• Aargau
  • Appenzell Ausserrhoden
  • Appenzell Innerrhoden
  • Basel-Landschaft
  • Basel-Stadt
  • Bern
  • Freiburg
  • Genf
  • Glarus
  • Graubünden
  • Jura
  • Luzern
  • Neuenburg
  • Nidwalden
  • Obwalden
  • Schaffhausen
  • Schwyz
  • Solothurn
  • St.Gallen
  • Stadt Winterthur
  • Stadt Zürich
  • Tessin
  • Thurgau
  • Uri
  • Waadt
  • Wallis
  • Zug
  • Zürich

Kantonalbank-Skandal unter den Teppich gekehrt

Herisau. Trotz vieler Beteuerungen, trotz Auftrag des Parlamentspräsidenten: Die Affäre Ausserrhoder Kantonalbank wurde nie gehörig aufgearbeitet, die Vergangenheit nie bewältigt.

Aus ohnmächtiger Wut über den Kantonalbank-Skandal wurde die Landsgemeinde abgeschafft; wegen Filz-Vorwürfen verlor die FDP ihre absolute Vormachtstellung im Kanton, die SVP wurde gegründet und erstarkte.

Dennoch: Der Rest blieb Schweigen. Wichtige Fragen wurden nie geklärt. Die ARKB wurde im öffentlichen Bewusstsein erfolgreich verdrängt.

Nur hie und da flammten Proteste auf: die Bank hätte nie verkauft werden dürfen. Die damalige Finanzdirektorin Marianne Kleiner konterte: Der Kanton wäre zum Armenhaus geworden. Dafür blühten Gerüchte. Jetzt kommt alles wieder hoch. Aber: Jetzt ist es längst viel zu spät.

«Trostpflaster» Bankdirektor
Die Ausserrhoder Kantonalbank war in den 1980er Jahren in die Krise geraten. Als die marode Bank 1996 für 180 Millionen Franken an die SBG (heute UBS) verkauft wurde, hatten sich über 230 Millionen Franken Verluste angehäuft. Der Kanton musste rund 100 Millionen Franken abschreiben.

Begonnen hatte es 1980 mit der Wahl des Bankdirektors Samuel Hunziker – als «Trost» für seine Nichtwahl als Regierungsrat. Zuerst versuchte die Regierung, die Bank mit mehreren Erhöhungen des Dotationskapitals zu retten. Im Frühling 1992 platzte die Blase: Hunziker musste gehen.

Erst nach mehrmaliger Intervention der Eidgenössischen Bankenkommission (EBK) geruhte der laut Gesetz verantwortliche Kantonsrat überhaupt, an einer Geheimsitzung Kenntnis von dem Desaster zu nehmen. Unter Troubleshooter Hans-Rudolf Merz wurde die Bank 1995 teilprivatisiert.

Casino finanziert Bordell
Doch es half alles nichts. «Totales Systemversagen» diagnostizierte Rechtsprofessor Peter Nobel in einem Gutachten nach dem Zusammenbruch. Die Bank sei ein Casino gewesen. Versagt hätten Oberleitung, Aufsicht (Kantonsrat) und Kontrolle. Unzählige faule Kredite flogen auf: Die «exotischsten» waren ein Bordell in Genf und eine Fischfarm in Kanada.

Viele Ausserrhoder verloren viel Geld mit wertlosen Papieren. Deren Empörung war umso grösser, als alle Versuche, gegen die Kantonalbank-Verantwortlichen zu klagen, abgeschmettert wurden; eine Initiative wurde ungültig erklärt. Regierungsmitglieder, die in der kritischen Zeit im Bankrat sassen, zogen keine Konsequenzen.

Appenzell AusserrhodenAppenzell Ausserrhoden / 03.07.2008 - 15:56:00