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Kirche 2015 – ein ambitioniertes Projekt

AI/AR. Rund 60 Behördenmitglieder, Mitarbeitende und Kirchenmitglieder der evangelisch-reformierten Landeskirche trafen sich in Walzenhausen, um sich über die Zukunft zu beraten.

Das Projekt des Kirchenrats mit dem provisorischen Namen «Eine zahlbare und lebendige Kirche 2015» war Auslöser der Tagung. Das Treffen wurde vom Kirchenrat der evangelisch-reformierten Landeskirche beider Appenzell organisiert. Eine gelungene Organisation spiegelte sich nicht zuletzt in den geladenen Referenten und der Referentin wieder: Mit Susanne Schewe, ihres Zeichens Pfarrerin in Trogen, Hans Schmid, eremitierter Ökonomieprofessor der Universität St. Gallen und Ex-Nationalrat Dölf Weder, Kirchenratspräsident der Kantonalkirche St.Gallen, wurde eine gute Auswahl getroffen. Sie legten mit ihren engagierten Impulsreferaten einen guten Nährboden für fruchtbare Diskussionen unter den Gästen der Tagung. Letztere war in zwei thematische Blöcke aufgeteilt.

Drei Ebenen
Am Morgen ging es um die Kirche und ihre Inhalte im Allgemeinen. Susanne Schewe unterschied in ihren Voten die Kirche als Institution, die Kirche als Milieu, nämlich das Zusammenleben in der Kirche, und die Kirche als Gemeinschaft der Heiligen.

Sie stellte die Frage, wie diese drei Ebenen zueinander im Verhältnis stehen und besonders, wie die Kirche als Gemeinschaft der Heiligen die beiden anderen Ebenen beeinflussen und durchdringen kann. Schmid ging von pastoralsoziologischen Untersuchungen der Universität Lausanne aus und stellte die Frage: Was wäre, wenn es die Kirche nicht mehr geben würde? Er nahm die Antwort vieler befragter Schweizer und Schweizerinnen auf und antwortete: Die Gesellschaft wäre weniger menschlich. Folgerichtig sieht er einen besonderen Auftrag der Kirchen in dem engen Kontakt zu ihren Mitgliedern und in der Bekämpfung der Armut, oder, kirchlich gesprochen, in der Diakonie. Dass die Kirche im Hinblick auf spirituelle Angebote ein Anbieter unter vielen ist, wird für ihn zu einem Anstoss, die eigenen Chancen zu nutzen, die in der Seelsorge und in einer sorgfältigen Verkündigung liegen.

Zwei Knackpunkte
In den Diskussionen waren zwei Knackpunkte festzustellen: Zentral war die Frage nach dem Verhältnis zwischen administrativer Arbeit mit geistlichen Inhalten. Es wurde diskutiert, in welchem Ausmass und in welcher Form die geistliche und die säkulare Ebene der Kirchenarbeit wirken sollten. Ebenfalls vielbesprochen war das Problem der Konkurrenz durch andere spirituelle Angebote. Die daraus zu folgernde Frage nach der Notwendigkeit einer Attraktivitätssteigerung wurde höchst kontrovers diskutiert. Eine Gegenläufigkeit der Kirche zu aktuellen Trends in Gesellschaft und Politik kann als Chance, aber auch als Gefahr wahrgenommen werden.

Visitationsbericht
Am Nachmittag wurde die Thematik konkreter: Dölf Weder stellte die Ergebnisse des Visitationsberichts des Kantons St. Gallen vor, welcher – selbstredend mit Einschränkungen – als Lesehilfe für die Probleme und Herausforderungen der Landeskirche beider Appenzell dienen kann. Der Visitationsbericht zeichnet ein Bild davon, wie die einzelnen Kirchgemeinden ihre eigene Befindlichkeit wahrnehmen. Dabei sind deutliche Tendenzen auszumachen: Kleine Kirchgemeinden mit nur einer Pfarrstelle schätzen ihr Wohlbefinden niedriger ein als Kirchgemeinden mit mehreren Pfarrstellen oder einer Pfarrstelle und weiteren kirchlichen Mitarbeitenden.

Weder plädierte dafür, dass sich kleine Kirchgemeinden auf ihre Stärke, nämlich das traditionelle kirchliche Leben besinnen sollten, während grosse Kirchgemeinden ihren Mitarbeitendenpool für vielfältigere Programmangebote nutzen könnten. Die Vision der St.Galler Kantonalkirche sei es, kleine Kirchgemeinden zu einer grossen Einheit zusammen zu schliessen, um auch in ihnen Schwerpunkte in der Gemeindearbeit möglich werden zu lassen.

In der Diskussion wurde die Frage gestellt, wie weit sich die Ergebnisse des St. Galler Visitationsberichts auf die Appenzeller Landeskirche übertragen lassen. Angesprochen wurde ebenfalls, dass Appenzeller Kirchgemeinden ein starkes Bewusstsein ihrer Gemeindeautonomie haben. Das Tagesziel, einen Anstoss für ein langfristiges und höchst anspruchsvolles Projekt zu geben, wurde erreicht. Dass der Anlass sich einer guten Besucherzahl erfreuen durfte, zeigt, wie sehr das Thema beschäftigt und polarisiert. Dem Projekt fehlt noch ein endgültiger Name. Ein langer Weg ist zu gehen, doch der Anfang ist gemacht.

Appenzell InnerrhodenAppenzell Innerrhoden / 13.02.2009 - 14:55:00