzell Ausserrhoden
  • Appenzell Innerrhoden
  • Basel-Landschaft
  • Basel-Stadt
  • Bern
  • Freiburg
  • Genf
  • Glarus
  • Graubünden
  • Jura
  • Luzern
  • Neuenburg
  • Nidwalden
  • Obwalden
  • Schaffhausen
  • Schwyz
  • Solothurn
  • St.Gallen
  • Stadt Winterthur
  • Stadt Zürich
  • Tessin
  • Thurgau
  • Uri
  • Waadt
  • Wallis
  • Zug
  • Zürich

Medaille für gute Kläranlagen

Arbon. ARA Morgental erhält als eine der 25 Kläranlagen in der Schweiz die Auszeichnung «Médaille d'eau» für effiziente und umweltfreundliche Energienutzung.

Der Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute und die Aktion EnergieSchweiz für Infrastrukturanlagen des Programms EnergieSchweiz prämieren energiebewusste Kläranlagen mit der Auszeichnung «Médaille d’eau». Anlässlich einer Tagung vom 19. November 2008 in Olten durften 25 Kläranlagen (inkl. ARA Morgental) das Diplom entgegen nehmen. Alle 25 Abwasserreinigungsanlagen (ARA) erfüllen anspruchsvolle Kriterien an die rationelle und umweltfreundliche Energienutzung. Basis für die Bewertung bildeten Massnahmen zur Energieoptimierung und die Energiezielwerte von EnergieSchweiz für Infrastrukturanlagen.

Kläranlagen: Stromverbraucher mit Sparpotenzial
Üblicherweise werden Kläranlagen nicht aufgrund ihres Energieverbrauchs beurteilt. In Fachkreisen gilt vielmehr die Qualität des gereinigten Abwassers als massgebende Grösse, während für die breite Bevölkerung die Gebühren und die Geruchsemissionen zählen. Dass beim Wettbewerb «Médaille d’eau» für einmal die Energie bewertet wurde, hat seinen Grund: Kläranlagen sind grosse Energieverbraucher. Ihr Anteil am gesamten Stromverbrauch für die öffentlichen Aufgaben einer Gemeinde beträgt einen Siebentel. Das ist mehr, als alle Schulen und Kindergärten zusammen verbrauchen. Schon seit rund 15 Jahren legt das Bundesamt für Energie bei den Kläranlagen daher einen Schwerpunkt im Bereich rationelle Energienutzung. Energieanalysen auf über 200 Anlagen zeigten auf, dass die meisten ARA in der Schweiz über ein erhebliches Einsparpotenzial verfügen. Aufgrund dieser Studien haben viele Betriebe in den letzten 15 Jahren umfangreiche Optimierungsmassnahmen durchgeführt. Die Aktion «Médaille d’eau» ermöglicht eine Erfolgskontrolle dieser Anstrengungen.

Senkung der Energiebezugskosten
Seit 1990 konnten die Kläranlagen in der Schweiz den Elektrizitätsbezug dank Energiemassnahmen um jährlich 80 Mio. kWh senken. Dies entspricht dem Stromverbrauch von 50’000 Einwohnern und bringt den Kläranlagen Einsparungen bei den Energiekosten von 12 Mio. Fr. im Jahr. Rund ein Drittel des Erfolgs beruht auf Massnahmen der rationellen Energienutzung – beispielsweise den Einsatz von effizienten Antrieben und intelligenten Steuerungen bei der Belüftung. Der grössere Anteil fällt aber auf die Steigerung der Stromproduktion. Kläranlagen sind nämlich nicht nur Stromverbraucher, sondern auch Stromproduzenten.

Aus dem organischen Material im Abwasser entsteht Klärgas, das mittels Blockheizkraftwerken zur Erzeugung von Strom und Wärme genutzt werden kann. In den Anfängen der Abwasserreinigung wurde dieses wertvolle Gas ungenutzt abgefackelt. Immer mehr Kläranlagen verfügen aber mittlerweile über ein Blockheizkraftwerk, mit dem sie einen grossen Teil des eigenen Elektrizitäts- und Wärmebedarfs selber decken. In den letzten 15 Jahren haben die Kläranlagen in der Schweiz die Stromproduktion aus Klärgas auf diese Weise mehr als verdoppelt. Alle ARA der Schweiz zusammen liefern heute soviel Strom, wie eine Kleinstadt verbraucht.

Klärgas liefert Ökostrom
Wie die Auswertung der Energieanalysen zeigt, bringen die meisten Effizienzmassnahmen einen finanziellen Gewinn. Aber auch die Stromproduktion eröffnet den Kläranlagen wirtschaftlich interessante Perspektiven. Der Grund liegt darin, dass die Kläranlagen für Ihren «ARA-Strom», den sie ins Stromnetz einspeisen, seit diesem Jahr eine kostendeckende Vergütung erhalten. Vereinzelte grosse ARA speisen das gewonnene Gas auch ins Erdgasnetz und machen es so als Treibstoff verfügbar. Wie diverse Studien zeigen, weisen Strom und Treibstoff aus Klärgas eine ausgezeichnete Ökobilanz auf. Die Energiegewinnung aus Klärschlamm leistet daher einen wichtigen Beitrag an den Klimaschutz.

Neuer Ratgeber für Betreiber von Kläranlagen
Als weiterer Höhepunkt wurde an der Tagung in Olten das neue Handbuch «Energie in ARA» vorgestellt. Dieses im Auftrag des VSA und des Bundesamtes für Energie erarbeitete Standardwerk für Betreiber von Kläranlagen aber auch für die zuständigen Behörden bietet einen umfassenden Überblick über die Möglichkeiten eines effizienten Energiemanagements auf Kläranlagen.

ThurgauThurgau / 17.11.2008 - 15:34:00