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Kampagne zu wenig provokativ?

Herisau. Im Kampf gegen herumliegenden Abfall lancierte Herisau letztes Jahr eine schweizweit einzigartige Kampagne. Inzwischen interessieren sich auch andere Gemeinden für das Konzept.

Achtlos weggeworfener Abfall, obwohl an fast jeder Strassenecke ein Abfalleimer steht: Mit diesem Problem haben viele Gemeinde zu kämpfen. Das Bewusstsein dafür, dass dieses Verhalten den Gesamteindruck stört und durch den Einsatz von mehr Reinigungspersonal auch Kosten verursacht, scheint bei vielen – nicht nur, aber vor allem jungen – Leuten nicht mehr vorhanden zu sein.

Kreative Kampagne
Eine «Abfallpolizei», die wie in Singapur jedem kaugummi-spuckenden Passanten zu Leibe rückt, wäre in unserer Region kaum praktikabel und nicht finanzierbar. Die Gemeinde Herisau hat deshalb 2006 entschieden, das Thema Littering offensiv ins Gespräch zu bringen und so die Bevölkerung zu sensibilisieren. 400 Abfallbehälter und Robidogs sowie Plakate in öffentlichen Verkehrsmitteln wurden dazu mit augenzwinkernden Sprüchen und Wortspielen versehen. Dazu wurden nicht existierende Worte wie Abfallrückzieher, Abfallschirm oder Abfallsündenregister kreiert.

Mehr als ein Jahr später ist die Littering-Problematik in Herisau noch nicht gelöst – was natürlich so gar nicht erwartet worden war. Aber es scheint zudem, dass das Ziel, eine öffentliche Diskussion auszulösen, nicht ganz erreicht wurde. Denn auf einer Webseite der Gemeinde, auf der Rückmeldungen zu der Kampagne publiziert werden sollen, herrscht diesbezüglich gähnende Leere. War man zu optimistisch, was die Reaktion der Öffentlichkeit angeht?

Nein, sagt Stefan Grob, Inhaber der St.Galler PR-Agentur Complecta und Kopf hinter der Kampagne. «Es war ja nicht das Ziel, dass die Gemeinde mit Feedbacks überhäuft wurde. Wir wollten lediglich die Öffentlichkeit auf das Thema sensibilisieren, zum Nachdenken anregen und eine geeignete Dialogmöglichkeit anbieten.» Die Tonalität der Kampagne sei bewusst keine moralisierende, sondern mit einem Augenzwinkern zu verstehen.

Zudem sind laut Grob durchaus Reaktionen eingegangen. «Zum Teil waren diese jedoch so unter der Gürtellinie, dass sie natürlich nicht publiziert werden konnten», so der PR-Mann. Für die Gemeinde habe dies jedoch zahlreiche wertvolle Hinweise dafür gegeben, wo die Bevölkerung ausser an den hoch frequentierten Plätzen sonst noch Probleme bezüglich Littering sieht.

Interesse anderer Gemeinden
Gegen aussen scheint die Kampagne jedenfalls Aufsehen erregt zu haben. Stefan Grob wurde in der Zwischenzeit beispielsweise von der Stadt Arbon eingeladen und konnte dort das Konzept erläutern; dieses sei sehr gut angekommen. Grob: «Wir bekamen auch einige weitere Anfragen von anderen Gemeinden, die mehr über das Konzept wissen wollten.»

Der Kampf gegen Littering ist eine langfristige Angelegenheit. Auch in Herisau wird sich über Erfolg oder Misserfolg wohl erst in Jahren mehr sagen lassen. Stefan Grob selbst würde heute im Fall Herisau «eine Kampagne vorschlagen, die viel mehr polarisiert und so das Thema noch effizienter in die öffentliche Diskussion bringen könnte.» Aber es sei schwierig, dies als Agentur bei einer Gemeinde als Kundin durchzubringen. «Ich verstehe, dass sich eine Gemeinde nicht mit einer polarisierenden Kampagne in die öffentliche Kritik manövrieren möchte», stellt Grob klar. Doch er sei überzeugt, dass dies manchmal der bessere Weg wäre. Entsprechend habe seine Agentur noch stärkere Kampagnen für den Themenbereich Littering auf Lager – «vielleicht meldet sich ja bald eine Gemeinde bei uns, die so mutig ist, auf diese Karte zu setzen.»


Weitere Artikel zu diesem Thema:
«Wird Herisau bald überwacht?», (03.10.2007)
«Littering-Kampagne: Sinn oder Unsinn?», (02.05.2007)
«Ein Jahr Müll-Bekämpfung», (26.04.2007)
«Ich bins, dein Abfalleimer», (11.10.2006)

Appenzell AusserrhodenAppenzell Ausserrhoden / 03.10.2007 - 12:02:00