Kleider machen Leute
Die bekannte Nostalgie-Modeschau aus Urnäsch mit einer Mischung aus Theater, Gesang und Show präsentierte sich letztmals beim Club 60plus Herisau und Umgebung im «Casino».
Es wurde eine gelungene und fröhliche Modeschau aus einer längst vergangenen Zeit geboten.
Mit der Urnäscher Nostalgie-Modeschau aus den 20er und 30er Jahren wurde das Rad der Zeit um Jahrzehnte zurückgedreht. Mit viel Charme wird Mode von den Anfängen des letzten Jahrhunderts von 20 Frauen, Männer und Kinder – vom 9jährigen Knaben bis hin zum 85jährigen Grossvater und -mutter – präsentiert. Für verschiedene Anlässe zeichneten sich schon damals Modeströmungen ab. Von den Alltagskleidern über bunt farbige und chice Kleider bis zur festlichen Ballnacht, selbst in den intimen Bereich – Unterwäsche und Bademode – gab diese Modeschau Einblick. Musikalisch und heiter wurden die Besucher in die goldenen 20er Jahre zurück versetzt und genossen die Darbietungen mit vielen Originalkleidern verbunden mit einem Duft der guten alten Zeit.
Mehr als 300 Kleider
Verena Schmid, die Modeschöpferin der Nostalgie-Modeschau, mit über 300 Kleiderstücken aus ihrer Sammlung kommentierte die Modeschau als Wirtin in einer Konditorei. Da flanierten vornehme Damen im Ballkleid aus kostbarer Seide in Begleitung von Herren in Frack und Zylinder über den Laufsteg im «Casino», gefolgt von Frauen und Kinder in chicen farbenprächtigen Gewändern aus längst vergangenen Zeiten. Das Bühnenbild, die Accessoires, die Begleittexte und die Musik – alles zusammen ergibt stimmungsvolle Szenen, welche die Zeit zurückzudrehen scheinen. Von Alltagskleidern über die festliche Ballnacht bis hin zu den intimsten Bereichen – Unterwäsche und Badekleider – gab diese Modeschau Einblick. Nach über 300 Aufführungen innerhalb von 14 Jahren haben sich die Mitglieder der Nostalgie-Modeschau unter der Leitung von Verena Schmid entschlossen, vom begeisternden Publikum zu verabschieden.
Jederzeit passend gekleidet
Es waren keine Mannequins mit Massfiguren, die sich auf dem Laufsteg im «Casino» präsentierten. Sie entsprachen auch nicht dem jugendlich vorgeschriebenen Schönheitsideal. Aber sie hatten Charme, mit welchem sie die Herzen der Besucher bezauberten. Zuerst treten die «Models» in Jackett-Kleidern auf, danach folgt eine Gruppe in Schwarz und Weiss, bevor alle Kleider in Violett-Tönen präsentiert werden. Wenn die Frauen, mit Jabot-Hütchen, das Schirmchen oder den Muff in der Hand, ihre weiten bunten Röcke und spitzenbesetzten Unterröcke schwingen liessen, wenn die Herren ihre Sackuhr aus den Gilet zogen oder ihren Damen galant den Arm reichten, die Kinder in ihren Hemdchen zu Röcken sich sittsam benahmen, glaubte man sich in eine elegante, vergangene Zeit versetzt. Was da über den Laufsteg tanzte, schritt und spazierte waren Damen und Herren sowie Kinder aus den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts.
Was die elegante Dame unter dem Ballkleid mit «Riegel und Häftli» alles trug, versetzte das Publikum ins Staunen. Angefangen bei den Kindern über Bekleidung für Freud und Leid bis hin zur Sommermode in den verschiedensten Farben boten die «Models» einen bunten Querschnitt. Die Herren der Schöpfung präsentierten sich im Frack und Zylinder mit dem Spazierstock, anders die Damen, die mit Blumen und Tüll geschmückte Hüte trugen, um sich von der Sonne zu schützen.
Unterhaltung mit viel Charme
Der zweite Teil der Modeschau umfasste «steinzeitlich» anmutende Wintermode mit einer Schneeballschlacht und prunkvolle Roben für eine Ballnacht.
Vorgeführt wurde auch Lingerie mit Nachthemden und Unterwäsche, wobei man im Bett noch eine Haube trug, um die Bettwäsche zu schützen oder der Mann im besten Alter im Ganzkörper-Liebestöter auftrat. Im Winter trugen die Herren Knickerbocker und Wadenbinden, kamen mit Schlitten und Holzski daher, während die Damen «Seelenwärmerli» trugen und zum Skifahren mit langen Röcken und genagelten Schuhen, und für die Balance benötigten sie einen Tellerstock.
Grossmuter (Hedi Schläpfer) und Grossvater (Jakob Nef) konnte zum 85. Geburtstag gratuliert werden, wobei auch ein Küsschen in Ehren nicht fehlen durfte.
Schmunzeln löste die damalige Bademode für Männer aus, aber auch die weiten Pumphosen oder Bademäntel für Damen erinnerten an frühere Jahre. Lustig zu und her ging es aber bei der Präsentation der Unterwäsche, und die Damen in ihren Badkleidern an längst vergangene Zeiten erinnerten. Dabei rollte die Angebetete ihre Strümpfe herunter, um in die Sitzbadewanne Platz zu nehmen.
Den Abschluss der Schau bildeten die «Goldenen Zwanziger», wobei auch Kleider aus der Epoche des Charleston mit Federboa und Charleston nicht fehlen durften. Aufgelockert wurden die Darbietungen mit alt bekannten Schlager wie «Grüss euch Gott …; In einer kleinen Konditorei, Donna Klara» etc.
Nostalgie-Modeschau in neuen Händen
Im Jahre 1995 gründete Verena Schmid von der Mühlstatt/Zürchersmühle zusammen mit einigen Bekannten eine Nostalgie-Modeschau mit Kleidern aus den Jahren 1900 bis 1930. Über 300 Mal innerhalb von 14 Jahren ist die 20-köpfige Gruppe seither in der ganzen Schweiz aufgetreten und bereitete allseits viel Freude. Die Nichte Vroni Inauen-Schmid aus Appenzell wird die Modeschau in einer anderen Form weiterführen und hat die Kleidersammlung übernommen.
Einen bunten Querschnitt aus der Nostalgie-Modeschau mit der Mode für Drunter und Drüber aus den 1920er Jahren. Finden Sie in der Bildergalerie



























