Knuth und Tucek – Auch das noch!
Arbon. Im ZiK wird ein Heimatfilmtheater von und mit Nicole Knuth und Olga Tucek aufgeführt: Hochtheatralische Erzählkunst mit gewaltig weiblicher Satire und barbarischer Musikalität.
Europa im 21. Jahrhundert: Wie eine hirtenlose Schafherde lebt die multinationale Familie über den ganzen Subkontinent verstreut und bereitet sich auf die grosse Zusammenkunft vor: Es werden Koalitionen gebildet, Testamente gefälscht, Lippen gespritzt und Buchteln gebacken. Der Berner Beamte für Bi-und Trilaterales wird von schaurig-schönen Alpträumen geplagt und bereitet die Planierung der Schweizer Alpen vor, während sich der serbische Zweig der Familie mit dem Aufbau einer Import-Export-Firma für Balkannutella beschäftigt. Die Schweizer Landesregierung reist in einem Weidling über die Limmat bachab, der Teufel verführt kleine Mädchen, in Wien schwitzen die Doggen und in Hamburg weint der chinesische Bräutigam. Die tschechische Matriarchin aber, schaut kopfschüttelnd auf all das emsige Treiben und seufzt verzweifelt: Auch das noch!
Neues Genre
Das Heimatfilmtheater stellt eine neues Genre in der Welt der Theaterformen dar und wird von seinen geistigen und szenischen Schöpferinnen Knuth und Tucek in seinen weit gefächerten Spiel- und Erzählmöglichkeiten als erzähltes Heimatfilmtheater gepflegt und weiter entwickelt. Als Kombination der Begriffe «Heimat», «Film» und «Theater» reflektiert es einerseits jede einzelne dieser drei Komponenten und schlägt zudem auch die Brücke zwischen denselben. So verbindet sich das Wort «Film» in der Mitte der Genrebezeichnung durch das Zusammensetzen mit dem Begriff «Heimat» zu Heimatfilm, als auch, in Verbindung mit dem letzten Wort «Theater» zu Filmtheater. Die Komponente Film findet im Heimatfilmtheater ihren Platz im intensiven Gebrauch filmischer Erzählmittel., wie Soundtrack, Cliffhanger, Jump Cut, Stunt oder Mac Guffin. Das Theater wiederum gibt im Gegensatz zum Film durch seine Möglichkeit zur totalen Aktualität und Reduktion den Rahmen der von Knuth und Tucek angestrebten, unabhängigen, non-budgetierten Kulturproduktion. Dadurch entsteht ein eigentliches Spartheater, zeit- und raumgleich mit einem Spar-Film. Beide werden durch das Genre Heimatfilmtheater sozusagen gerade mit der Waffe des Sparens aus den Klauen des Spardrucks zeitgenössischer Kultur entrissen. Durch diese eminenten Einsparungen kann sich die «Heimat»- Komponente des Heimatfilmtheaters in dreifacher Hinsicht opulent und letztlich panhuman entfalten.
Das Anlass findet am Samstag, 12. April, um 20 Uhr in Arbon im ZiK an der Weitegasse 6 statt.
Nicole Knuth
Trägt die Bürde dynastischer Prädisposition mit Wiener Charme und der Gelassenheit der Goldküste. Hat sich im Spannungsfeld zwischen den Familienberufszweigen Bühnenkunst und Vereinte Nationen für das, wie sie sagt, «Kasperltum» entschieden. Hatte ihr erstes einschneidendes Kunsterlebnis in der Konfrontation mit dem Film «An heiligen Wassern», einem Walliser Heimatfilm mit einem Hamburger Matrosen und anderen Fremden. Heimat bedeutet für sie, wo der Kaffee stimmt und man aufs Wasser sieht. Es darf auch die Donau sein. Muss aber nicht.
Olga Tucek
Geboren und aufgewachsen in Zürich Leimbach, umzingelt von tschechischer Verwandtschaft und dem Lifestyle der Donaumonarchie. Tritt das Erbe der Mutter an und wird Sängerin, verschreibt sich aber, anstelle böhmischer und russischer Opernpartien der Volksmusiken Österreich – Ungarns und dem Theater. Der Film «Drei Nüsse für Aschenbrödel» prägt ihr Schaffen vornehmlich, ebenso wie die Romane Ludwig Ganghofers und das ptolemäische Weltbild. Heimat ist für sie, wo ein Gulasch kocht und wo noch mit Holz geheizt wird.
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