Lokremise: Fragen sind erlaubt
Kommentar. 40'000 Franken spendiert Herisau einer St.Galler Kultur-Institution. Geldverschleuderung oder willkommener Akt der Solidarität?
Für den Gemeinderat ist klar: Herisauerinnen und Herisauer gehen unter anderem nach St.Gallen, wenn sie Kultur erleben wollen. Entsprechend sollte sich Herisau solidarisch zeigen. 40’000 Franken wurden daher der Lokremise zugesprochen, dem ambitionierten Bauprojekt, das die St.Galler Bevölkerung vor kurzem an der Urne absegnete (siehe Artikel).
Der Aufschrei der Herisauer SVP (siehe Artikel) war zu erwarten, und die Ortspartei enttäuschte die Öffentlichkeit nicht. Hier würden Steuergelder verschenkt, sagt die SVP, indem der Gemeinderat ohne Not 40’000 Franken über die Kantonsgrenzen spendiere.
Wer hat Recht? Selbstredend beide. Es ist unmöglich – und auch nicht sinnvoll -, in jeder Gemeinde jede Kultursparte selbst mit einem eigenen Angebot abzudecken. Entsprechend ist es nur logisch, dass die Kantonsgrenzen die Kulturfreunde nicht vom Besuch einer Veranstaltung abhalten, und dem kann man durchaus Rechnung tragen. Im Fall des Theater St.Gallen beispielsweise ist die Frage, welche Gemeinden mit wie viel Geld den Betrieb mitfinanzieren sollen, ein Dauerbrenner, doch dass es nicht allein die Aufgabe der Stadt ist, darüber herrscht weitgehend Übereinstimmung. Kulturangebote in anderen Gemeinden zu unterstützen ist in diesem Sinn heute eine Selbstverständlichkeit. Und dass es im Fall der Region St.Gallen auch über Kantonsgrenzen hinaus geht, ist ebenfalls nachvollziehbar, denn einzelne Ausserrhoder Gemeinden sind nun einmal zur Agglomeration St.Gallen zu zählen.
Aber: Nicht völlig von der Hand zu weisen ist die Kritik der SVP, dass mit dem Geld auch kulturelle Angebote vor der eigenen Haustür hätten unterstützt werden können, die mit einem Bruchteil von 40’000 Franken bereits ein ganzes Vereinsjahr bestreiten würden. Die Lokremise ist – auch wenn ihre geistigen Väter das gerne abstreiten – ein recht luxuriöses Projekt. Das St.Galler Stimmvolk hat sich für den Kauf und Umbau der Lokremise für mehr als 20 Millionen Franken entschieden. Die Herisauer hatten bei diesem Entscheid keine Mitsprache. Die 40’000 Franken, die nun fliessen, sind im Gesamtprojekt ein Tropfen auf den heissen Stein. Das weiss auch die Gemeinde, deshalb spricht sie von «Solidarität». Die Summe ist also eher ein Zeichen, ein Symbol. Und nun darf man sich durchaus fragen, ob Herisauer Kulturveranstalter mit diesem Geld nicht mehr hätten «anstellen» können als reine Symbolik. Zum Beispiel echte, lebendige Kultur im Dorf selbst.



























