Kolumne: Der eigene Nachruf
Wir haben schon ausführlich darüber berichtet. Kürzlich behauptete ein «Journalist» der «Appenzeller Zeitung», die «Herisauer Zeitung» sei eingestellt worden.
Eine klare Fehlinformation, die nicht nur den Verleger sondern natürlich auch uns Journalisten überrascht hat. Sie können sich das etwa so vorstellen, als würden Sie in der Zeitung plötzlich Ihren eigenen Nachruf lesen.
Auch wenn uns sicherlich einige Personen das Scheitern wünschen, tun wir ihnen den Gefallen dennoch nicht.
Was man von Politikern – gerade auch zu Zeiten des Wahlkampfes – fordert, gilt ebenso für Konkurrenten in der Wirtschaft: Fairness im Umgang miteinander.
Diese Fairness lassen aber gerade Journalisten oftmals vermissen. Wittern sie eine gute Geschichte um gegen die Mitbewerber zu schiessen, so bewegen sich die Finger äusserst flink über die Tastatur. Dass der Wahrheitsgehalt dabei auf der Strecke bleibt – wie im oben geschilderten Fall passiert – ist scheinbar egal.
Der Journalist hat seine Geschichte mit der These «Einstellung der Zeitung» begonnen. Hätte er kurz die Fakten überprüft, wären die These und damit auch die Geschichte zunichte gewesen. Der einzige Tag, an dem er seinen Schreiberguss noch hätte drucken können, wäre der 1. April gewesen.
Die «Herisauer Zeitung» existiert seit bald drei Jahren. Die tagesaktuelle Online-Zeitung «appenzell24.ch» feierte vor zwei Wochen ihr einjähriges Bestehen. Beide beliefern das Appenzellerland kostenlos mit News und Geschichten. Beiden Medien wurden beim Start keine grossen Chancen gegeben. Dennoch sind mittlerweile beides kleine Erfolgsgeschichten – und das ohne öffentliche Gelder. So sind die Fakten. Aber die sind leider relativ langweilig und daher keinen Leitartikel wert.
Wir wissen, dass wir es wohl erst bei unserem Untergang wieder auf die Frontseite der «Appenzeller Zeitung» schaffen. Dass dies nicht unser Ziel ist, versteht sich von selbst. Marcel Baumgartner



























