Kulturpreis für einen ungewöhnlichen Verein

Der mit 20'000 Franken dotierte Kulturpreis des Kantons Thurgau wurde am Mittwochabend, 19. November, an den Verein «forum andere musik» verliehen.

Damit wurde ein innovativer und nicht alltäglicher Veranstalter von zeitgenössischer Kultur ausgezeichnet.

Der Name «forum andere musik» und dabei insbesondere das Wort «andere» war Programm für den Festakt der Preisverleihung im Eisenwerk Frauenfeld. Der Regisseur Peter Schweiger, ehemaliger Schauspieldirektor am Stadttheater St.Gallen, liess es sich nicht nehmen, seine Laudatio mit einer szenischen Lesung zusammen mit dem «Kleinen Blasorchester» anzureichern. Eine Laudatio sei eine schwierige Sache, meinte Peter Schweiger, denn sie soll die Preisgekrönten nochmals ehren, den Auszeichnern Anerkennung zollen und die Anwesenden unterhalten. Dennoch tat er dies in meisterlicher Art in genau dieser Reihenfolge. Dabei war der mittlere Teil, die Unterhaltung des Festgremiums, der eigentliche Höhepunkt des Abends. Peter Schweiger trat in einen Dialog, teils in eine Auseinandersetzung mit dem «Kleinen Blasorchester», das die «zehn Märsche, um den Sieg zu verfehlen» von Mauricio Kagel spielte. Der kürzlich verstorbene Avantgarde-Komponist gehöre kaum wie ein anderer zu den Ahnen der Gedankenwelt des «forums andere musik», sagte Peter Schweiger.

Bei der Preisübergabe gab Claudia Rüegg als Vertreterin des «forums andere musik» Antworten auf drei den Preisträgern immer wieder gestellte Fragen. Ob sie den Preis erwartet hätten? Nein, das hätten sie nicht. Was sie mit dem Preis machen werden? Das wüssten sie noch nicht, weil sie den Preis eben nicht erwartet hätten. Ob sie sich über den Preis gefreut hätten? Ja, das hätten sie. Der Preis sei für den Verein auch eine Verpflichtung, sagte Rüegg weiter, und diese Verpflichtung berge auch die Gefahr, dass sie die bisherige Unbeschwertheit und Verspieltheit verlieren könnten, was sie selbstverständlich nicht hoffe.

Für Regierungsrätin Monika Knill ist es bezeichnend, dass der diesjährige Thurgauer Kulturpreis an einen Verein geht. Sie wies in ihrer Ansprache darauf hin, dass es im Thurgau ohne die Vereine praktisch kein Kulturleben gäbe. Das von den Vereinen getragene kulturelle Leben sei ein wichtiger Faktor für die Attraktivität einer Gemeinde oder eines Kantons. Sie wünschte sich deshalb, dass sich im Thurgau auch die Gemeinden finanziell etwas mehr für die Kultur engagieren würden.


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Thurgau / 20.11.2008 - 09:46:00
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