Insieme Glattbrugg führte die Zauberorgel auf

Walzenhausen/AR. Zwanzig Menschen mit Behinderung verbrachten im Sonneblick ihre Ferien und übten dabei die Zauberorgel als Playbackmusical ein.

Jörg Schneider war bei der öffentlichen Aufführung in Rorschach hell begeistert vom Insieme-Schauspielteam.

Franziska Schlegel ist Sozialpädagogin HFS und derzeit Familienfrau in Glattfelden. Zuvor arbeitete sie in verschiedensten Institutionen mit Menschen mit Behinderung. Für die Projektgruppe Insieme Zwirniträff in Glattbrugg meldete sie sich als Ferienkursleiterin.

Playbackmusical entstand im Sonneblick
«Als kleines Mädchen habe ich selbst die Zauberorgel geschenkt bekommen und in den sechs Heimen, in denen ich arbeitete, fand ich sie immer wieder bei Bewohnerinnen und Bewohnern vor. Ich wusste, dass die meisten der Ferienteilnehmerinnen und -teilnehmer das Stück von Jörg Schneider und Emil Moser kennen würden. Es war so. Davon profitierte ich.» Das Musical spricht von Ausgrenzung, aber vor allem von Hilfsbereitschaft, welche von Herzen kommt. Zwei Themenkreise, mit denen Menschen mit Behinderung stets zu tun haben. «Ausserdem eignete sich die Zauberorgel gut für uns, weil sie viele prägnante Szenen beinhaltet, die wir spassig übertrieben darstellen konnten.»

Jörg Schneiders Kolleginnen und Kollegen
Nach einer Woche intensiven und lustvollen Probearbeiten im Sonneblick in Walzenhausen kam der grosse Tag. Die in Walzenhausen hergestellten fantasievollen Kulissen waren in den evangelischen Kirchgemeindesaal nach Rorschach transportiert worden, das Insieme-Schauspielteam begrüsste ankommende Gäste in wunderschönen Kostümen. Still und leise, noch unerkannt im Dunkeln, nahmen Romy und Jörg Schneider ihre Plätze ein. Was dann folgte, war einzigartig! Das Schauspielteam – zwanzig Insieme-Ferienkurs Teilnehmerinnen und –teilnehmer aus dem Zürcher Unterland und ihre zehn Betreuer spielten die Zauberorgel so intensiv, dass die Zuschauer manchmal den Atem anzuhalten schienen. In der Pause wurde Jörg Schneider erkannt und sofort bestürmt. Am Schluss der Schweizer Premiere, denn noch nie war das Stück von Menschen mit einer Behinderung aufgeführt worden, folgte tobender Applaus. Das grösste Kompliment machte Jörg Schneider, als er sich auf die Bühne begab und das Insieme-Schauspiel-Team mit «Liebe Kolleginnen und Kollegen» begrüsste und beglückwünschte.

Aus dem Herzen spielen steckt an
Jörg Schneider unterstrich: «Dieses Erlebnis war einmalig, weil ihr ganz aus dem Herzen mit viel Freude und Liebe gespielt habt. Ich danke allen ganz herzlich, ob vor oder hinter der Bühne. Als ich hörte, dass diese Zauberorgel in nur einer Woche Probe entstanden ist, war ich mehr als erstaunt, denn Freunde, wir üben jeweils zwei Monate an einem Stück! Ich hoffe, dass ihr die Zauberorgel wieder einmal aufführen könnt, wann und wo auch immer.» Nach der gelungenen Schweizer Premiere trafen sich Publikum und Schauspielerteam im Paradies, einem Gasthof in Rorschach. Jörg Schneider zeigte sich dort immer noch rundherum begeistert, speziell von der ungeheuren Freude, die dahinter stecke. Diese Freude habe sich blitzartig auf das Publikum übertragen. Ausserdem sei das Stück wegen der Liebe zum Detail betreffend Kostümen und Kulissen sehr gelungen. Dass dies alles in nur eine Woche entstanden sei, bedeute ein kleines, er korrigierte sich, ein grosses Wunder, dass Franziska Schlegel da vollbracht habe. Romy Schneider doppelte nach, dass auf dem Gebiet des Schauspielens von Kindern und Menschen mit Behinderung noch viel mehr gemacht werden müsste, gerade im heutigen Computerzeitalter.

Appenzell Ausserrhoden / 08.06.2009 - 14:36:21
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