
Jungluchs ist an den Folgen eines Unfalls gestorben
Tägerwilen/TG. Der am 1. April aufgefundene Luchs ist mit grösster Wahrscheinlichkeit an den Folgen eines Verkehrsunfalls gestorben.
Bei der Sektion wurden ein Oberschenkel- und ein Kieferbruch festgestellt, was dem Jungluchs verunmöglichte, Nahrung aufzunehmen. Letztendlich ist er aufgrund der schweren Verletzungen verhungert.
Mitte November 2008 machte im Murgtal im Kanton Thurgau ein Luchs auf sich aufmerksam, indem er verschiedentlich Hauskaninchen in Freilaufhaltungen als Beutetiere auswählte. Bis zirka Mitte Januar 2009 wurde dieser Luchs mehr oder weniger regelmässig im Siedlungsgebiet von Frauenfeld und später von Weinfelden beobachtet, wo er auch fotografiert werden konnte. Das aussergewöhnliche Verhalten dieses Luchses und die Grösse des Tieres liessen auf einen verwaisten Jungluchs schliessen. Ab Mitte Januar 2009 tauchte dieser Luchs regelmässig in einem Einfamilienhausquartier in Tägerwilen auf, wo er sich hauptsächlich von Katzenfutter ernährte. Der Umstand, dass dieses Tier vermehrte Bindung ans Siedlungsgebiet zeigte, und das Risiko eines Verkehrsunfalls bewogen die Behörden zum Entscheid, dass dieser Luchs eingefangen werden sollte. Mehrere Fangversuche durch Luchs-Spezialisten blieben jedoch erfolglos. Nachdem sich ab Anfang Februar die Spur des Luchses verlor und keine Beobachtungen mehr erfolgten, wurden die Fangversuche eingestellt.
Am 1. April wurde der Luchs am Rand des Tägerwiler Waldes tot aufgefunden. Dies ist der erste Luchs, der seit Beginn des «Luno»-Projekts (Luchsumsiedlung Nordostschweiz) im Jahr 2001 im Kanton Thurgau tot aufgefunden wurde. Zur Abklärung der Todesursache wurde er ins Institut für Tierpathologie der Universität Bern verbracht. Es handelt sich wie vermutet um einen letztes Jahr geborenen, männlichen Luchs, der im Vergleich zu den Beobachtungen vom Januar relativ stark abgemagert war. Bei der Sektion des Tieres konnte ein Oberschenkel- und ein Kieferbruch festgestellt werden. Diese Verletzungen weisen auf einen Aufprall mit grosser Energie hin, bei dem auch mehrere Zähne ausgebrochen wurden. Die wahrscheinlichste Ursache dieser Verletzungen dürfte ein Zusammenprall mit einem Auto gewesen sein.
Eine Fremdeinwirkung durch einen Kugel- oder Schrotschuss kann vollständig ausgeschlossen werden. Neben den Verletzungen schien der Jungluchs zudem ein weiteres, gesundheitliches Problem zu haben: Knotenbildungen in der Leber und der Milz deuten auf eine virale Infektion hin. Die schweren Verletzungen vor allem im Kieferbereich haben letztendlich zum Tod durch Verhungern geführt.
Nach wie vor noch nicht geklärt ist die Herkunft dieses Jungluchses. Am wahrscheinlichsten ist, dass dieser aus der Luchspopulation im Tössstock-Gebiet stammt. Aufgrund von genetischen Analysen wird nun versucht, die Eltern dieses Tieres zu identifizieren.