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Jugend des Kaisers vom Bodensee

Salenstein/Konstanz. Mit einer Doppelausstellung feiert die Bodenseeregion den 200. Geburtstag von Napoleon III., des letzten französischen Kaisers.

Napoleon III. hat hier seine ersten 30 Lebensjahre verbracht und besass einen Schweizer Pass. Diese frühen und prägenden Jahre stehen im Mittelpunkt der beiden Ausstellungen, die vom 20. April bis zum 19. Oktober auf Schloss Arenenberg und im Konstanzer Kulturzentrum gezeigt werden.

Dabei wolle man mit Louis Napoleon «keinen Kaiserkult» betreiben und auch das diktatorische Gesicht nicht vergessen, wie die beiden Museumsleiter Dominik Gügel (Arenenberg TG) und Tobias Engelsing (Konstanz D) am Donnerstag, 17. April, betonten.

Das Ziel vor Augen
Nach dem Sturz Napoleon I. kamen Louis Napoleon und seine Mutter Hortense an den Bodensee ins Exil. Der kleine Prinz war gerade sieben Jahre alt. Im weitgehend im Original erhaltenen Schloss können die Besucher erleben, wie Hortense das Ziel verfolgte, ihren Sohn zum Kaiser zu machen.

So waren die Fenster seines Kinderzimmers in Richtung Paris ausgerichtet und zur Ausstattung gehörte ein Miniaturthron. Auf die Rückenlehne hatte Hortense den berühmten Hut Napoleon I. gestickt hatte, damit der kleine Junge frühzeitig in seine Rolle wachsen konnte.

Napoleon als Schweizer Offizier
Gezeigt wird aber auch das ganz alltägliche Leben, seine Erziehung und Ausbildung. So besuchte Napoleon die Militärakademie in Thun und wurde Schweizer Offizier. Auch die berühmt-berüchtigten Kanonenschüsse, die Napoleon quer über den See in Richtung Reichenau abfeuerte, können nachvollzogen werden, allerdings nur virtuell.

Dabei ging es keineswegs um Streitigkeiten, sondern um die Verbesserung von Reichweite und Treffgenauigkeit. Die Reichenauer nahmen es übrigens äusserst gelassen, dass bei den kaiserlichen Schiessübungen hin und wieder ein Rebstock vernichtet wurde.

Vielschichtige Persönlichkeit
Das gesellschaftliche Leben spielte sich nicht nur auf dem Arenenberg sondern vor allem auch in der Residenzstadt Konstanz ab, wie die üppige Schau im Kulturzentrum zeigt. Zu den Highlights der Ausstellung gehört eine Luxusausführung des Schlittens, mit dem der lebenslustige Dandy die Bürgertöchter spazieren fuhr.

Aus den unzähligen Liebschaften gingen etliche Nachkommen hervor, die zwar nicht offiziell anerkannt, aber finanziell versorgt wurden. Zum 18. Geburtstag erhielten die kaiserlichen Sprösslinge alle einen symbolischen Kupferring, auch davon sind noch etliche in privaten Sammlungen erhalten.

Der Kaiser, der in der liberalen, bürgerlichen Umgebung am Bodensee aufgewachsen ist, war jedoch nicht nur Dandy und skrupelloser Machtmensch. Er hat auch die Arbeitslosenversicherung eingeführt und war wesentlich an der Gründung des Roten Kreuzes beteiligt.

Für Napoleon war Frankreich das Vaterland und der Bodensee die Heimat, der er stets verbunden blieb. Der Kaiser ist der erste und einzige Ehrenbürger des Kantons Thurgau.

ThurgauThurgau / 17.04.2008 - 15:58:00