Kampf gegen Ambrosia und Co.
AR. Sie sind riesig, wie der mächtige Bärenklau und hübsch, wie das rosa Springkraut. Aber sie können zum Teil Allergien oder Verbrennungen auslösen.
Im Ausserrhoder Kantonsrat regte ein Ratsmitglied an, die Kosten zur Bekämpfung von Ambrosia und Bärenklau, die bei Menschen Krankheiten auslösen, dem Gesundheitsdepartement zu überbinden und nicht dem Landwirtschaftsamt.
Denn: Gerade Ambrosia und Bärenklau stören die Landwirte im Futteranbaugebiet nicht. Sie sind aber für Menschen gefährlich, und werden auf Kosten des Landwirtschaftsamts bekämpft, wie Christine Kölla, Leiterin der Ausserrhoder Pflanzenschutzstelle, gegenüber der Nachrichtenagentur SDA sagt.
Geld ausgegangen
Dieses Jahr musste die Bekämpfung von Springkraut und Knöterich prompt abgebrochen werden, weil das Budget nicht mehr reichte, wie sie sagt. Ambrosia wird weiterhin bekämpft. Es sei aber unfair, dass die Bekämpfung von Ambrosia vom Landwirtschaftsamt berappt werden müsse, fand der Landwirt. Es handle sich um gesundheitliche Probleme, die nichts mit der Landwirtschaft zu tun hätten.
In der Tat: Die Landwirtschaft ist auch nicht verantwortlich für die Verbreitung invasiver Neophyten, wie Springkraut, Japanknöterich, Goldrute und anderen Eindringlingen. Die sind nämlich alle aus privaten Gärten ausgebüxt und nicht einmal das ganz freiwillig. Sie wurden von ihren früheren Besitzern in der Natur «freigesetzt».
Japanknöterich und Springkraut siedeln sich gern an Waldrändern, Wasserläufen und an Abhängen an, kein Wunder: «An fast jedem Hang kippt jemand Gras und Gartenabfälle hin», sagt Christine Kölla.
Gartenbesitzer, die ihre Gärtchen fein herausputzen, geben Gartenabfälle nicht etwa auf den Kompost oder in die Grünabfuhr, sie schmeissen «Rasenschnitt» und Pflanzenreste einfach in die Gegend und sparen damit ein paar Franken für die Grünabfuhr.
Kein Kavaliersdelikt
«Manche Floristen verwenden immer noch Japanknöterich in ihren Bouquets. Wenn die verwelkten Pflanzen im Wald weggeworfen werden, haben wir eine neue Kolonie», sagt Christine Kölla.
Natürlich ist es verboten, Gartenabfälle im Wald oder an einen Bord endzulagern, auch im Privatwald. Trotzdem tun dies eine ganze Menge Leute. Die Anwohner wüssten meistens, wer die Abfallsünder seien, wollten sie aber nicht denunzieren, sagt Kölla. Wer erwischt wird, muss je nach Fall mit mehreren hundert Franken Busse rechnen.
Im Herbst werden die Gärten «winterfest» gemacht und «aufgeräumt»: Da landet ganz besonders viel Gartenabfall illegal im Wald, nach der Devise «Zurück zur Natur». Endlagerung von Gartenabfällen im Wald ist aber kein Kavaliersdelikt und kann verheerende Folgen haben: Die Baumwurzeln werden durch Säfte aus den verfaulenden Rasenhaufen zerstört: Der Baum stürzt beim nächsten Sturm um. Die schädlichen Grassäfte sickern auch in Gewässer und schädigen den Laich von Amphibien.
Wertlos – wertvoll
Japanknöterich treibt aus kleinsten Pflanzen- und Wurzelstückchen wieder aus und wächst zu meterhohem Dickicht heran. Als Nahrung und Lebensraum ist er für heimische Tiere nahezu wertlos. Er gehört in die Kehrichtverbrennung.
Im eigenen Garten aber, auf dem Kompost, tun die Pflanzenabfälle Gutes: Sie verrotten und werden zu Dünger. Igel, Spitzmäuse und Kröten finden im Komposthaufen einen Unterschlupf und vertilgen zum Dank Schädlinge.
Der Riesenbärenklau: Ein aggressiver Riese
Neophyten sind Pflanzen, die seit der Entdeckung Amerikas eingeführt wurden und sich erfolgreich etablierten. Die rund 300 Arten sind vor allem in Gärten verbreitet aber einige schafften den Sprung über den Gartenzaun. Sie verdrängen einheimische Pflanzen und gefährden die Pflanzenvielfalt.
Der Riesenbärenklau sieht aus wie ein gewaltiger Kerbel und wird bis zu drei Metern hoch. Die Berührung der Pflanze kann zusammen mit Sonnenlicht zu schweren Haut-Verbrennungen führen. Um den Bärenklau los zu werden, muss der Wurzelstock abgestochen werden.
Der Japanische Knöterich: Ein Betonbrecher
Der Japanische Knöterich kann selbst Beton durchbrechen, er unterdrückt fast alle andern Pflanzen und kann an Uferböschungen Bodenerosion verursachen. Wirksame mechanische Bekämpfungsmethoden sind bisher unbekannt, da sich der Knöterich durch Rhizome (unterirdische Sprossen) fortpflanzt.
Das Drüsige Springkraut: Ein Verdränger
Verdrängen ist auch die Strategie des Drüsigen Springkrauts, einer Pflanze mit rosa Blüten, die sich vor allem an Bachläufen und Waldrändern rasch ausbreitet. Sie sollte vor der Blüte ausgerissen oder gemäht werden, da sie ihre Samen weit in die Umgebung schleudert.
Auch die Goldrute verdrängt alle Konkurrenten. In Naturschutzgebieten ist sie eine echte Plage. Sie kann durch ständiges Mähen und Jäten bekämpft werden.
Ambrosia: Ein Allergienträger
Probleme verursachen invasive Neophyten vor allem in Schutzgebieten und an Bachläufen. Die Bekämpfung ist teuer und verlangt ständige Kontrolle. Ambrosia hingegen ist ein Acker-Unkraut, das die Bauern im Appenzellerland wenig stört. Sie kann aber Allergien, ähnlich dem Heuschnupfen, und Asthma auslösen. Über Vogelfutter gelangt sie in die Gärten. Sie sollte vor der Blüte ausgerissen und mit dem Kehricht entsorgt werden. Sie gehört nicht in die Grünabfuhr oder auf den Kompost. Ambrosia-Bestände sind meldepflichtig.



























