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Leben wie im Mittelalter

So, heute muss ich auf die Jagd und versuchen, mir etwas Leckeres fürs Abendessen zu schiessen. Pfeil und Bogen liegen schon bereit, und mein Knappe sattelt gerade mein Pferd.

Vorher schaue ich aber auf einen kleinen Umtrunk in der Burg-Bar vorbei. Und danach muss ich noch mit dem Kerkermeister besprechen, was die Gefangenen diese Woche zu essen bekommen sollen. Ganz zu schweigen von der Zeremonie des Königs, die wir vorbereiten müssen, er wurde ja heute vor genau fünf Jahren gekrönt. Und der Hofnarr hätte gerne eine Unterredung, er will mir sein neues Programm probehalber vortragen.

Soweit mein kleiner Ausflug ins Mittelalter. In dieses fühle ich mich derzeit nämlich ein wenig versetzt. Da berichten wir auf appenzell24.ch und in der vorliegenden Ausgabe dieser Zeitung über das erste homosexuelle Paar, das sich in Innerrhoden registrieren – also sozusagen trauen – lässt. Und schon flattert der erste Hassbrief ins Haus. Wie wir es wagen können, über so etwas zu berichten, warum sich diese Kranken nicht beim Psychotherapeuten behandeln lassen und so weiter. Und überhaupt, die Religionen verurteilen Schwule und Lesbische, sie gehören nicht in die Zeitung und so weiter und so fort. Tja, und eben: So in etwa stelle ich es mir im Mittelalter vor. Wobei ich damit den Leuten von damals vielleicht sogar Unrecht tue.

Nun haben wir seither einige hundert Jahre hinter uns gebracht und – hoffentlich – dazu gelernt. Ich habe den grössten Respekt vor dem Willen der Stimmbürgerschaft und habe deshalb auch keine Probleme damit, dass die Innerrhoder Nein gesagt haben, als es um die Frage der Registration homosexueller Paare ging. Das ist ihr gutes Recht. Aber am gleichen Sonntag hat eine Mehrheit der Schweizer zu diesem Gesetz Ja gesagt, Punkt, basta, aus. Was einer persönlich findet, ist die eine Sache, aber das Volk hat gesprochen.

Übrigens gibt es verschiedene Studien, die belegen, dass Leute, die lauthals über Homosexuelle fluchen und lästern, das nicht selten tun, weil sie selbst eine entsprechende Neigung haben und diese gewaltsam zu unterdrücken versuchen. Ihr Hass ist also quasi ein Ventil für eine Seite ihrer selbst, mit der sie nicht fertig werden. Wer genau braucht da einen Therapeuten?

Herzliche Grüsse
Heri Sauer

Appenzell InnerrhodenAppenzell Innerrhoden / 09.01.2007 - 16:31:00