Keine Zeit für «wirkliche» Trainings
Waldstatt. Tino Good, der Weltmeister im Armbrustschiessen, spricht über seine Anfänge, den Titel und den Stellenwert des Armbrustschiessens.
Wie sind Sie zum Armbrustschiessen gekommen und wie alt waren Sie?
Durch Schulfreunde bin ich zum Armbrustschiessen gekommen. Die haben immer wieder gedrängt und dann bin ich einmal mitgegangen. Damals war ich etwa elf Jahre alt.
Haben Sie je überlegt eine Pause einzulegen oder das Armbrustschiessen ganz aufzugeben?
Ja, zwischen 2003 und 2005 ungefähr. Ich hatte damals Motivationsprobleme, hauptsächlich wegen stark schwankender und eher tiefer Resultate. Ich habe kaum mehr geschossen, aber nie ganz aufgehört. 2005 ging es aber wieder aufwärts und ich trainierte auch wieder häufiger.
Waren diese Weltmeisterschaften Ihr bisher erfolgreichstes Ergebnis?
Vom Titel her bestimmt, vom Resultat her eher nicht – da war ich aber wegen der erschwerten Bedingungen sicherlich nicht der einzige. Natürlich ist die aktuelle Leistung häufig die schönste Erinnerung, zumindest bis zur nächsten. Der erste internationale Erfolg war aber mindestens so schön und bedeutend und ich könnte diesen auf keinen Fall diesem WM-Gold unterordnen (U-21 Europacupsieger 30m kniend 2006).
Wie haben Sie den Sieg gefeiert?
Den Sieg feierten wir erst mit einem Tag Verspätung gemütlich in St. Gallen, gemeinsam mit denen, die am nächsten Tag nicht im Einsatz standen. Zum einen, weil ich nicht besonders in Feierlaune war wegen dem verpassten Podestplatz im Einzelwettkampf, zum andern, weil wir fast alle am nächsten Tag noch den Kurzdistanzwettbewerb zu absolvieren hatten.
Was war das speziellste Ergebnis/Turnier, an das Sie sich erinnern können?
Wie gesagt war das erste Turnier schon etwas Besonderes, vor allem weil es auch noch erfolgreich verlief. Für mich jedoch beinhaltet jeder Wettkampf etwas Besonders, an das ich mich gerne erinnere. Aber wie bereits erwähnt ist meist der neuste Erfolg, zumindest subjektiv gesehen, der scheinbar schönste und vielleicht auch wichtigste, hauptsächlich wegen der noch so präsenten Erinnerungen und der Motivationsspritze, die ein solches Erlebnis jeweils mitbringt.
Wie oft trainieren Sie in der Woche?
Etwa ein Mal mit der Armbrust und ein Mal mit dem Kleinkalibergewehr, obwohl man das kaum als Training bezeichnen kann. Für mich bedeutet «Training» eigentlich die Möglichkeit, Neues ausprobieren und sich auf diese Weise verbessern zu können. Die wöchentlichen Besuche im Stand dienen jedoch meist nur der Erfüllung der Jahresprogramms. Zeit für wirkliche Trainings – falls vorhanden – nehme ich mir dann jeweils vor Wettkämpfen, dann dafür intensiver.
Welchen Stellenwert hat das Armbrustschiessen in der Schweiz?
Armbrustschiessen ist klar eine Randsportart, die einige mit der Geschichte der Schweiz in Verbindung bringen wollen. Die Vorstellung vom Gebrauch und dem Aussehen einer Armbrust ist in der Öffentlichkeit deshalb stark von der Geschichte um Tell beeinflusst worden, die Realität sieht aber ganz anders aus; bei uns wird die Armbrust nur zu rein sportlichen Zwecken verwendet. Wer eine moderne Matcharmbrust sieht, dem fällt sofort auf, dass es sich dabei um ein modernes Sportgerät und nicht mehr um eine Waffe handelt. Die Armbrust ist also möglicherweise für die Schweiz ein wenig wichtiger als für andere Länder; für die meisten wohl wegen der Legende, für uns Armbrustschützen jedoch hauptsächlich aus sportlichen Gründen.
Kann man damit Geld verdienen oder ist es «bloss» ein Hobby?
Man kann Geld verdienen, davon kann man allerdings nicht leben und die Leistung muss dann aber wirklich ausserordentlich sein. Wer nur Sport macht, um möglichst viel Geld zu verdienen, ist mit dem Armbrustschiessen relativ schlecht bedient.
Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus? Was sind Ihre weiteren Ziele?
Ich möchte möglichst weiterhin internationale Wettkämpfe bestreiten dürfen, was aber gerade beim Armbrustschiessen wegen dem altersbedingten Übertritt in die höchste Kategorie, den wenigen Startplätzen und dem hohen Konkurrenzkampf immer schwieriger wird. Eine Alternative, weiterhin viele Wettkämpfe bestreiten zu können, wäre das Kleinkaliberschiessen, aber auch dort ist die Konkurrenz sehr gross. Wahrscheinlich werde ich aber wegen der im Herbst beginnenden RS zuerst eine Pause einlegen müssen.



























