Künstlerlebkuchen zum Advent
Appenzell. In der Adventszeit zeigt das Museum Appenzell die Ausstellung «Chläusele, Chlause, Chlausezüüg - Weihnachtszeit in Innerrhoden».
In Appenzell Innerrhoden beginnt die Weihnachtszeit an Allerheiligen mit der Auslage der bunten Chlausebickli in den Schaufenstern der Konditoreien. Zarter Zimtduft durchzieht das Museum: Eine Riesenauslage von Chlausebickli und Devisli dominiert die Ausstellung jetzt.
Advent und Räuchle
Das wird sich ändern: Im Dezember werden Adventskalender und – kränze, Mistel – und Barbarazweige, Grittibenz und St. Nikolaus dazukommen. «Die Bickli müssen Schritt für Schritt weichen, » sagt Kurator Roland Inauen.
Später wird es nach Weihrauch duften, weil «Räuchle» – der Gang mit der Weihrauchpfanne um Haus und Stall – das Hauptthema sein wird. Weihrauch-Degustationen sind geplant. Zu Themen wie Chlausebickli und Räuchle sind Filme auf vier Bildschirmen zu sehen.
Urform des Chlausezüüg
Der Chlausezüüg, der Innerrhoder «Christbaum» aus Holz, geschmückt mit Bickli und Devisli, wird in seiner Urform mit Filebrood als Träger für die Bickli zu bewundern sein. Die bemalten Lebkuchen wurden früher mit Holzspiesschen an den pyramidenförmigen Brot-Züüg gepiekst und natürlich gegessen.
Heute sind die Chlausezüüg gestylt und die kunstvoll bemalten Bickli Dekoration. Ihre Vorläufer waren die Künstlerlebkuchen der Münchner Lebzelterei. Deren aufwendige Produktion wurde aber noch vor dem Ersten Weltkrieg eingestellt.
Künstler-Bickli
In den Chlausebickli leben die Künstlerlebkuchen weiter: Mit einer Schablone wird Zuckerguss auf den Lebkuchen aufgetragen. Darauf wird im Siebdruckverfahren die Zeichnung appliziert. Diese wird bemalt und das Bild mit einer hellgrünen oder weissen gewellten Zuckerstrasse unterstrichen.
Künstler wie Carl August Liner (1871-1946) und Hans Caspar Ulrich (1880-1950) kreierten Entwürfe, die noch auf heutigen Bickli zu finden sind. Bauernmaler wie Johann Baptist Zeller (1877-1959) und Josef Anton Moser (1859-1920) bemalten jahrelang Chlausebickli; mit enormem Zeitaufwand schufen sie Kunstwerke zu einem bescheidenen Taglohn.
Auf den Bickli werden Geschichten erzählt, nicht nur weihnachtliche: Eine Katze steht mit Buckel und gesträubtem Fell auf einem Brunnen, der Bläss kläfft, der Bauer schimpft. Ein Ziegenbock greift ein Mädchen an, das sich mit einem Schirm schützt. «Bickli» bedeutet etwas, das in die Augen sticht, etwas Wertvolles.
Gespritzt, geprägt und modelliert
Die ersten Devisli wurden in Appenzell um 1860 nach dem Vorbild der süddeutschen Anisbrötchen «Springerle» hergestellt. Später schufen Konditoren kleine Kunstwerke aus Zuckerguss. Exklusive Devisli stellte der Bauernmaler Albert Manser her. Er war gelernter Konditor.
Mit antiken geschnitzten Modeln werden Devisli auch geprägt. Jünger ist die Technik des Modellierens von Figürchen, die auf Zuckerteigböden platziert werden. «Devisli» kommt von den Sinnsprüchen (Devisen), die früher die Zuckerbilder zierten.
Chläusele, Chlause und Chlausezüüg haben nichts mit Kläusen zu tun: Der Einkauf von Weihnachtsgeschenken heisst in Innerrhoden «chläusele». Ein Weihnachtsgeschenk ist ein «Chlause» und das «Chlausezüüg» der spezielle Christbaum.
Schenken nimmt viel Raum in der Ausstellung ein, in Form von Schaufenster-Fotos und Inseraten aus über 100 Jahren bis zum realen Spielzeug-Schaufenster von heute. Als Kontrast zum schlichten Vorgänger des Christbaums, des «Winkels» über der Krippe, ist eine Diaschau zeitgenössischer Weihnachtsbeleuchtung zu sehen – bis hin zu kletternden Kläusen und den unverzichtbaren Elchen.
«Chläusele, Chlause, Chlausezüüg» findet bis 20. Januar im Museum Appenzell statt.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 14 bis 17 Uhr. 2., 9., 16. und 23. Dezember 10 bis 17 Uhr, 24. und 31. Dezember 14 bis 16 Uhr. 25. Dezember und 1. Januar geschlossen.
www.museum.ai.ch



























