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Littering-Kampagne: Sinn oder Unsinn?

Herisau. Seit einem Jahr versucht die Gemeinde, ihr Abfallproblem mit einer Littering-Kampagne in den Griff zu bekommen. Doch was nützen die Aufkleber an den Mülleimern wirklich?

Herisau hat ein Müllproblem – achtlos weggeworfener Müll stapelt sich insbesondere dort, wo Menschengruppen zusammenkommen, beispielsweise zum Mittagessen. Mit einer «Littering»-Kampagne versucht Herisau seit letztem Mai, dem Problem Herr zu werden. Auf rund 400 Abfallkübeln und Robidogs kleben witzige Sprüche, die den Passanten auf seine Entsorgungspflicht aufmerksam machen möchten.

Ein Jahr danach
Doch wie erfolgreich war das Projekt wirklich? Hat sich die Müllmenge auf der Strasse merklich verringert? Und wie wurde die – manchmal auch etwas bemüht lustig erscheinende – Kampagne überhaupt empfunden? Denn obwohl die Abfalleimer laut Aufdruck Antwort und Anregungen an die Gemeinde-Emailadresse litterling@herisau.ar.ch wünschen, ist diese wohl nicht immer zur Kenntnis genommen worden: «Auf den Abfalleimern kann man lesen, dass man unsere Meinung hören/lesen will. Doch ich habe schon vor ein paar Monaten geschrieben, aber gar keine Antwort erhalten», meint etwa ein Einwohner Herisaus und fühlt sich von der Gemeinde schlecht informiert – so werde Herisau dreckig bleiben, meint er.

Keine Projektauswertung
Was meinen die Verantwortlichen dazu? «Vereinzelt haben wir Rückmeldungen zum Projekt bekommen, dabei waren sowohl kritische Stimmen als auch Lob», sagt Hansjörg Blaser, Leiter der Umweltfachstelle in Herisau. Die Rückmeldungen habe man dann schon angeschaut, es habe aber keine konkrete Projektauswertung im Sinne einer Erfolgskontrolle stattgefunden.

Erfolg wäre schwierig auszuweisen
Obwohl also keine Auswertung stattgefunden hat, meint Blaser: «Ein Erfolg war das Projekt sicher». Er sieht diesen besonders darin, dass man die sonst immer gleich aussehenden Abfallkübel optisch wieder wahrgenommen habe. Ob dadurch aber nachweislich mehr Müll im Abfalleimer statt auf den Strassen entsorgt wurde, wagt auch der Fachmann zu bezweifeln. Ohnehin wäre das auch schwierig nachzuweisen, da in Herisau die Kehrichtmengen, die von den Eimern und die von der Strasse gesammelt werden, nicht separat erfasst werden.

Gruppendynamik und Anonymität
Doch nicht nur die Einwohner selbst, auch die Verantwortlichen sehen das Projekt realistisch: «Es gibt noch einiges zu tun», weiss Blaser. So einfach sei das aber nicht. Blaser sieht das Problem besonders in drei Bereichen. Der erste sei die Gruppendynamik – also beispielsweise wenn grössere Menschenmengen zusammentreffen, da dann auch automatisch viel mehr Müll anfalle. Das zweite Problem habe man mit sogenannten «Mikroverunreinigungen», also weggeworfenen Zigarettenkippen oder Kaugummis, die von den Umweltsündern meist nicht als Verschmutzung empfunden werde. Der dritte grosse Punkt sei schliesslich das Problem der Anonymität – wer also einen Müllsünder beobachte, solle diesen darauf ansprechen.

Das Problem Littering besteht in Herisau also auch durchaus noch ein Jahr nach Einführung der Abfallkampagne – über deren Sinn und Unsinn man sich somit streiten kann. Es scheint, als sei die Vermüllung sehr schwierig in den Griff zu bekommen – neue Wege zur Bekämpfung scheinen nicht in Sicht: «Konkret sind keine weiteren Massnahmen gegen die Verschmutzung geplant», meint Blaser und klingt dabei auch selbst leicht resignierend.


«Hey, Sie haben da etwas verloren»

Herr Blaser, Sie haben bereits seit längerem mit dem Müll-Problem zu kämpfen. Wer sind denn nach Ihrer Erfahrung die grössen «Grüsel»?
Das kann man zwar nicht generell sagen, aber am Schlimmsten ist die Vermüllung meistens, wenn eine grössere Gruppe Menschen zusammenkommt. Also wenn sich eine grössere Gruppe beispielsweise zum Mittagessen trifft und sich alle im Freien verpflegen. Das passiert meistens bei Jugendlichen – gerade im Bereich des kleinen Parks rund um die Kirche sieht man diese Problematik sehr deutlich. Extrem sind die Verhältnisse oft auch im Umfeld grösserer Veranstaltungen. Aber genauso lästig sind die «Alltags-Grüsel», die immer wieder Kleinigkeiten wie Kaugummis oder Zigarettenstummel auf den Boden fallen lassen oder gar in der Gegen rumspucken.

Herisau hat es mit freundlichen Hinweisen auf den Abfalleimern versucht – was könnte man denn für extremere Massnahmen ergreifen?
Andere Ortschaften probieren es beispielsweise mit Bussen. Diese Strafgelder bewegen sich dann jeweils in der Höhe unter der 100 Franken Grenze. Das ist aber ein Lösungsansatz, der bei uns wohl kaum funktionieren würde – zumal wir gar keine Dorfpolizei haben, die patrouilliert und Bussen aussprechen könnte.

Aber würden Bussen Ihres Erachtens nach denn etwas nützen?
Das ist sehr schwierig zum abschätzen. Ich persönlich bin diesbezüglich eher skeptisch eingestellt. Die Stadt Bern kennt diese Möglichkeit seit etwa zwei Jahren, gebüsst wird jedoch nur selten und die Bevölkerung klagt offenbar immer noch über das Littering.

Das Problem bei solchen Bussen ist, dass man den Schmutzfink ja auf frischer Tat ertappen muss. Sonst ist es praktisch unmöglich nachzuweisen: Dieser Zigarettenstummel stammt von Person XY. Darum denke ich, dass Bussen nicht der richtige Weg sind.

Was wäre denn besser?
Ich denke, dass wir mit der Littering-Kampagne eigentlich gar nicht auf einem so schlechten Weg sind. Der richtige Ansatzpunkt wäre meiner Meinung nach, dass sich im Denken der Gesellschaft etwas ändert in Richtung Mitverantwortung für den öffentlichen Raum. Es wäre zum Beispiel ein extremer Fortschritt, dass wenn jemand auf der Strasse Abfall fallen lässt, ein anderer Passant den Umweltsünder etwa mit ‹Hey, Sie haben da etwas verloren? darauf anspricht. So etwas würde viel mehr nützen und über längere Zeit auch zu einem Umdenken und einem veränderten Verhalten führen.

Interview: Sara Burkhard

Appenzell AusserrhodenAppenzell Ausserrhoden / 02.05.2007 - 14:01:00