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Krüger ist demontiert – Dürrenmatt ist da

St. Gallen. Mehr als 100 Jahre lang hat die Krügerstrasse in St. Gallen an den Buren-Führer Paul Krüger (1825-1904) erinnert. Jetzt hat die Stadt die Quartierstrasse in Dürrenmattstrasse umbenannt.

Ein langwieriger Streit geht damit zu Ende.
 
Krüger, ein Wegbereiter der Apartheid in Südafrika, ist verschwunden, Dürrenmatt ist da: Die neuen Strassentafeln sind seit kurzem montiert. Am Sonntag lädt der Quartierverein Lachen zur Einweihung der Dürrenmattstrasse ein, die Stadt spendiert einen Apéro.
 
Die Matinee findet im «Krügerpärkli» statt – denn so nennen die Quartierbewohner ihren Treffpunkt weiterhin. Schauspieldirektor Tim Kramer wird also im «Krügerpärkli» einen Essay des Dramatikers Friedrich Dürrenmatt (1921-1990) zum Thema Apartheid vortragen.
 
Seit Jahren gefordert

Die Umbenennung der Krügerstrasse wurde seit Jahren von Apartheid-Gegnern gefordert. Anwohner der Quartierstrasse waren dagegen. Ihr Argument, man habe sich an die Krügerstrasse gewöhnt, eine Änderung sei umständlich und teuer, stiess bei den Behörden auf taube Ohren.
 
Auch der Quartierverein hätte den alten Strassennamen lieber beibehalten. Nun sei die Umbenennung aber entschieden, «und wir akzeptieren sie», sagte Quartiervereins-Präsident Pius Jud.
 
Botschafter ist verhindert
Der Stadtrat lädt Befürworter und Gegner der Krügerstrasse am kommenden Montag ein. Am Empfang im Rathaus wollte auch Südafrikas Botschafter Georg Johannes teilnehmen. Er musste sich aber wegen einer kurzfristigen Einladung von Bundespräsident Hans-Rudolf Merz entschuldigen, wie es bei der Stadt auf
Anfrage hiess.
 
Eine der ausgedienten «Krügerstrasse»-Tafeln soll am Montag dem Stellvertreter des Botschafters überreicht werden. Die Vertreter Südafrikas begrüssten die Umbenennung der Krügerstrasse, erklärte der städtische Mediensprecher Urs Weishaupt gegenüber der Nachrichtenagentur SDA.
 
Mit dem Namenwechsel geht in St. Gallen ein langes Tauziehen zu Ende. Schon in den 1980er Jahren forderten Anti-Rassismus-Kreise eine Umbenennung der Krügerstrasse in «Mandelastrasse». Die Forderung verhallte unerfüllt.
 
Auch Furgler erhält Strasse
Erst nach dem Tod von alt Bundesrat Kurt Furgler im vergangenen Sommer kam Bewegung in die Sache: Zum Andenken an den grossen St. Galler Politiker wurde eine Furglerstrasse angeregt. Der Stadtrat beschloss, die Strasse zum neuen Bundesverwaltungsgericht nach Furgler zu benennen.
 
Weil dafür aber bereits der Name Dürrenmattstrasse geplant war, suchten die Behörden für den Schweizer Dramatiker eine andere Strasse. Dies führte zur Idee, die Krügerstrasse umzubenennen. Bis zur Umsetzung bedurfte es allerdings noch eines Vorstosses im Stadtparlament.
 
Mit der Bezeichnung von Strassen und Plätzen tut sich die Stadt St. Gallen nicht zum ersten Mal schwer. So wurde 1996 erst nach zähem Ringen der «Grüningerplatz» beim Klosterbezirk zu Ehren des Flüchtlingsretters Paul Grüninger (1891-1972) benannt. Der Verein «Gerechtigkeit für Paul Grüninger» hatte sich jahrelang dafür stark gemacht.

St.GallenSt.Gallen / 04.06.2009 - 14:53:48