Jetzt wird’s kriminell
AR. Bei der Interpretation der Zahlen einer Statistik - da herrscht Narrenfreiheit. Heri Sauer über die Ausserrhoder Kriminalstatistik.
So lasset uns denn fröhlich die Ausserrhoder Kriminalstatistik 2007 interpretieren. Zum Beispiel so: Herisau ist ein kriminelles Pflaster, auf dem man, wenn man abends das Haus verlässt, sofort von einer Horde Barbaren überfallen, niedergeknüppelt und ausgeraubt wird. Im Vorderland wiederum wird man nicht so schnell Opfer einer Straftat, aber wenn es doch einmal passiert, dann handelt es sich beim Täter vermutlich um einen frühreifen Achtjährigen mit seiner fünfjährigen Schwester als Komplizin. Im Mittelland hingegen kann man das Auto mit laufendem Motor auf den Dorfplatz stellen, einen offenen Sack voll Geldnoten auf die Motorhaube stellen und in die Bäckerei gehen – beides steht danach immer noch dort.
Nachvollziehbar? Kaum. Tatsache ist, dass die meisten Straftaten im Hinterland geschehen und überdurchschnittlich viele Täter im jugendlichen Alter aus dem Vorderland stammen. Das kann man nun als Zufall bezeichnen oder Schlüsse daraus ziehen. Sicher dürfte sein, dass die Schwelle zur (gewalttätigen) Straftat auf dem Land wohl grösser ist als in der Stadt. Ja, liebe Freunde, ich weiss, unser schönes Herisau ist keine Stadt, sondern ein Dorf, aber bezüglich Kriminalität ist städtisches Verhalten festzustellen. Denn 15’000 oder 1500 Einwohner: Das macht schon einen Unterschied. Die Anonymität ist grösser, damit wächst die Anziehungskraft für zwielichtige Leute, gleichzeitig sinkt die soziale Kontrolle untereinander. Man kennt seinen Nachbarn, aber denjenigen drei Häuser weiter vielleicht nicht mehr. Und das fördert, um es schwulstig auszudrücken, das Vorhandensein von Kriminalität.
Die Lösung? – Wenn das Leben so einfach wäre… Ein Zentrum, wie es Herisau eines ist, hat Vor- und Nachteile. Die quasi-städtischen Strukturen bringen Nebenerscheinungen wie Vandalismus und mehr Straftaten mit sich. Man kann daran arbeiten, Massnahmen ergreifen und so weiter. Aber bei aller Gegenwehr muss man vielleicht auch einfach akzeptieren, dass das Appenzellerland, das wir touristisch natürlich als heile Welt verkaufen müssen, keine Oase der Friedfertigkeit ist. Wo Menschen wohnen, gibt’s auch dunkle Gesellen, wo mehr Menschen wohnen, gibt’s auch mehr von diesen…



























