Kanton will energiepolitisch aufholen
Herisau. 2000-Watt-Gesellschaft bis 2100: Ausserrhoden will nicht länger energiepolitisches Schlusslicht der Schweiz sein.
Der Kantonsrat genehmigte am Montag das Energiekonzept der Regierung ohne Änderungen. Hauptziel ist, bis 2100 eine 2000-Watt-Gesellschaft zu erreichen.
Der Energieverbrauch pro Kopf ist in Ausserrhoden mit 33,7 Megawattstunden pro Jahr leicht höher als der Schweizer Durchschnitt von 33,2 MWh/a im Jahr 2005. Anderseits sind die kantonalen Förderbeiträge im Vergleich zu den Ostschweizer Kantonen mit 3,8 Franken pro Einwohner in diesem Jahr – neben dem Kanton Zürich mit 2,7 Franken – die tiefsten. Im Thurgau sind sie über sechs Mal höher.
Fünf Ziele
Fünf Ziele des Kantons wurden im Energiekonzept für 2015 festgelegt: Eine Abnahme des Verbrauchs an fossiler Energie um zehn Prozent in Gebäuden und um fünf Prozent im Verkehr sowie eine maximale Steigerung um fünf Prozent beim Elektrizitätsverbrauch.
Fünf Prozent des gesamten Wärmebedarfs und zwei Prozent des gesamten Strombedarfs sollen durch neue erneuerbare Energien gedeckt werden. Bei kantonalen Bauten soll der Energieverbrauch an nicht erneuerbaren Energien um zehn Prozent gesenkt werden. Dies will der Kanton durch Anwendung von Minergie-Standards für Neubauten und energetisch optimale Sanierungen erreichen.
Seilziehen um Finanzierung
Für die Förderprogramme sind rund 970 000 Franken jährlich nötig. Daran leistet der Bund Globalbeiträge. Der Kanton wird über das Budget rund 820 000 Franken pro Jahr zur Verfügung stellen.
Vorgesehen ist ein Energiefonds mit einer Einmaleinlage von zehn Mio. Franken. Dieser Betrag entspricht den zu erwartenden «nicht betriebsnotwendigen Mitteln» der St. Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke AG (SAK). Einziger Haken: Über die Verwendung dieser Mittel wird noch diskutiert.
Die Finanzkommission beantragte Rückweisung der Vorlage: Die Finanzierung sei nicht gesichert. Erst müssten die Auswirkungen einer überwiesenen Motion zur Förderung der Photovoltaik sowie der im revidierten Steuergesetz vorgesehenen Abzüge für Investitionen in Energiespar-Investitionen bekannt sein. Die SVP schloss sich dem Rückweisungs-Antrag aus ideologischen Gründen an.
Nicht «am Schwanz» bleiben
Schliesslich versuchten die Gegner die Vorlage noch mit dem Hinweis zu bodigen, die vorgesehene Finanzierung übersteige die Finanzkompetenz des Rats. Landammann und Baudirektor Jakob Brunnschweiler wehrte sich vehement für die Vorlage: «Im Standortwettbewerb wollen wir an der Spitze sein und hier wollen wir am Schwanz bleiben,» ärgerte er sich.
Der Rat lehnte die Rückweisung ab und trat auf die Vorlage ein. Er lehnte aber auch alle weitergehenden Energiespar-Anträge der SP ab. Schliesslich genehmigte er Rat das Energiekonzept mit 55 zu vier Stimmen bei zwei Enthaltungen.
Von der ETH entwickelt
Die 2000-Watt-Gesellschaft ist ein energiepolitisches Modell, das von der ETH Zürich entwickelt wurde. Danach sollte der Energiebedarf jedes Erdenbewohners einer durchschnittlichen Leistung von 2000 Watt entsprechen.
Mit Minergie- oder Passivhäusern ist dieses Ziel erreichbar. Der tatsächliche Energiebedarf liegt weltweit bei 2000 pro Person. Aber in Entwicklungsländern verbrauchen die Menschen einige hundert Watt, in den Industrieländern sind es bis zu sieben Mal mehr.



























