«Massaker ist nie auszuschliessen»
AR. In St.Gallen konnte kürzlich ein Amoklauf verhindert werden. Wie hoch ist die Gefahr im Appenzellerland? Im Gespräch mit einem Fachmann.
Columbine (USA), Tuusula (FIN) und Erfurt (D). Was einmal ein Phänomen aus dem Ausland war, rückt immer näher. Erst kürzlich wurde bekannt, dass vor einiger Zeit ein Amoklauf an einer Schule im Kanton St.Gallen verhindert werden konnte. Schüler, Eltern, Lehrer und Behörden stockt es beim Gedanken daran den Atem. Kann so etwas auch im Appenzellerland geschehen?
Eher weniger, aber…
Um es vorweg zu nehmen: Die Wahrscheinlichkeit eines Amoklaufes an einer Schule im Appenzellerland ist sehr gering – aber sie ist da. «Solch eine Tat kann nie ausgeschlossen werden», erklärt Rolf Franke, Fachpsychologe für Kinder- und Jugendpsychologie und Leiter des Zentrums für Schulpsychologie und Therapeutische Dienste im Kanton Appenzell Ausserrhoden. Aber: Massaker und Amokläufe an Schulen sind sehr seltene Ereignisse. «Im Verhältnis zur weltweit sehr hohen Anzahl von Schulen kommt es sehr selten vor. Warum sollte daher ausgerechnet im Appenzellerland das Risiko höher sein?», so Franke.
Die Schulen werden nicht gezielt auf einen Amoklauf oder ein Massaker vorbereitet. Weiterbildungskurse, Informationsveranstaltungen und schulinterne Weiterbildungen gehören jedoch zum Alltag. «Beobachten und hinschauen ist eine tägliche Aufgabe, die Schüler, Eltern, Behörden und Lehrpersonen übernehmen. Franke zu den Massnahmen: «Merkmale wie psychische Auffälligkeiten, ungewohntes Verhalten, depressive Entwicklung oder erhöhte Gewaltbereitschaft werden im Schulhausteam und mit Fachpersonen besprochen und analysiert.»
Drohungen sind normal
Franke kann sich an keinen Vorfall erinnern, der je mit einem Amoklauf (geplant oder durchgeführt) zu tun hatte. «In meiner ganzen Karriere ist mir – zum Glück – nie solch ein Vorfall widerfahren, der in der Planung oder gar in der Ausführung eines Amoklaufs oder eines Massakers endete.»
Dass die Emotionen des Öfteren einmal hochgehen, das sei normal. «Meistens sind es unbestimmte Drohungen. Doch erfahrungsgemäss sind es weniger die Jugendlichen, sondern deren Eltern, die Drohworte gegen Lehrpersonen aussprechen», betont der Experte.
Was wäre wenn?
Hie und da werden im Schulpsychologenteam Szenarien besprochen und durchgegangen. Nach Vorfällen wie Unfällen, der Entführung von Ylenia oder Massakern werde das Geschehene gemeinsam analysiert und. Schlussfolgerungen für die eigene Arbeit gezogen.
Sollte aber trotzdem einmal das Unfassbare eintreten, dann ist man auf professionelle Zusammenarbeit zwischen Behörden, Psychologen, Polizei und Sanitäten angewiesen. «Alleine könnten wir solch ein Ereignis selbstverständlich nicht bewältigen. Unsere Aufgabe wäre in diesem Szenario insbesondere die Betreuung von betroffenen Lehrpersonen, Kindern und Jugendlichen», so Franke mit Nachdruck.



























