«Komplexe Kleckse»
Herisau. Komplexe Kleckse. Der Rorschach-Test zwischen Wissenschaft und Magie: Museum Herisau zeigt Ausstellung über Hermann Rorschach
«Tolggen» schreiben Psychiatriegeschichte
Im Appenzellerland wurde ein wichtiges Kapitel internationaler Psychiatriegeschichte geschrieben. Der Schweizer Psychiater Hermann Rorschach (1884-1922) entwickelte in Herisau den nach ihm benannten weltberühmten Test. Eine Ausstellung, ein Buch und ein Theaterstück geben Einblicke in das Leben und Werk des begabten Psychiaters.
Aus Anlass des 100-Jahr-Jubiläums des Psychiatrischen Zentrums Appenzell Ausserrhoden (PZA) widmet das Museum Herisau dem weltberühmten Psychiater Hermann Rorschach eine Ausstellung. Sie gibt Aufschluss über die verschiedenen Lebensstationen; bisher noch nie ausgestellte Objekte zeigen den Erfinder des Rorschachtests als Studenten, Russland-Fan, Assistenzarzt, Ehemann, Familienvater, Zeichner, Bastler, Theatermann und Forscher. Verantwortlich für das Konzept der Ausstellung ist Iris Blum, wiss. Archivarin am Staatsarchiv Appenzell Ausserrhoden und freischaffende Historikerin. Gestaltet wurde die Ausstellung von Tanja Gentina, tangent, Zürich.
Der konstruierte Zufall
Während die Rorschach-Kleckse zunächst wie zufällig und schnell hingeworfene «Tolggen» wirken, erzählt der Blick in Rorschachs Werkstatt eine andere Geschichte: Mit Malkasten und intellektuellem Rucksack ausgerüstet, tauschte sich der talentierte Mediziner mit der Elite der Schweizer Psychiatrie rege aus. Er testete seine Tafeln über Jahre hinweg immer wieder an Patientinnen, Patienten und Pflegepersonal, bis die Tafelserie zusammen mit dem Textband «Psychodiagnostik: Methodik und Ergebnis eines wahrnehmungsdiagnostischen Experiments» 1921 erschien.
Wirkung auf Kunst…
Auch wenn das Testverfahren in Europa heute kaum mehr angewendet wird, lauert Rorschach überall. Beinahe magisch angezogen werden Künstlerinnen und Künstler. Sie lassen sich von den symmetrischen Tafeln bis heute nachhaltig inspirieren. Einer davon ist der bildende Künstler Rolf Graf aus Heiden/Berlin. Er zeigt ein exklusiv für diese Ausstellung geschaffenes Werk.
… und Kommerz
Auch von kommerziellen Popularisierungen und gar Trivialitäten bleiben die Rorschach-Tafeln nicht verschont. So finden die Tintenkleckse bis heute Eingang in Film, Comics und Homemovies. Selbst Boxer-Shorts, Kaffeetassen und Mausmatten aus Amerika finden sich mit populären Rorschach-Schmetterlingen verziert und stellen den Betrachtenden vor die entscheidende Frage: «What might this be»?
Das Buch zur Ausstellung: Die Frau von Hermann Rorschach kommt zu Wort Mit dem Titel «Olga und Hermann Rorschach – Ein ungewöhnliches Psychiater-Ehepaar» ist pünktlich zum Ausstellungsbeginn ein farbig bebilderter Sammelband im Appenzeller-Verlag erschienen. Acht Beiträge aus Geschichte, Kunstgeschichte, Volkskunde und Psychologie erzählen erstmals über das Leben der Ärztin und Ehefrau Olga Stempelin, über das Theaterschaffen Hermann Rorschachs, über die Beziehung zu seinem «Schüler» Georg A. Roemer und über Rorschachs Sektenforschung.
Weitere Beiträge informieren über die Entstehungsgeschichte des Testverfahrens, die Verankerung der Herisauer Heil- und Pflegeanstalt in der schweizerischen Psychiatrielandschaft und über zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler und ihre Auseinandersetzung mit den Tintenklecksen.
Blum, Iris, Peter Witschi (Hg.): Olga und Hermann Rorschach – Ein ungewöhnliches Psychiater-Ehepaar. Appenzeller Verlag. Herisau 2008. Preis: 22 Franken
Vernissage: Donnerstag, 24. April 2008, 19 Uhr: Kulturzentrum Casino Herisau (Poststrasse 9)
Am 24. April: Ausstellungseröffnung
«Komplexe Kleckse. Der Rorschach-Test zwischen Wissenschaft und Magie». Die Ausstellung ist im Museum Herisau vom 25. April bis 21. Dezember zu sehen.
Öffnungszeiten: Mi bis So, 13 Uhr bis 17 Uhr. Weitere Informationen: www.pza100jahre.ar.ch und www.museumherisau.ch
Eckdaten und Rahmenveranstaltungen zur Ausstellung
Ausstellungskonzept: Iris Blum, wiss. Archivarin, freischaffende Historikerin Gestaltung: Tanja Gentina, tangent, Zürich
Ort: Museum Herisau, Platz (vis à vis reformierte Kirche), 9100 Herisau
Dauer: 25. April 2008 bis 21. Dezember 2008
Veranstaltungen: Die Ausstellung begleiten Workshops, Diskussionen, Gespräche, Führungen und ein Theaterstück (siehe beiliegendes Plakat).



























