Kampf gegen Springkraut
Heiden. In Ausserrhoden soll die Springkaut-Bekämpfung verstärkt werden. Die Naturschützer sind entsetzt.
Die Blüten des Drüsigen Springkrauts entzücken Blumenfreunde, die platzenden Samenkapseln begeistern Kinder. Naturschützer aber sind entsetzt über die starke Vermehrung. Der Kampf gegen Springkraut soll in Ausserrhoden verstärkt werden.
In Ausserrhoden ist die Ausbreitung des indischen Fremdlings dramatisch: Kantonsrat Walter Diem (SVP, Schwellbrunn) beklagte im Parlament die rasante Vermehrung des Drüsigen Springkrauts.
Stefan Signer (SP, Heiden) unterstützte ihn. Dieses Jahr musste die Bekämpfung von Springkraut und Japanknöterich abgebrochen werden, weil das Budget nicht ausreichte.
Diem und Signer wollten im Budget 2008 für den Pflanzenschutz, der die Bekämpfung invasiver Neophyten und des Feuerbrands umfasst, gleich viel Geld einsetzen wie 2007, 280 000 statt nur 230 000 Franken. Der Antrag auf eine Erhöhung um 50 000 Franken wurde abgelehnt. Regierungsrätin Marianne Koller beruhigte: Es sei nichts abgebrochen worden, man mache 2008 weiter.
Tatsächlich könnte Ausserrhoden die an Bachläufen, Waldrändern und Abhängen spriessenden Springkräuter auch mit aufgestocktem Budget nicht wirkungsvoll bekämpfen. Da Gartenbesitzer ihr «Unkraut» irgendwo in der Natur entsorgen, wächst überall Springkraut und verdrängt die heimische Flora.
Riesenaufwand
Das Drüsige Springkraut breite sich explosionsartig aus, sagt der SP-Kantonsrat und Sekundarlehrer Stefan Signer, Heiden. Zur Bekämpfung seien grössere Anstrengungen nötig. Da das Kraut einjährig sei, bestehe eine gute Chance, die Bestände auszurotten, wenn die Pflanze sich noch nicht versamt habe.
Signer befreite im vergangenen Sommer mit 34 Schülern in Heiden eine 150 Quadratmeter grosse Fläche von Springkraut. Drei Stunden benötigten die beiden Schulklassen dafür: «Ein Riesenaufwand,» sagt Stefan Signer. Wenn der Neophyt weg ist, liegt da bracher Boden, ohne ein einziges Kräutlein. Das indische Springkraut unterdrückt alle andern Pflanzen.
Allein in Heiden und Umgebung habe er grosse Vorkommen von Drüsigem Springkraut festgestellt, sagt Signer. Die Pflanze breite sich exponentiell aus. Um sie wirkungsvoll zu bekämpfen, sei ein verstärkter Einsatz mit genügend Leuten nötig.
Aktion Springkraut
Da der Kanton über zu knappe personelle Ressourcen verfüge, um alle Habitate effizient zu roden, müssten sich die Gemeinden engagieren, schlägt Signer vor. Die Bekämpfung sollte regionalisiert und zur öffentlichen Aktion erklärt werden.
Grundstücksbesitzer müssten auf ihre Verantwortung aufmerksam gemacht werden. Gemeinden und Kanton sollten sie bei der Bekämpfung unterstützen. Die Gemeinden sollten Verantwortliche für die Springkraut-Bekämpfung ernennen. Diese hätten einen guten Überblick über die lokale Situation.
Im kommenden Mai müsste mit Unterstützung von Zivilschutz und Schulen im ganzen Kanton eine grosse Springkraut-Aktion gestartet werden, sagt Signer: «Mit ein paar hundert Helfern kommt man relativ weit.» Wenn jetzt geplant werde, bestehe eine Chance, der Plage Herr zu werden.
Ungeduldig
Der lateinische Name des Springkrauts ist «Impatiens» (ungeduldig) und genauso ist es: Wo die bis zu zwei Meter hoch werdende Pflanze ihren Platz erobert, wächst sonst gar nichts mehr. Das Springkraut wurde 1839 nach England importiert und als Gartenzierpflanze und Bienenweide kultiviert.
Da dieses «Blümlein-Rühr-mich-nicht-an» seine Samen aus den Kapseln bis zu sieben Meter weit in die Umgebung schleudert, schaffte es mühelos den Sprung über den Gartenzaun. Die Folge ist Bodenerosion.



























