Mal wieder die liebe Kommunikation
Speicher. Die angekündigte Schliessung eines Altersheims in Speicher wirft hohe Wellen.
Es ist, keine Frage, ein schwieriges Thema, bei dem verschiedene Bedürfnisse aufeinander prallen. Ein Altersheim ist kein Profitcenter, das möglichst stark rentieren muss, sondern soll Gewähr bieten, dass alte Menschen in ihrem angestammten Umfeld bleiben können. Gleichzeitig hat auch eine Gemeinde nur beschränkte Mittel und muss diese zu Gunsten aller Bevölkerungsgruppen einsetzen. Und die rasante Entwicklung gerade im Bereich Wohnen und Pflege im Alter sorgt dafür, dass Einrichtungen, die vor einigen Jahrzehnten Standard waren, heute nicht mehr ausreichend sind.
Betriebswirtschaftlich klarer Fall
Vor diesem Hintergrund können sinkende Eintrittszahlen, wie sie das Heim Schönenbühl aufweist, nicht einfach ignoriert werden – nach einigen Jahren steigender Defizite hätte der Gemeinderat dafür wohl genauso Kritik zu hören bekommen wie nun für den Schliessungsentscheid. Lösungsansätze gibt es verschiedene. Es wäre beispielsweise möglich gewesen, in das Heim zu investieren, es so auszubauen, dass es dem heute geltenden Standard entspricht.
Diese Option wurde sicherlich geprüft, doch offensichtlich kam man zum Schluss, dass eine solche – teure – Lösung keine Trendwende gebracht hätte. Dazu kommt, dass schon heute Überkapazitäten auch im Altersheim Boden bestehen, das nun besser ausgelastet wird; man muss kein gewissenloser Betriebswirtschafter sein, um dieses Potenzial zu erkennen.
Aber diesen objektiven Argumenten steht das subjektive Empfinden gegenüber. Die ideale Variante gibt es also schlichtwegs nicht, und damit ist bei jedem Entscheid von der einen oder anderen Seite mit Einspruch zu rechnen. Diskutabel ist allerdings die Art und Weise der Kommunikation. Gelegentlich informieren Gemeindebehörden offensiv an öffentlichen Versammlungen über relativ unbestrittene Fragen, doch hier beschloss der Gemeinderat, es mit einer Medienmitteilung bewenden zu lassen, die an einem Freitag verschickt wurde, versehen mit einer Sperrfrist bis Samstag. Pünktlich an diesem Tag haben alle relevanten Medien im Appenzellerland das Ganze publiziert, worauf einigen Betroffenen vermutlich der Löffel im Frühstückskaffee stecken geblieben ist.
Besser direkte Reaktion
Zwar war die Medienmitteilung umfangreich, doch bei diesem Verfahren ist es nicht möglich, aufkommende Fragen und Zweifel umgehend und direkt zu beantworten. Das rächt sich nun. Denn einige der in Leserbriefen aufgeworfenen Vorwürfe könnten vermutlich von den Zuständigen ausgeräumt werden – doch das ist in einem Dialog via Medien eher schwierig.
Auch etwas problematisch ist, dass das Altersheim Schönenbühl auf der Webseite der Gemeinde Speicher als «neuzeitlich angepasst» bezeichnet wird; das suggeriert dem Leser, dass aus dem Gebäude mit vertretbaren Investitionen etwas gemacht hätte werden können, das im Wettbewerb der Heime hätte bestehen können. Dem ist vermutlich nicht so, aber in diesem Fall wirkt sich der Werbeslogan eher negativ aus.
Die Lehre der Geschichte: Entscheide, so wohlbegründet sie sind, müssen geschickt kommuniziert werden. Völlig ohne Widerworte wird es auch dann nicht ablaufen. Aber je stärker der Gegenwind bläst, umso wichtiger ist es, diesen aus den Segeln zu nehmen…



























