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«Klare Sache» gibt es nicht

AI. Ist das Rennen um das Amt des Landammanns bereits gelaufen? Kaum, denn die Landsgemeinde kennt eine uneinschätzbare Eigendynamik.

Beobachter der Innerrhoder Landsgemeinde könnten aufgrund der Ereignisse im Vorfeld zum Schluss kommen, dass sich am nächsten Sonntag auf dem Landsgemeindeplatz die Innerrhoderinnen und Innerrhoder treffen, um das zu bestätigen, was schon klar scheint. Bei Personenwahlen beispielsweise gibt der Nominations- und Empfehlungsprozess in anderen Kantonen meist ein sehr klares Bild darüber, was geschehen wird. Geniesst ein Kandidat die Unterstützung verschiedener Gruppierungen, die gesamthaft ein grosses Spektrum der Bevölkerung abdecken, darf er sich in aller Regel auf die Wahl freuen, während den Gegnern nur allenfalls ein Achtungserfolg bleibt.

Gemessen an diesem Szenario, hat Daniel Fässler bei der Wahl um das Amt des Landammanns mit Sicherheit die besten Karten. Ihm gelang das Kunststück, von der CVP und dem Gewerbe bis zu den Bauern und den Arbeitnehmern verschiedenste Seiten hinter sich zu scharen. Fässler profitierte dabei von seinem langjährigen Engagement im Kanton, beispielsweise im Kantonsgericht oder auf Vereinsebene. Das überzeugt in Innerrhoden.

Favorit, aber…
In St.Gallen oder im Thurgau wäre ein derart getragener Kandidat so gut wie gewählt. Und ohne Frage ist Daniel Fässler auch am kommenden Sonntag klarer Favorit. Doch eine «klare Sache» gibt es an einer Landsgemeinde ganz grundsätzlich nicht. Davon können die Glarner ein Lied singen, an deren Landsgemeinde 2007 die rund 30 Gemeinden kurzerhand zu 3 verschmolzen wurden – obwohl ein entsprechender Vorschlag vorgängig gar nie ernsthaft diskutiert wurde. Auch bei Personenwahlen kann diese Eigendynamik, die es bei einem Urnengang, den jeder still für sich ausführt, nicht gibt, durchschlagen.

Stiller Wahlkampf
Darauf hofft beispielsweise Säckelmeister Sepp Moser. Er steht zur Verfügung als Landammann, wie er sagt, führt aber keinen Wahlkampf, präsentiert sich keinen Gremien, stellt sich keinen öffentlichen Debatten. Bei den nominierenden Parteien und Verbänden kommt diese Taktik schlecht an. Andererseits ist Mosers Vorgehen dasjenige, das vor nicht allzu langer Zeit in Innerrhoden das einzig akzeptierte war. Inzwischen sieht ein Wahlkampf hier zwar (fast) aus wie anderswo – mit Inseraten und Podien, mit Öffentlichkeit eben. Doch das heisst nicht, dass das stille «zur Verfügung stehen» von Moser zwingend auch in allen Teilen des Volkes schlecht ankommt. Immerhin ist der Treuhänder vor Jahresfrist von einer Mehrheit in die Standeskommission gehievt worden; er hat durchaus seine Anhängerschaft.

Parteien als «Vehikel»
Mit Ruedi Eberle wiederum steht ein Kandidat bereit, der offiziell nur von der SVP getragen wird. Das reicht in Innerrhoden nicht zu einer Wahl – theoretisch. Aber die Parteien und Verbände sind lediglich Vehikel, um ins Rennen zu kommen, an der Landsgemeinde selbst entscheiden die Innerrhoder ganz gerne selbst und ohne Vorgaben. Eberles Kandidatur ist nicht zu unterschätzen, da sein Leistungsausweis kaum in Frage gestellt werden kann. Er kennt als Grossrat die politischen Zusammenhänge des Halbkantons, steht als Hauptmann in Gonten bereits in einer Führungsaufgabe, hat als Unternehmer mit seinem Team mit dem Golfplatz Gonten ein wichtiges touristisches Angebot sowie Arbeitsplätze geschaffen.

Flexibel reagieren
Mit Bruno Ulmann kursiert ein vierter Name. Seine Kandidatur wird von der Handels- und Industriekammer (HIKA) unterstützt, die damit aus dem allgemeinen Konzert ausschert. Ulmann wird als Unternehmer zur Wahl empfohlen, ein Prädikat, das auch Eberle für sich in Anspruch nehmen kann. Und auch Urs Koch: Er komplettiert das Feld der bekannten Namen, wurde allerdings von keiner Seite offiziell portiert, hat sich offiziell zurückgezogen und ist damit kein Faktor mehr – wiederum: theoretisch.

Denn selbstredend kann im Ring auch sein Name gerufen werden. Und die Landsgemeinde ist ein flexibles Organ, sie reagiert auf neue Umstände. Wird beispielsweise der amtierende Säckelmeister Sepp Moser doch zum Landammann gewählt, entsteht eine Vakanz, die umgehend gefüllt werden muss. Niemand kann voraussagen, was aus einer solchen völlig neuen Situation heraus entsteht.

Der langen Rede kurzer Sinn: Die Landsgemeinde ist nicht nur gelebte Demokratie, sie kann sich auch zum veritablen Krimi entwickeln. Ein Grund mehr für Interessierte, am Sonntag den Weg nach Appenzell unter die Füsse zu nehmen.

Appenzell InnerrhodenAppenzell Innerrhoden / 21.04.2008 - 09:20:00