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KV kämpft für faire Lehrstellenvergabe

St.Gallen. Mit Besorgnis verfolgt der Kaufmännische Verband Ost die Entwicklung bei den Lehrstellenvergaben.

Laut dem KV, der sich als regionale Angestelltenorganisation des Büro- und Verkaufspersonals für Fairness im Berufsleben einsetzt, werden im Lehrstellenanzeiger bereits jetzt Lehrstellen für Sommer 2010 ausgeschrieben. Beginnt die Lehrlingsselektion bald schon in der Primarschule?

Jetzt geht sie wieder los – die Jagd nach den vermeintlich besten Lernenden für den eigenen Betrieb. Gesucht wird jetzt aber vielfach nicht für Lehrstart in diesem Sommer, sondern für Sommer 2010! «Eine besorgniserregende Entwicklung, die weder den Jugendlichen noch den Lehrbetrieben Rechnung trägt», meint der Präsident des KV Ost, Stefan Keller. Er selbst ist verantwortlich für die Ausbildung von über 40 Lernenden.

Keine normale Anstellung
Tatsache ist: Den Lehrstellensuchenden von heute bläst einerseits ein steifer Wind entgegen, Lehrstellen sind in einigen Berufen Mangelware. Auf der anderen Seite sind bei den Jugendlichen genau diese Berufe favorisiert. Junge, die ins Berufsleben einsteigen möchten, werden daher seitens Eltern oder Lehrkräften früh angehalten, sich um einen Ausbildungsplatz zu bemühen. Obwohl sich diese noch gar nicht klar sind über Ihre Berufswünsche, klammern sie sich im Suchstress an den ersten Strohhalm, der ihnen gereicht wird. Vielfach von Betrieben, welche ihre Lehrstellen bereits 15 Monate vor Lehrbeginn ausschreiben und besetzen. Nicht immer sind solche Lehrverhältnisse von Dauer. Das weiss der Kaufmännische Verband aus Erfahrung. Schulisch bemühen sich die Jungen dann im letzten Schuljahr nicht mehr, die Lehrstelle ist ja im Sack. Das frustriert Eltern wie auch Lehrkräfte, ein Eindruck bleibt: Faule Junge. Probleme während der Lehrzeit sind vorprogrammiert – und schaden dem Berufsnachwuchs. So wird die Weiche oft für einen Weg gestellt, der sich im Nachhinein als Sackgasse für die Lernende oder den Lernenden erweist.

Mehr Gelassenheit bitte!
Betriebe, die ein Jahr oder mehr im Voraus rekrutieren, handeln für den KV Ost unverständlich und unfair. «Es geht um Anstellungen im Lehrverhältnis, die befristet abgeschlossen werden; nicht um eine Anstellungsdauer von Jahrzehnten» stellt Stefan Keller klar. Dem «Gentlemen’s Agreement», die Lehrstellen jeweils nicht vor dem 1. November zu vergeben, könne so nicht Rechnung getragen werden. Dies führe zu einem irrwitzigen Wettbewerb um die besten Schulabgängerinnen und Schulabgänger. Beginnt die Selektion der Lernenden bald schon in der Primarschule? Weniger Hektik bedeute nicht nur mehr Fairness, sondern auch eine bessere Selektion der Lernenden und weniger Lehrabbrüche.

Fairplay – Zeit geben
Betriebe, die ihre Lehrstellenbesetzung so früh durchführen, klagen später vielfach über fehlende Sozialkompetenz ihrer Schützlinge. Kein Wunder: Die jungen Menschen befinden sich in der Pubertät, ihre Entwicklung in der Zeit der Lehrstellensuche kann unterschiedlicher nicht sein. Dementsprechend können sich Fähigkeiten, Interessen, Neigungen-/Abneigungen anders entwickeln, als „erwartet“ wird. Das Gleiche gilt für deren Berufswünsche. Mit einem falsch begonnenen Lehrverhältnis lassen sich diese nicht erfüllen. Die Jungen brauchen Zeit für ihren Berufswahlprozess. So kann sich ihre Entscheidung auf den persönlichen Entwicklungsstand abstützen. Grund genug für den KV Ost, seine Botschaft noch zu erweitern: Fairplay – vergebt die Lehrstellen erst anfangs Jahr!

St.GallenSt.Gallen / 08.07.2009 - 09:14:02