Kabarettist Simon Enzler als Kulissenschieber
Appenzell/AI. Die Kleinkunst-Szene kommt nicht nur wegen des exotischen Veranstaltungsortes an die Kabarett-Tage. Das Festival hat sich etabliert.
Der Wunsch, in der Schweizer Kleinkunstszene eine gewisse Rolle zu spielen, ist in Erfüllung gegangen. Der 33-jährige Innerrhödler Kabarettist Simon Enzler ist nicht nur Träger des Salzburger Stiers. Seit zehn Jahren veranstaltet er gemeinsam mit seinem Manager und Geschäftspartner Marcel Walker auch erfolgreich die Appenzeller Kabarett-Tage.
Aus einer «flüchtigen Bekanntschaft» am Gymnasium Appenzell ist eine dauerhafte Geschäftsbeziehung entstanden. Die gemeinsame Leidenschaft zur Kulturvermittlung liess Enzler und Walker die St. Galler Künstleragentur Bretterwelt GmbH gründen.
Den Machern der Appenzeller Kabarett-Tage geht es in erster Linie darum, arrivierte Künstler nach Appenzell zu holen und jungen Talenten mit der Verleihung des «goldigen Biberfladen» einen guten Start zu verschaffen.
Ritterschlag
«Als der bayrische Kabarettist Gerhard Polt ans zweite Festival kam, war dies wie ein Ritterschlag für uns», sagte Walker kürzlich in einem Fernsehinterview. Polt war schon zweimal in Appenzell und Piet Klocke würde jederzeit wiederkommen. «Wir bieten den Künstlern einen gesellschaftlichen Mehrwert», sagt Enzler.
In diesem Jahr gehen die Appenzeller Kabarett-Tage erstmals über vier Tage. Grund ist Ottfried Fischer. Das kabarettistische Schwergewicht aus Deutschland war nur am Mittwoch verfügbar. Künftig wird das Festival wohl wieder über drei Tage gehen.
Nicht weiter wachsen
«Wir wollen nicht mehr weiter wachsen», sagt Simon Enzler. Doppelt so viele Leute brächten nicht doppelt so viel Freude. Ausserdem seien qualitativ hochstehende Künstler nicht leicht zu finden. Wie das Arosa Humor-Festival jedes Jahr ein zehntägiges Programm auf die Beine zu stellen, würde ihm Angst machen, meint Enzler.
Im Aufgebot der Jubiläumsausgabe sind die Biberflade-Preisträger Esther Schaudt, Pedro Lenz und Mammutjäger. Daneben kehrt Anet Corti, Gastmoderatorin der ersten Stunde, für «Biberfladen retro» nach Appenzell zurück. Mit Heinz der Specht sind auch drei Schützlinge von Bretterwelt mit am Start.
Der Abschlussabend «Biberfladen retro» wird von Marco Frische moderiert, wie Enzler ein Appenzeller mit schweizweiter Ausstrahlung. Davor gibt es in der Aula Gringel drei deftige Kaberett-Tage mit Ottfried Fischer, Stefan Vögel und Josef Hader im Programm.
Kein Heimspiel für Enzler
Die Kulturvermittler mit Geschäftssinn wollen mit ihrem Festival auch die Appenzeller Tradition des Schalkes und Witzes erhalten und das Label Appenzellerland vom traditionell-folkloristischen Image befreien.
Das beste Pferd im Stall bleibt Enzler selbst. Anfang März feierte sein neues Programm «Phantomscherz» im Casinotheater Winterthur Premiere. Dem Appenzeller Kabarettisten eilt sein Ruf voraus: «Phantomscherz» ist bereits über 70 Mal gebucht, gut ein Dutzend Vorstellungen sind ausverkauft.
Die Appenzeller Kabarett-Tage nutzt Enzler jedoch nicht für ein Heimspiel. Jahrelang war Enzler sogar darauf bedacht, nicht in Appenzell aufzutreten. Inzwischen begibt er sich alle zwei, drei Jahre wieder in die Höhle des Löwen. Beim Festival arbeitet er dagegen lieber als Kulissenschieber und verfolgt die Vorstellungen hinter der Bühne.



























