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«Kein blinder Aktionismus»

Heiden. Ist das beschauliche Heiden ein Hort der Gewalt? Man könnte es nach diversen Medienberichten glauben - oder aber das Ganze etwas besonnener prüfen.

Eine friedliche Geburtstagsparty in einem Pfadiheim wird von einer Gruppe gewaltbereiter Jugendlicher heimgesucht. Es kommt zu einer Schlägerei. Ein Vorfall, der weder alltäglich ist noch verharmlost werden soll. Die betroffenen Partygäste und ihr persönliches Umfeld sind zu Recht entsetzt über das Geschehene. Wer nun aber Berichte und einen Kommentar einer regionalen Tageszeitung zu den Ereignissen las, erhielt den Eindruck, Gewalt in dieser Dimension sei in Heiden gewissermassen an der Tagesordnung. Die Tatsache, dass Polizei und Gemeinde nicht gross angelegt über den Vorfall berichteten, wurde zum Anlass genommen, eine Art Verschwörung zu konstruieren. Heidens Gemeindepräsident Norbert Näf stellt im Gespräch klar, dass er die Ereignisse ernst nimmt und die Gemeinde durchaus aktiv ist – dass den Massnahmen aber auch Grenzen gesetzt sind.

Verstehen Sie die Aufregung rund um das, was beim Pfadiheim am Gstaldenbach geschehen ist?
Norbert Näf: Die Besorgnis von Eltern betroffener Jugendlicher nach einem Vorfall wie beim Pfadiheim vorletzten Samstag ist absolut verständlich. Wir dulden in Heiden keine Gewalt, in welcher Form auch immer. Dies kann aber nicht mit blindem Aktionismus erreicht werden, sondern mit einem besonnenen Vorgehen und in Zusammenarbeit zwischen Gemeinde, Eltern, Vormundschaftsbehörde, Kantonspolizei und natürlich den Jugendlichen selber.

Stichwort Bekämpfung der Gewalt und Prävention: Was kann aus Ihrer Sicht konkret unternommen werden?
Die Kantonspolizei hat einerseits einzugreifen bei Gewaltausübung oder Sachbeschädigungen/Vandalismus, kann aber mit der Jugendkontaktpolizei auch vorbeugend wirken. Die Vormundschaftsbehörde kann betroffenen gewaltbereiten Jugendlichen individuell helfen, sei es mit Unterstützung der Eltern in der Erziehungsarbeit oder wenn es verhältnismässig ist, auch mit einer Fremdplatzierung. Mit einer Fremdplatzierung kann dem Jugendlichen vorübergehend oder dauernd eine angemessenere Struktur geboten werden.

Und wo sehen Sie den Spielraum der Gemeinde und Ihrer Behörde?
Die Gemeinde muss bei Sachbeschädigungen und Vandalismus die notwendigen Reparaturen sofort veranlassen und Anzeige erstatten. So werden Sprayereien oder Sachbeschädigungen nicht zu einem «Kult», der Nachahmer auf den Plan ruft. Die Gemeinde kann vor allem mit einer guten Infrastruktur, welche Jugendlichen vielfältige Freizeitmöglichkeiten namentlich in Vereinen bietet, präventiv wirken. Eine wichtige Rolle spielen auch Elternfortbildung sowie Kontakte mit Jugendlichen, sei es im Jugendtreff, in der Oberstufe oder mit professioneller Jugendarbeit. Im Jugendleitbild der Gemeinde Heiden ist professionelle Jugendarbeit als Ziel formuliert. Der Gemeinderat hat letztes Jahr eine Projektgruppe eingesetzt mit der Aufgabe, das Konzept für professionelle Jugendarbeit zu erarbeiten. In ihrer Arbeit wurde die Projektgruppe wissenschaftlich unterstützt. Das Resultat der Arbeit liegt vor. Der Gemeinderat befindet in kürzester Zeit darüber, ob der Stimmbürgerschaft im Voranschlag 2009 die Anstellung von Jugendsozialarbeitern beantragt werden soll.

Als Gemeindepräsident stehen Sie bei Kritik dieser Art im Fokus. Wie gehen Sie damit um?
Persönlich würde ich mir wünschen, dass besorgte Eltern sich bei der Gemeinde melden, wo sie konkret informiert und beraten werden können. Meine Türe ist bekanntlich nicht nur sprichwörtlich offen. Dies ist sicher zielbringender als der Gang an die Presse, welcher höchstens dazu führt, dass genannte Treffpunkte – egal ob sie bestehen oder nicht – auch bei Jugendlichen aus anderen Gemeinden bekannt gemacht werden und sich allfällige ungünstige Entwicklungen verschärfen. Tatsache aber ist, dass der Waldpark kein Treffpunkt von Jugendlichen ist, die systematisch übermässig Alkohol konsumieren. Wir wehren uns auch dagegen, dass die Häädler Jugendlichen kriminalisiert werden.

Das heisst, Sie würden heute wieder gleich handeln?
Ich stehe nach wie vor dazu, dass Aussagen der Gemeinde über Vorfälle und Konsequenzen daraus fehl am Platz sind, solange die Polizei noch den Sachverhalt ermittelt und die Gemeinde noch gar nicht informieren konnte. Der Gemeinderat ist unverändert bestrebt, die vorhandene Infrastruktur an die veränderten Bedürfnisse der Bevölkerung anzupassen und gute Rahmenbedingungen für wirtschaftliche und touristische Entwicklung zu bieten. Die Zentrumsfunktion von Heiden wird im Interesse der Gemeinde und der ganzen Region weiter verstärkt.

Appenzell AusserrhodenAppenzell Ausserrhoden / 08.09.2008 - 14:47:00